„Die Krise nützt den Starken“

Markt / 16.04.2021 • 18:35 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Johannes Schneider ist Partner der Strategieberatung EY-Parthenon. ey
Johannes Schneider ist Partner der Strategieberatung EY-Parthenon. ey

Experten des Beratungsunternehmens EY sehen Chancen für Unternehmen und Hochphase bei Transaktionen.

Schwarzach Die Notwendigkeit, ständig beim Kunden vor Ort zu sein und zu reisen, hat durch Corona an Bedeutung verloren. Eine neue Situation für die drei Vorarlberger Eva-Maria Berchtold, Johannes Schneider und Andreas Sauer, die beim Beratungsunternehmen EY in Wien tätig sind.

Einiges habe sich geändert. Allerdings sei es für viele Manager nicht die erste Krise, die sie mitmachen. „Sie wissen, dass in der Situation auch Chancen liegen“, betont Strategieberater Johannes Schneider im VN-Gespräch. Dennoch zeige sich insgesamt ein schwankendes Bild, auch weil es genauso Unternehmen gebe, die sich schwerer tun. „Die einen werden gestärkt aus der Krise herauskommen. Für andere, bei denen es vorher schon schlecht lief, wirkt sie wie ein Brandbeschleuniger“, so Schneider.

Die zentrale Herausforderung sei es, seinen Betrieb durch einen Mix an Maßnahmen durch die Krise zu lavieren und mit der strukturellen Unsicherheit umzugehen. „Die Vorarlberger Unternehmer sind in Summe etwas gelassener und die Investitionsneigung ist höher“, so Schneider. Die Investitionsprämie habe zwar einen gewissen Vorzieheffekt, sei aber insgesamt eine wichtige Intervention, die der Struktur helfe. Bei der Kurzarbeit nehme die Sinnhaftigkeit indes ab.

Gutes kostet

Beim Bereich Transaktionen im Unternehmensbereich, den Eva-Maria Berchtold leitet, merke man von einer Krise nichts. Zu Beginn der Pandemie 2020 habe es anfangs zwar einen kurzen Stillstand gegeben, dann aber setzte der Aufholeffekt ein. „Viele schauen sich danach um, anorganisch zu wachsen. Denn die Zinsen sind niedrig und Geld ist im Markt ausreichend vorhanden“, so Berchtold. Somit nütze die Krise den Starken. Die Bewertungen der Unternehmen hätten durch die Krise nicht gelitten. „Gute Dinge kosten nach wie vor Geld“. Dass die Preise nicht nach unten gegangen sind, bestätigt auch Steuerexperte Andreas Sauer. Allerdings seien es vor allem strategische Investoren und Fonds aus dem angloamerikanischen Raum, die in Österreich nach Investments suchen. Gefragt seien dabei vor allem die Bereiche Immobilien, Technologie, Medizintechnik, Pharma, Konsumgüter oder Verpackung.

Start-ups als Chance

Auch im Start-up-Bereich tue sich viel. So kämen nun auch Gründer in der Frühphase deutlich besser zu Investoren. Für etablierte Unternehmen seien Start-ups auch eine interessante Option, um Digitalisierung in den Betrieb hereinzuholen.  

Eine Insolvenzwelle erwarten die Experten indes nicht. „Angekündigte Katastrophen treten selten auch ein“, sagt Sauer. Nachholeffekte seien aber absehbar. VN-reh

Eva-Maria Berchtold leitet den Bereich Strategie und Transaktionen. EY
Eva-Maria Berchtold leitet den Bereich Strategie und Transaktionen. EY
Andreas Sauer ist bei EY Partner im Bereich Transaktionssteuerservice. EY
Andreas Sauer ist bei EY Partner im Bereich Transaktionssteuerservice. EY