Wie Vorarlbergs Wirtschaft den Aufschwung schafft

Markt / 09.07.2021 • 21:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Wie Vorarlbergs Wirtschaft den Aufschwung schafft
Der enge Schulterschluss von Landesregierung (im Bild v. l. LR Tittler, LH Wallner) und Wirtschaftskammer (Präs. Metzler) hat sich bewährt“.  VLK/SERR

Nach großem Rückgang erwartet die Wirtschaft starke Steigerung. Doch die Herausforderungen für die Zukunft sind groß.

Bregenz „Der Wirtschaftsbericht 2020/21 kann kein Jubelbericht sein“, stellt Landeshauptmann Markus Wallner bei der Präsentation der Zahlen am Freitag fest. Er bezeichnet die vergangenen fünf Quartale als die schwierigste Zeit seit Kriegsende für die Gesellschaft insgesamt, aber gerade auch für die Wirtschaft. Dennoch: Vorarlberg sei deutlich besser durch die Krise gekommen als andere Bundesländern. Das führt er auf die Branchenvielfalt zurück und speziell auf die produzierende Wirtschaft.

Erholung am Arbeitsmarkt

Konkret: Die reale Bruttowertschöpfung (ohne Land- und Forstwirtschaft) 2020 sank um 6,4 Prozent und liegt im Bundesschnitt 6,6 Prozent). Im Bereich Einzelhandel gingen die Umsätze mit 3,8 Prozent etwas weniger zurück als im Österreichschnitt (-4,6 Prozent). Dies auch deshalb, weil Vorarlberg als Modellregion wieder früher öffnen konnte als der Handel in anderen Bundesländern. Die Entwicklung des Produktionsindex der abgesetzten Produktion zeigte sich 2020 in Vorarlberg mit einem Minus von 3,2 Prozent etwas schlechter als im Vorjahr, aber besser als in der gesamtösterreichischen Entwicklung (-5,5 Prozent). Die Vorarlberger Baubranche verzeichnete mit einem Plus von 3,2 Prozent (Vergleich Österreich: -1,8 Prozent) hingegen einen überdurchschnittlich starken Anstieg. Auch wenn die Krise starke Auswirkungen auf alle Bereiche hatte, war der Tourismus im Jahresdurchschnitt 2020 von allen Branchen am stärksten betroffen.

„Mammutaufgabe“

Erfreulich sei allerdings die Erholung am Arbeitsmarkt, betont Wirtschaftslandesrat Marco Tittler und hob auch die Corona-Kurzarbeit als wirksames Instrument, um Arbeitsplätze zu sichern, hervor. Die Arbeitslosenzahlen sind bereits wieder unter 10.000 gesunken, außerdem gibt es fast 4700 Angebote für Arbeitssuchende. Und damit auch bei einer der größten Herausforderungen für die wieder wachsende Wirtschaft: „Der Mangel an Fach- und auch an Hilfskräften, der neben der Rohstoffsituation derzeit der Wirtschaft zu schaffen machen“, stellt Tittler fest, Wirtschaftskammer-Präsident Hans Peter Metzler spricht in diesem Zusammenhang von einer „Mammutaufgabe“. Als weitere Herausforderungen definiert der oberste Wirtschaftskämmerer Rohstoffverknappung,Ökologisierung und die Stärkung der Liquidität. Die nächsten zehn Jahre werden deshalb für die Unternehmen zur anspruchsvollsten Dekade, prophezeit er.

„Die nächsten zehn Jahre werden für unsere Unternehmen sehr anspruchsvoll.“

Hans Peter Metzler, WKV-Präsident

Der Fokus der Wirtschaftspolitik liegt weiters auf der Digitalisierung sowie Forschung und Entwicklung, die Weichen dafür seien gestellt. Unter dem Vorbehalt, dass es im Herbst nicht zu neuerlichen Einschränkungen kommt, sehen aber Wallner, Metzler und Tittler einen soliden Aufschwung.

Wirtschaft 2020/21

8,4 Prozent gingen die Exporte Vorarlberger Firmen im ersten Halbjahr 2020 zurück. Ausgeführt wurden Waren im Wert von 4,87 Mrd. Euro.

 

1202 Unternehmen wurden im Krisenjahr 2020 in Vorarlberg gegründet, elf Prozent mehr als im Vorkrisenjahr 2019.

 

151 nationale Patente wurden 2020 von Vorarlberger Firmen angemeldet, 2019 waren es 116 – das sind 37,8 Patente pro 100.000 Einwohner.