Wenn sich die Firmen-IT ein Virus einfängt

Markt / 28.04.2021 • 08:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Wenn sich die Firmen-IT ein Virus einfängt
Für die Dunkelmänner im Netz hat sich das Verschlüsseln von Daten zu einem lukrativen Geschäftszweig entwickelt. Nur Vorbereitung kann helfen. REUTERS

Corona hat einen Schub in der Digitalisierung gebracht – mit gefährlichen Nebenwirkungen.

Bregenz, Schwarzach Der Vorarlberger Steuerberater war dem Nervenzusammenbruch nahe. Als er und seine Mitarbeiter am frühen Morgen die Computer hochfuhren, war nichts mehr, wie es sein sollte. Die so vertraulichen wie dringend benötigten Daten aller Kunden konnten nicht mehr geöffnet werden, da half auch kein Neustart. Wenig später bekam der Mann, der nicht namentlich genannt werden will, ein Angebot: Entschlüsselung gegen Bezahlung von 40.000 Euro. Nur ein Fall im vergangenen Jahr. Er bezahlte.

Doch davon rät Harald Longhi, Datenschutzspezialist bei der Vorarlberger Kriminalpolizei, dringend ab. „Wenn die Täter erst einmal gemerkt haben, dass sie Erfolg haben, dann versuchen sie es oft wieder mit neuen Lösegeld-Forderungen“, sagt der IT-Spezialist im Landeskriminalamt. Dort sind mittlerweile mehrere Mitarbeiter mit dem Tatbestand Cyber Crime beschäftigt, außerdem gibt es eine Task Force für diese Verbrechen beim Bundeskriminalamt. Schritt zu halten mit den Kriminellen ist für die Spezialisten dennoch nicht einfach.

Hohe Dunkelziffer

Im vergangenen Jahr boomte wegen des Coronavirus die Digitalisierung und damit auch die Cyber-Kriminalität. Besonders das Homeoffice bot den Kriminellen, die vorwiegend von Asien aus operieren, neue Einfallstore in die Unternehmen. Longhi betont, dass es eine hohe Dunkelziffer bei den Betroffenen gebe. „Wenn es sich nicht um meldepflichtige Vergehen handelt, bleiben viele Firmen in der Deckung, zahlen und rüsten ihre IT-Security auf.”

Harald Longhi, IT-Experte im Vorarlberger Landeskriminalamt.<span class="copyright"> VN/HB</span>
Harald Longhi, IT-Experte im Vorarlberger Landeskriminalamt. VN/HB

„Die Zeiten, als KMU die digitalen Werkzeuge selbst betreuen konnten, sind vorbei.“

Harald Longhi, Landeskriminalamt

2020 stieg die Zahl der Anzeigen um 20,4 Prozent gegenüber 2019. Der Internetbetrug ist um 13,3 Prozent auf 784 Delikte angestiegen. Das Delikt „Betrügerischer Datenverarbeitungsmissbrauch“ ist sogar von 52 auf 164 Anzeigen gestiegen. Der Täter habhaft zu werden sei allerdings schwierig und meist nicht sehr aussichtsreich, weil diese – wie bereits von Longhi erwähnt – nicht in Österreich sitzen, sondern irgendwo auf der Welt, so Longhi im Gespräch mit den VN.

Schutz vor Cyber-Kriminellen

Doch wie kann man sich schützen? Vor allem durch vorbeugende Maßnahmen. Die kommen nicht von der Polizei, sondern von den dafür spezialisierten Unternehmen im Land, sagt Longhi. Das bestätigt auch Andreas Wieser, Geschäftsführer von Ideefix System- und Softwareentwicklung GmbH, der zusammen mit anderen IT-Unternehmen in der Vorarlberger IT-Security-Group sowohl betroffenen Unternehmen hilft, als auch das Bewusstsein für die Gefahrenquelle in den Firmen schärfen will. Das Potenzial möglicher Angriffe ist groß, die Abwehr reiche vom Antivirusprogramm bis zur Versicherung gegen Cybercrime. „Ein Restrisiko bleibt aber immer“, so Wieser, denn die Gegenseite ist fix bei der Entwicklung neuer Fallen. Sein Unternehmen checkt bei jedem Unternehmen individuell die Gefahren und die Gegenmaßnahmen. Dazu gehört auch die Schulung der Mitarbeiter.

Besonders kleine Unternehmen haben noch erhebliche Lücken, betonen Longhi und Wieser unisono. Dort gebe es oft nicht das Personal, um sich darum zu kümmern. Zu Bedenken gibt Wieser aber, dass „man sich schon überlegen müsse, ob man für IT-Sicherheit im Jahr 500 Euro ausgibt oder – wenn nicht – mit einem Schaden in Höhe von mehreren Zehntausend Euro leben muss“. Aber auch große Unternehmen sind vor Angriffen nicht gefeit, wie das Beispiel Hydro Aluminium zeigt. Der Konzern wurde weltweit lahmgelegt, der Schaden ging in die Millionen. Erste Hilfe gibt es bei Hotlines.

CyberCrime 2020

20,4 Prozent stiegen im vergangenen Jahr die Anzeigen wegen Cybercrime in Vorarlberg

 

164 Anzeigen gab es in Vorarlberg 2020 wegen Datenverarbeitungsmissbrauch, 2019 waren es 52

 

784 Mal wurde im Jahr 2020 in Vorarlberg Internetbetrug zur Anzeige gebracht (+ 13,3 Prozent)

Mehr Informationen unter www.cyberheer.at, Hotline der WKV 0800 888 133