Rohstofflage trübt den Ausblick

Markt / 20.07.2021 • 22:18 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
IV-Geschäftsführer Christian Zoll, IV-Präsident Martin Ohneberg und WKV-Spartengeschäftsführer Michael Amann. iv
IV-Geschäftsführer Christian Zoll, IV-Präsident Martin Ohneberg und WKV-Spartengeschäftsführer Michael Amann. iv

Industrie mit guter Auftragslage. Sorge über steigende Preise und mangelnde Verfügbarkeit.

Lustenau Die Stimmung in der Vorarlberger Industrie ist derzeit sehr gut. Eine Umfrage von Industriellenvereinigung und Wirtschaftskammer unter 47 heimischen Industriebetrieben mit 27.000 Beschäftigten zeigt Optimismus und gut gefüllte Auftragsbücher. Dabei ist das Bild quer durch die Branchen recht einheitlich, wie IV-Geschäftsführer Christian Zoll und WKV-Spartengeschäftsführer Michael Amann betonen. Wesentlicher Träger des Aufschwungs sei die Maschinen- und Metallindustrie. Erfreulich sei auch die Situation in der Nahrungs- und Genussmittelindustrie sowie in der Elektro- und Elektronikindustrie sowie im Verpackungsbereich. Allein die Betriebe der Textilindustrie bezeichnen die Lage als nur mäßig stabil.

Bild nicht überbewerten

Der Geschäftsklimaindex – der Mittelwert der Einschätzung zur aktuellen Geschäftslage und jener in sechs Monaten – hat sich deutlich verbessert und liegt nun auf dem Niveau von 2016. Neu sei dieser Trend aber nicht, sagt IV-Präsident Martin Ohneberg. Einen solchen Anstieg habe man bereits nach der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 beobachtet. Die gute Stimmung dürfe man deswegen nicht überbewerten, denn sie könne sich auch schnell wieder drehen.

Vor allem weil sich die Industriebetriebe um die Situation bei den Rohstoffen sorgen. Stahl oder Kunststoffe sind kaum verfügbar und wenn, dann nur zu sehr hohen Preisen. Genauso sind die Kosten für die Logistik massiv angestiegen. Aus diesem Grund seien die Industriebetriebe auch in ihrer Einschätzung für die kommenden Monate eher vorsichtig, vor allem auch was die Ertragssituation betreffe. „Das kann man nur über zusätzlichen Umsatz kompensieren, oder durch Effizienzsteigerungen“, sagt Ohneberg und hofft deshalb, dass auf die Unternehmen keine neuen Belastungen zukommen.

Mit der Rohstoffsituation, einer möglichen weiteren Corona-Welle, dem Mitarbeitermangel und den Einreisebeschränkungen in asiatische Länder habe man genügend Herausforderungen. „Belastungsideen wie neue Steuern oder Zusatzhürden durch überbordende Umweltauflagen sind nicht zielführend“, so der IV-Präsident. Wann es eine Entwarnung bei der Rohstoffsituation gebe, sei schwer abschätzbar. Man hoffe, dass das im vierten Quartal 2021 oder 1. Quartal 2022 passiere.

Tunnel keine Alternative

Als „unverständlich“ beurteilt Martin Ohneberg die aktuelle Diskussion um die S18. „Die Industrie braucht Infrastruktur, dazu gehören auch Straßen. Ein Tunnel bringt keine Entlastung, außer für Diepoldsau, und ist somit keine Alternative. Für die Taktik einer Regierungspartei, dieses Projekt weiter zu verzögern, habe ich null Verständnis.“ VN-reh