Wie Erne Fittings das Coronajahr genutzt hat

Markt / 30.07.2021 • 08:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Wie Erne Fittings das Coronajahr genutzt hat
Die Produktion von Rohrverbindungen für die Industrie, Erdölwirtschaft und den Energiesektor verlangt höchstes Know-how. FA/Mathis

Der Weltmarktführer bei Hightechrohrverbindungen nutzte Coronazeit zur Restrukturierung.

Schlins Die letzten zehn Jahre waren für das Traditionsunternehmen Erne, den Spezialisten für Rohrleitungsverbindungen, in der Branche Fittings genannt, eine Berg- und Talfahrt, die 2016 beinahe mit einem Crash geendet hätte. Übernommen wurde die Firma schließlich von den Unternehmern Stephan Zöchling und Hans-Peter Haselsteiner, inzwischen ist auch die Familie Erne mit einem Anteil von rund 16 Prozent wieder Miteigentümer.

Coronajahr genutzt

Der Fittinghersteller wurde inzwischen technisch auf aktuellen Stand gebracht. Investiert wurden rund 20 Millionen Euro, wie das Unternehmen 2020 anlässlich des 100jährigen Jubiläums berichtete. Das Geschäft blieb und bleibt aber schwierig – nicht nur wegen Corona, das im vergangenen Jahr für einen Auftragseinbruch gesorgt hat. Auch die potenziellen Kunden schwächelten schon vor der Pandemie. Die Ölindustrie, eines der wichtigsten Geschäftsfelder von Erne, kämpft mit Rückgängen und einer Perspektive, die wenig Entspannung verspricht. Und auch im Kraftswerksbau, speziell bei Atomkraftwerken, ist die weitere Entwicklung ungewiss. „Wir mussten also eine Strategie finden“, so Erne-CEO Matthias Kaufmann, wie man damit umgeht und trotzdem Geld verdienen kann.“

Das ist dem Unternehmen gelungen. „Im Juni hatten wir nach über einem Jahr erstmals wieder ein positives EBIT“, so Kaufmann, der mitten in der Pandemie im Mai 2020 die Geschäftsführung übernommen hat. Die zuvor verfolgte Strategie, die im wesentlichen auf niedrige Preise setzte, habe nicht gegriffen, so Kaufmann im Gespräch mit den VN. Das Coronajahr habe man genutzt und die Verwaltung zu verschlanken und den Vertrieb neu aufzubauen. Statt in einen Preiskampf eizutreten, habe man die Preise um 30 Prozent angehoben. Dass die gesamte Branche mitgezogen sei, habe bewusst gemacht, das Erne nach wie vor ein Leitbetrieb sei.

<p class="caption">Am jetzigen Produktionsstanort am Ortsrand von Schlins werden künftig auch die bisher im Ortszentrum angesiedelten Abteilungen konzentriert. <span class="copyright">FA</span></p>

Am jetzigen Produktionsstanort am Ortsrand von Schlins werden künftig auch die bisher im Ortszentrum angesiedelten Abteilungen konzentriert. FA

Inzwischen erholen sich die Märkte. Die Auslastung sei gut, es werde wieder investiert. Erne sei auch technisch für die Zukunft gerüstet, etwa im Bereich Wasserstofftransport führend in Europa. “Da rechnen wir uns gute Chancen aus”, so Kaufmann. Die Effizienz steigere man in der Produktion mit neuen Verfahren oder Möglichkeiten, das Material zu reduzieren. Für die Mitarbeiter, die durch die Krisen “nicht gerade motiviert wurden”, zumal auch der Mitarbeiterstand reduziert werden musste, seien die letzten Jahre nicht einfach gewesen. Mit Hilfe des Personal- und Managementberaters Karl Heinz Fenkart wurde an der Stimmung im Betrieb gearbeitet, man suche inzwischen wieder qualifizierte Mitarbeiter, etwa CNC-Spezialisten oder Anlagenelektriker. Man suche die Zusammenarbeit mit Schulen und Unis, auch Lehrlinge werde man wieder ausbilden, zeigt Kaufmann die weitere Personalstrategie auf.

Standorte neu ausgerichtet

Auf dem Plan steht auch der Umzug vom Standort in der Ortsmitte an den Zweitstandort am Rand von Schlins, der im nächsten Jahr angegangen wird. In der Struktur habe man das die saudische Tochter so aufgestellt, dass sie mit dem lokalen Markt ausgelastet ist. In den USA hat Erne das Lager am Standort Houston aufgelassen und arbeite künftig mit Großhändlern zusammen. Dank der großen Lager an den Standorten Schlins und Mürzzuschlag sei auch die Verfügbarkeit der Rohrverbindungen gewährleistet. Dass die Preissteigerungen bei Stahl 40 Prozent betragen, ist aber auch für Kaufmann eine Situation, die ernoch nie erlebt habe.

Erne Fittings

Gegründet 1920

Management Matthias Kaufmann (CEO), Bernd Klemisch

Eigentümer Erne Group GmbH, ZG Erne GmbH

Mitarbeiter 280 in Österreich, 100 in Saudi Arabien, 5 in USA

Umsatz ca. 65 Millionen Euro

Standorte Österreich, Saudi Arabien, USA, Deutschland