Regional von Anfang an

Markt / 06.02.2022 • 18:41 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Ulrich Sutterlüty (li.) im ersten Geschäft.

Ulrich Sutterlüty (li.) im ersten Geschäft.

Handelskette Sutterlüty setzt seit 70 Jahren auf Partner aus der Nachbarschaft.

Egg In den späten 40er-Jahren suchte der junge Ulrich Sutterlüty, der durch einen Pferdeunfall am elterlichen Bauernhof schwer gehandicapt war, nach einer Arbeit, die es ihm ermöglichte, seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Anfangs musste er sich der Versorgung der Angestellten am Hof widmen. Später vertraute ihm sein Vater den kleinen Hofladen an.  Den symbolischen Startschuss für seine Händlerlaufbahn setzte Ulrich Sutterlüty mit einer Honig-Bestellung, bei welcher er sich in der Menge kräftig vertan hatte. Ulrich bekam statt eines Wälderbahn-Waggons gleich mehrere Waggone geliefert. Er musste handeln und die Umstände meinten es damals gut mit ihm.

Unternehmergeist geweckt

Es war nämlich ein sehr schlechtes Honig-Jahr. Er war der Einzige, der genug Honig hatte, und der war in wenigen Tagen restlos ausverkauft. Das weckte die Leidenschaft für den Lebensmittelhandel und seinen Unternehmergeist. Er baute sein Angebot im Laden aus und erfreute seine Bregenzerwälder Kunden 1958 mit einem der ersten Selbstbedienungsgeschäfte Vorarlbergs.

Der Firmengründer nahm sein nächstes Ziel in Angriff – eröffnete einen zweiten Laden in Rankweil. Von da an nahm die Filialisierung ihren Lauf, auch der erste Eurospar im Land war ein Sutterlüty-Markt und setzte neue Maßstäbe. Ulrich Sutterlüty achtete darauf, dass nicht nur die Zahl der Filialen stieg, sondern kümmerte sich um regionale Partnerschaften sowie um Personalmanagement und Logistik. Im Laden in Rankweil folgte 1961 das nächste Novum: die erste Frischfleischabteilung in einem Lebensmittelgeschäft, möglicherweise in ganz Österreich, erzählt Eigentümer und Geschäftsführer Jürgen Sutterlüty, der 1990 ins elterliche Unternehmen mit damals vier Gesellschaftern eingestiegen ist.

Regionalität blieb wichtiger Teil der DNA, die meisten Lieferanten kamen aus dem regionalen Umfeld. Bauern, Erzeuger und Händler entwickelten die Lebensmittel weiter, „es war eine Win-win-Situation“, beschreibt Jürgen Sutterlüty diese Zeit. Vor den Vorhang geholt hat er diesen Trumpf. „1998 haben wir überlegt, was wir besonders gut und anders machen als der Mitbewerb“, das Ergebnis waren die ersten Ländle-Herzen, die auf die Herkunft der Lebensmittel aufmerksam machten. Eine richtungsweisende Entscheidung: „Die Vorarlberger bringen Regionalität und Saisonalität immer mit Sutterlüty in Verbindung“, daran werde man auch in Zukunft weiterarbeiten.

Ein Einschnitt war 2003 der Abschied vom damaligen Großhandelspartner und der Wechsel zu Rewe-Österreich als neuer Lieferpartner im Rahmen einer Einkaufskooperation. „Der Grund, weshalb wir uns für Rewe als Partner entschieden haben, ist der genossenschaftliche Background“, erklärt Sutterlüty. Das Rewe-Modell sehe den selbständigen Kaufmann als Partner auf Augenhöhe mit Mitspracherechten in den Entscheidungsgremien. Für ein Unternehmen wie Sutterlüty, das im nationalen Vergleich zu den kleinen Spielern am Markt gehört, weil man sich auf Vorarlberg konzentriert, sei ein starker Handelspartner sowohl in der Logistik als auch bei der Beschaffung des Sortiments wichtig, betont er und lobt die gute Zusammenarbeit, weil sich Rewe auch nicht in die Geschäftstätigkeit einmische. „Wir können uns so auf die Weiterentwicklung unserer modernen Märkte und des regionalen Sortiments konzentrieren“, so Sutterlüty.

Auch beim Bau regional

Im Jubiläumsjahr wird Sutterlüty seine zwei komplett neu gebauten Märkte in Frastanz und Gais eröffnen, schon Ende des Monats geht der neue Markt am Feldkircher Bahnhof in Betrieb, so Geschäftsführer Alexander Kappaurer, in Frastanz werden zudem Mitarbeiterwohnungen entstehen. „Wir sind auch beim Bau regional, arbeiten mit heimischen Architekten und Handwerkern zusammen“, so der Geschäftsführer. Seit 2016 ist Sutterlüty außerdem klimaneutral, das finde natürlich beim Um- und Neubau der Märkte seinen Niederschlag. VN-sca

„Die Vorarlberger bringen Regionalität und Saisonalität immer mit Sutterlüty in Verbindung.“

GF Kappaurer im Hohenemser Markt.

GF Kappaurer im Hohenemser Markt.

Die Filalen (Bild: Rankweil) werden mit regionalen Partnern gebaut. FA, VN(Steurer
Die Filalen (Bild: Rankweil) werden mit regionalen Partnern gebaut. FA, VN(Steurer