Energieziele und Gleichheitsgrundsatz

Markt / 24.03.2021 • 22:29 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Feldkircher Stadtrat und AK-Direktor Rainer Keckeis verweist auf KliNaWo.
Feldkircher Stadtrat und AK-Direktor Rainer Keckeis verweist auf KliNaWo.

Stellungnahmen zur neuen Vorarlberger Bautechnik-Verordnung drehen sich vor allem um Wärmequellen.

Bregenz, Feldkirch „Das widerspricht dem Gleichheitsgrundsatz“, sagt Armin Immler, Geschäftsführer der Sparte Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer zu den nach Meinung der Unternehmervertretung zu einseitigen Festlegung der Wärmequellen. Das habe man auch in der Stellungnahme zur Novelle der Bautechnikverordnung eingebracht. Bei den meisten der 23 beim Land eingegangenen 23 Stellungnahmen davon geht es um die Wärme- bzw. Energiequellen für Wohn- und Geschäftsbauten in Vorarlberg.

Photovoltaik verpflichtend

Dabei gibt es neue Allianzen, etwa jene zwischen Nonprofit-Organisationen, Architekten und Unternehmen, die vergangene Woche Alarm schlug, dass die Landesregierung mit dem Entwurf zur Novelle, die am 1. Oktober 2021 in Kraft treten soll, die Ziele der Energieautonomie gefährde. Die Klimaschutz-Allianz verlangt die deutliche Reduktion der Treibhausgasemissionen von Gebäuden, höhere Standards bei Teilsanierungen und eine verpflichtende Installation von Photovoltaikanlagen (die VN berichteten). Die Arbeiterkammer Vorarlberg wie auch die Stadt Feldkirch verweisen auf die Ergebnisse des Projektes KliNaWo (Klimagerechter Nachhaltiger Wohnbau), bei dem Energieinstitut, die Forschungseinrichtung AlpS, die Vogwosi und die AK mit Vergleichsbauten die Kosten für die jeweiligen Gebäude bzw. ihre Infrastruktur ermittelten und zum Schluss gekommen sind, dass sich das über einen Lebenszyklus von 50 Jahren rechnet. Somit sei wissenschaftlich belegt, dass sich leistbares Wohnen und ein hoher energetischer Standard nicht widersprechen. Der Stellungnahmen haben sich neben Feldkirch die Gemeinden Bregenz, Bludenz, Wolfurt, Mäder, Rankweil, Nüziders, Schnifis, Göfis, Schwarzach, sowie die Baurechtsverwaltung Bregenzerwald, der Regio Biosphärenpark und der KEM Biosphärenpark Großes Walsertal angeschlossen.

Für den zuständigen Landesrat Marco Tittler ist die Bautechnikverordnung, die alle drei bis vier Jahre auf neuesten Stand gebracht wird, dennoch ausgewogen. „Es gibt die, die behaupten, wir seien zu wenig ambitioniert, und jene, die sagen, wir seien überambitioniert. Ich glaube, dass wir einen guten Pfad vorgelegt haben, der zeigt, in welche Richtung es geht. Das ist für mich ambitioniert.“ Man werde jetzt die Stellungnahmen in der Raumplanung evaluieren und dann weitere Schritte setzen.

Fernwärme oder Erdgas?

Das gilt auch für die künftigen Wärmequellen. Bei den Stellungnahmen spießt es sich im speziellen an der Fernwärme, die dann den Vorzug vor Erdgas bekommt, wenn eine Leitung nicht weiter als 50 Meter von der Grundstücksgrenze entfernt ist. Für das Erdgas wäre das ein Verbot durch die Hintertür. „Das ist eine willkürliche Festlegung“, sagt dazu Baurechtsexperte Lukas Fleisch von der WKV, der über das Aus für Erdgas gerne einen parlamentarischen Prozess sähe. Tittler verweist darauf, dass auch andere alternative Heizquellen wie Erdwärme oder Pellets zum Einsatz kommen können. Gerade bei Sanierungen befürchtet Fleisch aber, dass diese bei solchen Vorschriften oft nicht durchgeführt werden.

Was den Kammern und Kommunen bei der Diskussion um die richtigen Standards wichtig bleibt, ist, dass Bauen in jedem Fall nicht teurer werden sollte, doch das ist nur sehr schwer erreichbar.  VN-sca

„Mit einer Pflicht zu Fernwärmeanschluss sehen wir den Gleichheitsgrundsatz verletzt.“

Beim Projekt KliNaWo (Klimagerechter Nachhaltiger Wohnbau) wurden in Feldkirch verschiedene Energiesysteme verglichen. VN
Beim Projekt KliNaWo (Klimagerechter Nachhaltiger Wohnbau) wurden in Feldkirch verschiedene Energiesysteme verglichen. VN

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