Ein Brief an Elon Musk

Markt / 18.03.2021 • 22:09 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Frank Obrist hat eine Methode entwickelt, mit der man dem Klimagift CO2 beikommen kann. In Lindau wurde das Felix Wankel-Institut gekauft.  VN/PS, oP
Frank Obrist hat eine Methode entwickelt, mit der man dem Klimagift CO2 beikommen kann. In Lindau wurde das Felix Wankel-Institut gekauft.  VN/PS, oP

Obrist will Lösung für CO2-Problematik präsentieren. Wankel-Gebäude in Lindau gekauft.

Lustenau Die Lustenauer kennen die Fahrzeuge, mit denen Frank Obrist an Lösungen für einen emmissionsfreien Motor arbeitet – sie fahren unter alltäglichen Bedingungen als Testautos durch die Rheintalgemeinde. Der von Obrist entwickelte „Hyper Hybrid“ soll eine Alternative zu reinen Elektromotoren sein. Der kleine Verbrennungsmotor funktioniert mit synthetischem Treibstoff und erreicht schon jetzt die Abgaswerte, die von der EU für 2030 avisiert werden. Das vor 25 Jahren gegründete Unternehmen, das in der Fabrik Lustenau ansässig ist, ist eine reine Entwicklungsgesellschaft – produziert wird nicht. Die rund 200 Patente, die das Hightech-Unternehmen hält, werden als Lizenzen an große Konzerne vergeben. Zu den Kunden zählen große Automobilhersteller wie Daimler Benz, Audi und BMW.

Antrieb für Frank Obrist, der seine Ausbildung u. a. an der HTL Bregenz absolvierte und berufsbegleitend Innovations- und Technologiemanagement an der TU Graz und an der Management School St. Gallen studierte, ist der Kampf gegen den Klimawandel. Er wolle eine Technologie entwickeln, die den Vorgaben des Pariser Klimaabkommens entspricht, eine „Technologie, die enkeltauglich und bezahlbar ist“, sagt der Entwickler, der praktische Erfahrungen bei seiner Zusammenarbeit mit einem anderen Pionier des Motorenbaus, dem Deutschen Felix Wankel, in Lindau sammeln konnte.

Wankel-Gebäude gekauft

Wankel war mit seinem Kreiskolbenmotor ein Pionier. Autos wie der NSU Ro 80, der Mercedes C111 oder der Mazda RX 8 liefen mit ihm. Die Japaner haben für heuer einen Wankelmotor als Generator in einem Elektromotor angekündigt. Obrists Verbindung zu Wankel manifestiert sich nun im Kauf des Felix-Wankel-Baus am Lindauer Seeufer, der unter Einbezug des Denkmalschutzes renoviert wird. „Ein kleines Mosaiksteinchen“, nennt Frank Obrist die Expansion nach Deutschland – Verkäufer war der VW-Konzern. In Lindau sollen die Motoren u. a. in Booten auf dem Bodensee getestet werden. Auch das ein Mosaikstein im Kampf gegen CO2.

Kein Mosaiksteinchen ist aber das, was die Ingenieure in Lustenau im vergangenen Coronajahr entwickelt haben. Und deshalb hat Obrist auch einen Brief an Tesla-Mastermind Elon Musk geschrieben. „Wir haben eine Lösung, um dem Klimawandel Einhalt zu gebieten“, sagt der Firmenchef und ist sich bewusst, dass das sehr ambitioniert klingt. Aber man habe das Auto auch in Baden Württemberg erfunden, warum soll nicht aus Vorarlberg die Lösung für die Klimakrise kommen. Musk hat für die Lösung eine Prämie von 100 Millionen Euro angekündigt, „die wollen wir haben“, gibt sich Obrist selbstbewusst. Funktionieren soll das mit riesigen, mit Sonnenenergie gespeisten Werken, die aus Kohlenstoff Methanoltreibstoff produzieren, der zum Antrieb von Autos, Schiffen, Maschinen genutzt werden kann. „Ist die geplante CO2-Reduktion abgeschlossen, kann der Stoff in Graphit umgewandelt und versenkt werden“, verspricht Obrist. Die riesigen Fabriken, die auf Wüstenflächen in der Nähe großer Gewässer angesiedelt werden könnten, würden auch in diesen Ländern zu wirtschaftlichem Wohlstand führen.“ Auf einer Weltkarte hat er die Regionen, die für solche „Plants“ in Frage kommen, bereits definiert – sie reichen von Namibia bis nach Westaustralien. Auch mit den lokalen Behörden habe man bereits Kontakt aufgenommen, so der Chef des Technik-Think-Tanks, der 45 hochspezialisierte Mitarbeiter beschäftigt.

30 mal effizienter als der Wald

Das Projekt wird auch fachliche begleitet. Gleich drei Universitäten werden die Ergebnisse überprüfen, verifizieren und unterstützen. Das Projekt könne man sich, so Obrist, wie einen „Wald vorstellen, nur dass es dreißig Mal effizienter ist“. Jetzt komme es darauf an, dass Musk, der die Regeln für seinen Wettbewerb am 22. April bekannt geben will, das Schreiben aus Lustenau auch zu Gesicht bekomme, sagt Frank Obrist. VN-sca

Obrist Engineering

Eigentümer und Geschäftsführer Frank Obrist, Frank Wolf u. a.

Umsatz 2019 18,6 Millionen Euro

Investitionen 2019 2,9 Millionen Euro

Mitarbeiter 45

Export 100 Prozent