Unterländer Unternehmen setzt auf Vier-Tage-Woche

Markt / 19.01.2022 • 04:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Unterländer Unternehmen setzt auf Vier-Tage-Woche
Die Geschäftsführer Wolfgang Rigo (l.) und Martin Hofer. VN/Hartinger

Verkürzte Wochenarbeitszeit bei gleichem Gehalt soll für mehr Work-Life-Balance sorgen.

Lauterach Einen Tag pro Woche weniger arbeiten, eine verkürzte Wochenarbeitszeit und das bei gleichem Gehalt.

Das Lauteracher Unternehmen Huppenkothen macht dieses Modell nun für seine Mitarbeiter zur Realität. Zwei Jahre hat man sich beim Spezialisten für Baumaschinen der Mini- und Kompaktklasse über eine Vier-Tage-Woche intensiv Gedanken gemacht. „Uns ging es darum, wie wir den Mitarbeitern eine gute Work-Life-Balance bieten und auch neue Mitarbeiter dazu motivieren können, zu uns zu kommen“, sprechen die beiden Geschäftsführer Wolfgang Rigo und Martin Hofer insgesamt von einer win-win-Situation.

Organisation als Herausforderung

Zunächst galt es aber, die damit verbundenen Herausforderungen anzugehen. Etwa wie eine Vier-Tage-Woche bei kleinen Teams umgesetzt werden kann und wie die optimale Organisationsstruktur aussieht.

Das ist nun geschafft. Startschuss für das neue Arbeitszeitmodell ist Februar. Davon ausgenommen sind aus rechtlichen Gründen lediglich Lehrlinge sowie Teamleiter. „Der Pilotversuch ist bis Jahresende angelegt. Wir gehen davon aus, dass alles klappt und das Ziel ist, dass wir dabei bleiben“, sagt Rigo im VN-Gespräch.

Der Stammsitz von Huppenkothen in Lauterach. <span class="copyright">Huppenkothen</span>
Der Stammsitz von Huppenkothen in Lauterach. Huppenkothen

Zudem wird für alle Mitarbeiter, die die Vier-Tage-Woche in Anspruch nehmen, die Wochenarbeitszeit von derzeit 38,5 auf 35 Stunden verkürzt, und das bei gleichem Gehalt. „Dadurch bekommen die Mitarbeiter de facto eine Gehaltserhöhung von 9,3 Prozent. Sicherlich kostet uns das als Unternehmen Geld, aber uns geht es auch deshalb gut, weil die Mitarbeiter gut arbeiten und wir wollten nicht, dass jemand durch das neue Modell pensionsversicherungstechnisch Einbußen hat. Mittelfristig sehen wir das sowohl für die Beschäftigten als auch das Unternehmen sehr positiv“, betonen die Geschäftsführer.

Freiwilliges Modell

Die Vier-Tage-Woche ist bei Huppenkothen ein freiwilliges Modell. 70 Prozent der insgesamt 320 Mitarbeiter haben sich dafür entschieden, 30 Prozent bleiben bei der Fünf-Tage-Woche. Mit einer gewissen Vorlaufzeit ist es auch möglich, in beide Richtungen zu wechseln.

Eine Effizienzsteigerung ist nicht das erklärte Ziel, so Rigo. In manchen Bereichen könnte das neue Arbeitszeitmodell dazu führen, in anderen sei es schon allein aus der Tätigkeit heraus schwer machbar.

Huppenkothen verkauft und vermietet Bagger der Marke Takeuchi. <span class="copyright">Huppenkothen</span>
Huppenkothen verkauft und vermietet Bagger der Marke Takeuchi. Huppenkothen

Kunden sollen nichts spüren

Wichtig ist den Geschäftsführern, dass die Kunden davon nichts merken. Sprich: An der Service- und Beratungsqualität sowie der Erreichbarkeit soll sich nichts ändern. „Wir sind Bauzulieferer und haben eine Hotline von Montag bis Samstag. Deshalb haben wir uns auch gegen einen allgemein freien Tag für alle und für ein rollierendes System entschieden.“

Das bedeutet, Mitarbeiter A hat in der ersten Woche am Montag frei, die darauffolgende Woche am Dienstag und so weiter. Das führe zu dem positiven Nebeneffekt, dass jeder Mitarbeiter alle fünf Wochen von Freitag bis Montag ein langes Wochenende hat.

Positives Feedback

Die Freude im Unternehmen über diesen Schritt ist jedenfalls groß und das Feedback der Mitarbeiter sehr positiv. In diesem Jahr will man vor allem auch lernen. Das Ziel sei es, die Vier-Tage-Woche nach erfolgreichem Pilotversuch auch auf die Tochterunternehmen von Huppenkothen auszudehnen.