So hat die Hypo Vorarlberg im Krisenjahr 2020 gewirtschaftet

Markt / 22.04.2021 • 11:43 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
So hat die Hypo Vorarlberg im Krisenjahr 2020 gewirtschaftet
Die Hypo-Vorstände (v. l.) Wilfried Amann, Michel Haller (Vorsitzender) und Philipp Hämmerle gehen davon aus, dass die Wirtschaft nach Öffnungsschritten wieder richtig anspringt. FA/MAYER

Hypo mit operativ starkem Geschäftsjahr – gute Perspektiven, wenn geöffnet wird.

Bregenz Das Coronajahr war für die gesamte Wirtschaft herausfordernd, das zeigt sich auch in den Bilanzen der Banken. Dennoch blieb das System stabil, auch die Hypo Vorarlberg spricht von einem operativ starken Jahr, wenngleich das Ergebnis vor Steuern von 91,7 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2019 auf  48,8 Millionen Euro im Coronajahr 2020 geschrumpft ist. Nach Steuern bleiben der Landesbank 37,3 Millionen Euro. Dies alles vorbehaltlich der der Beschlussfassung im Aufsichtsrat. Geschuldet ist das Ergebnis den konservative Bewertungen und der Risikovorsorgen, die vorgenommen wurdern, um einen Puffer für mögliche zukünftige Ausfälle von Kreditnehmern zu haben, heißt es in der Jahresbilanz, so der Vorstandsvorsitzende der Hypo Vorarlberg, Michel Haller, im Gespräch mit den VN. Auch die Die Eigenmittelquoten konnten 2020 weiter gestärkt werden, obwohl die Bilanzsumme auf EUR 15,3 Mrd angestiegen ist.

Kunden begleiten

Größte Herausforderung im vergangenen Jahr war es, laut Haller, die Kunden – vor allem Unternehmen – gut zu begleiten und ihre Liquidität sicher zu stellen. Mit Stundungen und Überbrückungskrediten sei es gelungen, die wirtschaftliche Stabilität der Betriebe bestmöglich zu erhalten. Daher sind auch die Forderungen an Kunden gegenüber dem Vorjahr angestiegen – u.a. durch coronabedingte Maßnahmen, die zum Teil gemeinsam von Landespolitik, Regionalbanken, Wirtschafts- und Arbeiterkammer getragen wurden. Zum Stichtag 31. Dezember 2020 betrug das Gesamtvolumen an Finanzierungen mit gewährten Stundungen EUR 549 Millionen Euro, die coronabedingten Neu- und Überbrückungsfinanzierungen lagen bei knapp EUR 94 Millionen Euro.

Wir gehen von einem deutlichen Wirtschafrtswachstum aus, wenn es Öffnungsschritte und Reisefreiheit gibt

Michel Haller, Vorstandsvorsitzender Hypo Vorarlbert

Sicher werde es zu Ausfällen kommen, doch viele Betriebe, viele Branchen, seien gut durch die Krise gekommen, „aktuell gibt es wenige Ausfälle Damit das auch bei Firmen gelingt, die in besonders betroffenen Branchen – etwa im Tourismus oder im Eventbereich – aktiv sind, fordert Haller mehr Pragmatismus und eine gewisse Flexibilität in der Regulatorik, wie auch seine Kollegen anderer Banken in Vorarlberg. Auch in Österreich sei das ein Thema, entsprechende Gespräche werden mit den zuständigen Politikern und der Bankenaufsicht bundesweit geführt. „Wir müssen Wege finden, um die Firmen zu unterstützen, bei denen das Geschäftsmodell funktioniert. Da kann man nicht von einem Jahr ausgehen, wo das aus bekannten Gründen nicht möglich war“, sagt der Banker. Die Wirtschaft brauche zudem dringend Maßnahmen und Instrumente, die den Eigenkapitalaufbau erleichtern.

Digitalisierung vorantreiben

Den Blick nach vorne gerichtet, glaubt Haller, dass das Wirtschaftswachstum zunimmt, sobald die Reisefreiheit wieder gegeben ist. Das gelte sowohl für den Tourismus, der ja im vergangenen Sommer schon gezeigt hat, dass sobald Reisen möglich ist, das Geschäft wieder anspringt. Aber auch die gesamte exportorientierte Wirtschaft des Landes brauche dies, um auf den Märkte präsent zu sein. Vordringliche Aufgabe für die gesamte Wirtschaft sei es, die im vergangenen Jahr auf breiter Basis angesprungene Digitalisierung voranzutreiben. Dafür müsse auch die Infrastruktur passen, die Breitbandoffensive sei deshalb ein richtiges Zeichen zur richtigen Zeit.

Die Hypo Vorarlberg (Bild: Zentrale Bregenz) wird die digitalen Skills weiterentwickeln, setzt aber auch weiterhin stark auf die persönliche Betreuung. <span class="copyright">FA</span>
Die Hypo Vorarlberg (Bild: Zentrale Bregenz) wird die digitalen Skills weiterentwickeln, setzt aber auch weiterhin stark auf die persönliche Betreuung. FA

Die Hypo selbst werde dieses Thema ebenfalls weiter verfolgen, die Digitalisierung habe sich im besonders im Coronajahr bewährt. Wie wichtig das Thema ist, zeigt dass die Bank mit Philipp Hämmerle einen eigenen Vorstand für Digitalisierung und IT  hat. 2020 wurde die IT-Tochter in die Bank integriert, zudem wolle man künftig verstärkt mit Partnern, z. B. Fintechs, zusammenarbeiten, ohne das Filialnetz zu schwächen. Die persönliche Beratung sei eine Pfeiler der Hypostrategie, deshalb werde man 2021 auch an der Filalstruktur festhalten und diese weiterentwickeln. Dafür sei auch der Freiraum im Messepark eröffnet worden. Dort werdsen neue digitale Formate und Produkte auszprobierrt und eng mit den Kunden weiterentwickelt. Und natürlich setzt die Bank auch weiterhin auf Nachhaltigkeit. „Wir sind schon seit Jahren klimaneutral“, so Haller, der die Pionierrolle als Pionier der Bank hinweist.

Hypo Vorarlberg Bilanz 2020

Bilanzsumme 15,3 Mrd. Euro

Ergebnis vor Steuern 48,825 Mill. Euro (-46,8 %)

Jahresergebnis nach Steuern 37.331 Mill. Euro  (-47,0 %)

Zinsüberschuss 174,16 Mill. Euro (+ 2,7 %)

Quote des Kernkapitals 14,92 Prozent (+ 1,8 Prozent)

Mitarbeiter 694

Vorstand Michel Haller (Vorsitzender), Wilfried Amann, Philipp Hämmerle