Sportlicher Ehrgeiz als Motivation

Markt / 14.01.2022 • 18:22 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Willibald Nigsch: 49 Jahre Spediteur. VN/Steurer
Willibald Nigsch: 49 Jahre Spediteur. VN/Steurer

Mit Willibald Nigsch ist ein Pionier des Speditionsgewerbes in den Ruhestand getreten.

Wolfurt In seiner Jugend war Willibald Nigsch in jeder Minute auf dem Sportplatz. Er trainierte für eine der herausforderndsten Sportarten – er war Zehnkämpfer. Und ein guter – sein Trainingsfleiß zahlte sich aus – er wurde Landesmeister in dieser Disziplin. So wie er für seinen Sport brannte, so gestaltete sich auch sein berufliches Leben, nachdem ihm ein Freund empfohlen hatte, doch eine Ausbildung als Spediteur zu machen.

1973 trat er seine Lehrstelle an bei der Bregenzer Firma Martin Flatz, damals eine Größe in der Vorarlberger Spediteursbranche. „Da habe ich unseren Beruf von der Pieke auf gelernt“, erzählt Nigsch im Gespräch mit den VN, „wir haben damals auch die Lkw beladen müssen“. Das war dem Spitzensportler nicht zu viel, der Beruf gefiel ihm, er blieb – wie man sagt – dran. Fünf Jahre später der erste und letzte Wechsel zu einem anderen Arbeitgeber. Er heuerte bei Gebrüder Weiss an und wirkte dort maßgeblich an der Entwicklung des Unternehmens mit – bis Ende 2021. „Den Sport habe ich aufgegeben, ich konzentrierte mich auf den Beruf.“ Mit dem gleichen Willen wie auf dem Sportplatz engagierte er sich im Beruf.

Das wurde auch im Unternehmen so gesehen. Nigsch stieg die Karriereleiter hoch und wurde so nicht nur zum Zeitzeugen für die Entwicklung der Branche im Land und im inzwischen riesigen Gebrüder-Weiss-Reich, er gestaltete diese Entwicklung aktiv mit. 1986 erhielt er die Handlungsvollmacht, 1991 die Prokura und die Niederlassungsleitung für einen der wichtigsten Standorte der Firma, nämlich Wolfurt. „Am damals neuen Güterbahnhof Wolfurt, fast in Sichtweite zur neuen Firmenzentrale in Lauterach. Damals wurden die meisten Güterverkehre noch mit dem Lastwagen abgewickelt, doch der Fokus lag darauf, die Möglichkeiten der Schiene zu nutzen, eine gute Basis um Nachhaltigkeit weiter zu entwickeln“, so Nigsch. Entwickelt hat er Orange Combi Cargo, den umweltfreundlichen Ganzzug, der seitdem zwischen Bludenz und Wien verkehrt. Als Geschäftsführer von GW Rail Cargo und ab 2008 Niederlassungsleiter in Feldkirch, zwei wichtige Positionen, die er neben der Leitung von Wolfurt übernommen hatte, war er auch bei der Entwicklung weiterer Geschäftsfelder und Niederlassungen mit seinem Know-how gefragt.

„Entscheidend für das Wachstum von Gebrüder Weiss war der frühe Einstieg in die EDV“, berichtet er. Schon 1978 erfolgten erste Schritte, 1982 hatten die Spediteure bereits Computer im Büro, eine richtungsweisende Entscheidung sei dann auch die Expansion in die sich öffnenden Länder Osteuropas gewesen. „In der IT sind wir bis heute up to date“, resümiert er wenige Tage nach seinem Pensionsantritt. Sie ermöglichte es, dass die Niederlassungen, die früher wie eigene Unternehmen agierten, vernetzt und dadurch leistungsfähiger wurden, dem Kunden damit einen echten Mehrwert boten. Daneben hat er auf die Personalentwicklung geachtet, dass sein Team gemeinsam an einem Strang gezogen habe. So hat man auch die Krisen in der Branche bewältigt, etwa den EU-Beitritt, als plötzlich viele Zolldeklaranten nicht mehr gebraucht wurden und umgeschult wurden, oder die IT-Krise zum Jahrtausendwechsel und den Auftragseinbruch in der Wirtschaftskrise 2008.

Die Mitarbeiter und deren fundierte Ausbildung waren Nigsch ein Herzensanliegen, genauso die Nachhaltigkeit. Und natürlich die Implementierung neuer Dienstleistungen sowie die Erhöhung im Transporttakt. Für die Branche hat er sich viele Jahre als Obmann des Zentralverbandes der Spediteure in Vorarlberg eingesetzt. Und Sport? Er organisierte mit viel Freude das Skirennen des Unternehmens, als ehemaliger Zehnkämpfer war er auch beim Meeting in Götzis immer dabei, erzählt er. Und um es nicht zu vergessen: Im Jahr seines Eintritts bei Gebrüder Weiss hat er geheiratet, der Ehe sind vier Kinder entsprungen. VN-sca

„In meiner Zeit bei Gebrüder Weiss hat sich das Personal auf 600 Personen verdoppelt.“

Die Ausbildung war Willibald Nigsch immer wichtig. Sein Nachfolger ist Stefan Oberhauser (li.). FA/Sams
Die Ausbildung war Willibald Nigsch immer wichtig. Sein Nachfolger ist Stefan Oberhauser (li.). FA/Sams

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