So leiden junge Unternehmer unter der Corona-Politik

Markt / 05.01.2022 • 19:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
So leiden junge Unternehmer unter der Corona-Politik
JWV-Vorsitzende Verena Eugster (l.) und JW-Bundesvorsitzende Christiane Holzinger kritisieren Covid-Management.   vN/Paulitsch

JW-Vorsitzende: Deutliches Stimmungstief wegen schlechtem Corona-Management.

Schwarzach Eineinhalb Jahre ist die Unternehmerorganisation „Junge Wirtschaft“ mit viel Elan und Ideen durch die Pandemie mit den damit verbundenen Einschränkungen gekommen, nun aber geht den jungen Unternehmern aber langsam die Energie aus. „Die Stimmung unter den Mitgliedern ist deutlich eingetrübt“, berichten die Bundesvorsitzende der Jungunternehmer-Organisation, Christiane Holzinger, und die Landesvorsitzende Verena Eugster beim Besuch in der VN-Redaktion. Zuvor besuchten sie Mitgliedsbetriebe in Vorarlberg. Bergab ging es mit der Stimmung seit Beginn des vierten Lockdowns, Entscheidungen wie die Sperrstunde am Silvester haben bei den jungen Unternehmenden in Gastronomie und Hotellerie für weiteren Frust gesorgt.

Härtere Gangart

„Wissen die Schreibtischtäter in Wien überhaupt, was sie tun?“, wurden Eugster und Holzinger bei einem ihrer Besuche gefragt. Wenn ein weiterer Lockdown folge, „haben wir wirklich ein Problem“. Mitarbeiter und Unternehmer seien dann wohl nur noch schwer zu motivieren. Außerdem bestehe die reale Gefahr, dass Mitarbeiter der Gastgeberbranchen in die Nachbarländer abwandern, die mit entsprechenden Regeln den Betrieb aufrechterhalten können.

Und in der Tat: Auch Holzinger, die auf Bundesebene in verschiedenen mit der Coronabekämpfung befassten Runden vertreten ist, verspricht nun, eine härtere Gangart einzuschlagen, denn es gehe um die Zukunft der einzelnen Betriebe, aber auch des Wirtschaftsstandortes, und da müssten jetzt Nägel mit Köpfen gemacht werden, will man nicht langfristig aufs Abstellgleis geraten. Zu tun gäbe es genug, so Eugster und Holzinger: Da wäre das Bildungsthema, das zwar mit Corona einen Schub in Richtung Digitalisierung erlebt hat, „doch drangeblieben sind die zuständigen Minister nicht“. Und auch weitere Themen stehen in den Schulen an, z. B. ein laufender Berufsorientierungsprozess mit Talentechecks und Potenzialanalysen – ein Thema, das in ganz Österreich, aber besonders in Vorarlberg vorangetrieben werden soll, immerhin hat sich das Land im Zuge des Markenprozesses das Ziel gesetzt, bis 2035 zum chancenreichsten Lebensraum für Kinder zu werden. Die Organisation, die in Vorarlberg rund 600 Mitglieder hat, fordert aber auch Erleichterungen beim Start ins Unternehmertum, etwa eine Entlastung bei Betriebsübergaben, die derzeit aufgrund nicht attraktiver Regeln oft nicht stattfinden. Doch damit werden der Standort und die Volkswirtschaft geschwächt, so Holzinger.

„Seit Anfang Dezember hat sich die Stimmung bei unseren Mitgliedern massiv verschlechert.“

Verena Eugster, Vorsitzende Junge Wirtschaft Vorarlberg

Der Kampf gegen Bürokratie ist ein Dauerthema der Jungen Wirtschaft, das jetzt endlich angegangen werden müsse. Maßnahmen zur Stärkung der Eigenkapitalbasis seien höchst an der Zeit, so Eugster, und sie bringt einen staatlich geförderten Eigenkapitalfonds in Spiel: „Gründer brauchen das dringend.“ Und schließlich drängt die Junge Wirtschaft darauf, endlich für Generationengerechtigkeit zu sorgen. Das sei gerade jetzt wichtig, wo nicht klar ist, wie die Kosten der Pandemie gestemmt werden sollen. Auch der Mitarbeitermangel zwingt zu Aktivität: „Eine Reform der Rot-Weiß-Rot-Card ist notwendig“ und auch ein Bindungsprogramm für Fachkräfte sei notwendig. Natürlich müssten auch die Ökologisierung bzw. die Green Economy weiter forciert werden.

Nicht abwarten

Auf das Ende der Pandemie könne man nicht warten, bis die Themen angegangen werden. Außerdem gebe es in den Ministerien ja auch solche, die nicht völlig von Corona in Beschlag genommen wurden, „die könnten sich darum kümmern“. Damit die Forderungen nicht nur auf dem Papier stehen, werde man deutlich lauter werden und aufrütteln, denn es gehe um die Zukunft des Landes. Und überhaupt: „Die Coronaförderungen waren gut, aber Unternehmer wollen unternehmen“, stellen die beiden Vorsitzenden klar.

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