Reagiert die EZB zu langsam?

Markt / 14.01.2022 • 18:26 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
Reagiert die EZB zu langsam?

Wien Rekordinflation von fünf Prozent im Euroraum und extrem niedrige Zinsen, passt das zusammen? Während die US-Notenbank eine deutliche Änderung der Geldpolitik angekündigt hat, scheint dies im Euroraum nicht der Fall zu sein. Reagiert die EZB zu langsam? Aus meiner Sicht nein. Wenn die EZB, wie angekündigt, ihre Anleihekäufe ab April zurückfährt, wird sie Ende 2022 geldpolitisch wieder auf das Niveau von 2019 zurückgekehrt sein. Die US-Notenbank wird jedoch selbst bei vier Zinserhöhungen heuer noch immer tiefere Zinsen haben als 2019. Und das, obwohl die US Wirtschafte längst das Niveau von 2019 erreicht hat, die Arbeitslosenquote tiefer liegt und der Aktienmarkt seit Ende 2019 fast 50 Prozent gestiegen ist. Die Staatsschuld in Relation zum BIP stieg um 26 Prozent. Demgegenüber wird der Euroraum das wirtschaftliche Aktivitätsniveau von 2019 erst Ende 2022 erreichen, die Arbeitslosenquote liegt noch über Vorkrisenniveau, der Aktienmarkt hatte ein Plus von 15 Prozent und die Staatsschuld, in Relation zum BIP 2019, stieg mit 15 Prozent nur rund halb so stark. Auch lassen die Löhne im Euroraum, anders als in den USA, keinen überdurchschnittlichen Anstieg erkennen. Natürlich wird auch die EZB reagieren müssen, jedoch später und weniger stark als die US-Notenbank.

stefan.bruckbauer@
unicreditgroup.at,
Stefan Bruckbauer,

Chefvolkswirt der Bank Austria Unicredit, Economics & Market Analyses

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