Wieso der Holzweg lang werden kann

Markt / 28.04.2021 • 21:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Wieso der Holzweg lang werden kann
Plötzlich ein Rohstoff, der weltweit begehrt ist. Wie das Vorarlberger Holz auch in Vorarlberg zur Verfügung steht, wird in einer Arbeitsgruppe besprochen. VN/PAULITSCH

Beratungen in Wien und Bregenz sollen Lösung bei Holzengpässen bringen.

Bregenz, Wien Wenn der sprichwörtliche Hut brennt, dann kann es ganz schnell gehen. Am Mittwoch fanden gleich zwei runde Tische, einer in Wien, der andere in Bregenz, hier als „Holzgipfel“ tituliert, statt, die sich mit dem Holzengpass in Vorarlberg und Österreich befasst haben. In Wien wurde am runden Tisch ohne die zuständige Ministerin Elisabeth Köstinger verhandelt, sie ließ sich von zwei Mitarbeitern vertreten. Für Bundesinnungsmeister Siegfried Fritz, der an beiden Sitzungen teilgenommen hat, war das Ergebnis nicht befriedigend. Er pocht jetzt auf einen möglichst zeitnahen Termin mit der Ministerin.

“Miteinander reden”

Anders in Vorarlberg, wenn auch die Erwartungen einiger Teilnehmer nicht hoch waren. „Zuerst geht es einmal darum, dass alle Betroffenen überhaupt miteinander reden“, sagte einer der Teilnehmer vor dem Gespräch, das auf höchster Ebene im Landhaus in Bregenz stattgefunden hat. Neben Waldbesitzern, Sägern, Tischlern und Zimmerern nahmen die ressortzuständigen Landesräte Christian Gantner (Land- und Forstwirtschaft) und Marco Tittler (Wirtschaft) sowie die Präsidenten der Landwirtschaftskammer, Josef Moosbrugger, und der Wirtschaftskammer, Hans Peter Metzler, am großen Verhandlungstisch Platz, um Möglichkeiten zu sondieren, wie das Problem, das ja nicht nur die Branchen, sondern auch die Kunden betrifft, zu lösen wäre.

Die Gründe für den sprunghaften Anstieg der Holz-Nachfrage und damit der Preise sind vielseitig, lassen sich aber nicht nur auf die Coronapandemie zurückführen: In Mitteleuropa boomt die Bauwirtschaft und so viele Bauherren wie nie zuvor wollen nachhaltig mit Holz bauen, gleichzeitig ist die Nachfrage aus den USA und aus China stark gestiegen, dazu kommen coronabedingte Aufholeffekte und geringe Lagerbestände. Als wären das nicht schon Ursachen genug, gibt es auch Diskussionen um die Preise zwischen Waldbauern und den Sägern. Der Preis für Rundholz dümpelt seit Jahren auf niedrigem Niveau. Es rentiere sich nicht, zu diesem Preis Holz zu schlägern, heißt es aus der Forstwirtschaft. Eines der Probleme, die bei den Gesprächen zu klären waren und weiterhin sind. Dieses Problem scheint zumindest teilweise gelöst. “Die Waldbauern bekommen bei den meisten Sägern rund 100 Euro für den Festmeter Holz”, sagt Bundesinnungsmeister Siegfried Fritz.

Bedarfserhebung

Bei der Sitzung wurden zwei Dinge festgemacht: Eine Umfrage, die den Bedarf der Tischler und Zimmerer feststellt, und eine Arbeitsgruppe, die eine Optimierung der regionalen Lieferkette zum Ziel hat. Aber das behebt das Problem nicht schnell, der Holzweg könnte also noch lang werden. Holz gäbe es im Land jedenfalls genug: 2020 wurden in Vorarlberg 300.000 Festmeter Holz geschlagen, bis zu 500.000 wären möglich gewesen.

Hat der Holzgipfel zur Lösung der Probleme beigetragen?

Das Gespräch in Wien hat nicht viel gebracht, es wurde einfach geredet. Da muss mehr passieren. Der Gipfel in Vorarlberg hat weitere Schritte gesetzt, das macht mich zuversichtlich. Siegfried Fritz, Bundesinnungsmeister Zimmerer

Das Gespräch hat uns ein Stück weitergebracht. Ich habe das Gefühl, dass alle gewillt sind, eine Lösung in der Sache zu finden, und ich bin zuversichtlich, dass uns das im Land gelingt. Werner Flatz, Vorarlberger Holzbaukunst

Wir wollen alle an einem Strang ziehen. Dafür wird jetzt der Bedarf erhoben und außerdem erkundet, wo es Lücken in der regionalen Lieferkette gibt. Wir brauchen eine Lösung für alle. Marco Tittler, Wirtschaftslandesrat