Deshalb sitzt Holzhändler Tschabrun zwischen zwei Stühlen

Markt / 08.07.2021 • 11:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Deshalb sitzt Holzhändler Tschabrun zwischen zwei Stühlen
Der Holzwerkstoffhändler Tschabrun hat zwar im letzten Jahr gut verdient, doch die derzeitige Situation am Markt macht auch ihm große Probleme.  VN

Rankweiler Holzwerkstoffhändler berichtet über herausfordernde Marktsituation.

Rankweil Der Holzwerkstoffhändler Tschabrun gehört angesichts der massiven Nachfrage aus der Baubranche eigentlich zu den Gewinnern der Corona-Krise. So hat das Unternehmen schon im ersten Halbjahr 2020 während des ersten Lockdowns keine Absatzrückgänge verspürt, im Gegenteil. Im ersten Halbjahr 2021 konnte die abgesetzte Menge in Vorarlberg jetzt noch einmal um zehn Prozent gesteigert werden. Beim Tochterunternehmen Hopferwieser-Tschabrun in Salzburg waren es sogar plus 37 Prozent.

„Dürfen nicht klagen“

„Wir laufen unter Volllast. Aus dieser Sicht dürfen wir über die aktuelle Geschäftsentwicklung nicht klagen. Auch die Ertragssituation war im Vorjahr positiv, und für heuer stimmt die Richtung ebenfalls“, erklärte Geschäftsführer Manfred Bauer. Tschabrun kam im Geschäftsjahr 2020 auf einen Umsatz von 42,3 Millionen Euro. Bei Hopferwieser-Tschabrun waren es 23,7 Millionen Euro. Allerdings sieht Bauer das Handelsunternehmen dennoch vor einer historisch einzigartigen Marktsituation. Das werde noch zu einer großen Herausforderung für alle Beteiligten werden. Im Kern drehe sich das Problem um die Themen Rohstoffverknappung, Lieferengpässe und Preisexplosionen. Tischler und Zimmerer wissen ein Lied davon zu singen (die VN berichteten).

Tschabrun-Geschäftsführer Manfred Bauer: „Im Endeffekt geht es um Angebot und Nachfrage auf einem internationalen, freien Markt.“ <span class="copyright">VN/Bischof</span>
Tschabrun-Geschäftsführer Manfred Bauer: „Im Endeffekt geht es um Angebot und Nachfrage auf einem internationalen, freien Markt.“ VN/Bischof

Die Gründe für diese Preisentwicklungen seien mannigfaltig. So hätten viele Produzenten aus der Holzbranche ihre Kapazitäten in den ersten Pandemie-Monaten 2020 zu stark zurückgefahren. Diese Lücke könne man jetzt nicht mehr aufholen. Ähnliches sei bei den chemischen Zusatzstoffen geschehen, die zur Herstellung bestimmter Holzwerkstoffe benötigt werden. „Ist das Holz vorhanden, dann fehlen die Klebstoffe zur Weiterverarbeitung.“ Und schließlich seien auch die massiven Holzaufkäufe aus den USA und China zu erwähnen.

„Im Endeffekt geht es hier eigentlich immer nur um Angebot und Nachfrage auf einem internationalen, freien Markt.“ Der Markt frage einfach deutlich mehr nach, als die Vorlieferanten von Tschabrun zu liefern imstande seien. Deshalb denkt Bauer, dass alle politischen Initiativen zur Bekämpfung dieser jetzigen Situation erfolglos bleiben werden. „Der Holzmarkt ist global, Entscheidungen in Österreich oder Vorarlberg ändern nichts.“

„Im rechtsfreien Raum“

Historisch einzigartig sei die Situation deshalb, „weil wir uns gegenwärtig in einem rechtsfreien Raum befinden“, sagt Bauer. Früher noch verbindliche Verträge mit bestätigten Mengen und Terminen würden oft einfach nicht eingehalten. Das Bestehen von Tschabrun auf Verträgen und Lieferzusagen sei dabei keine gute Idee. Sie seien das Papier nicht wert, auf dem sie stehen. Tschabrun habe eigens zwei Mitarbeiter abgestellt, nur um täglich die Preislisten zu aktualisieren.

Tschabrun unterhält Standorte in Rankweil, Bürs und Innsbruck und in Lamprechtshausen. Beschäftigt werden insgesamt 165 Mitarbeiter. Heuer investiert das Unternehmen mehr als 1,5 Millionen Euro. Vor Kurzem wurde beispielsweise ein neues Kranfahrzeug in Betrieb genommen, das alleine 460.000 Euro gekostet hat.