WK-Präsident: “Wir müssen jetzt schnell aus der Krise kommen”

Markt / 09.02.2022 • 07:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
WK-Präsident: "Wir müssen jetzt schnell aus der Krise kommen"
Die Covid-Impfpflicht möchte Präsident Metzler aussetzen. APA

Wirtschaftskammer-Präsident Hans Peter Metzler will Öffnung und hinterfragt Impfpflicht.

Schwarzach Dem Wirtschaftskammer-Präsidenten Hans Peter Metzler reicht es jetzt. „Wir müssen jetzt schnell aus der Krise kommen, wir können nicht mehr ewig herummurksen“, sagt er im Gespräch mit den VN und hinterfragt die aktuell noch gültigen Maßnahmen. Dass nun auch die körpernahen Dienstleister wieder mit der 3G-Regel alle Kunden bedienen können, sei „höchst an der Zeit gewesen“, quittiert er die jüngste Entscheidung der Bundesregierung mit zumindest etwas Wohlwollen.

„So schnell wie möglich“

Doch das allein ist ihm zu wenig. Metzler möchte jetzt – „so schnell wie möglich“ – eine Rückkehr zur Normalität und beruft sich dabei auf Fachleute aus dem medizinischen wie aus dem politischen Bereich. „Es ist ja nicht so, dass ich auf´s Gefühl höre“, betont er und verweist auf die Nachbarn rundum und andere europäische Länder, die nun den Schritt von der Pandemie zur Epidemie vollziehen. Anlass gebe es jedenfalls aufgrund zunehmend positiver Entwicklungen in Ländern wie der Schweiz oder Dänemark genug. Auch in Italien, selbst Bayern oder Hessen fahren die Einschränkungen wieder zurück. Parallel sollte man die Covid-Maßnahmen evaluieren und die richtigen Schlüsse aus den Maßnahmen ziehen, um vorbereitet zu sein, sollten im Herbst neue Mutationen auftauchen. Denn nach wie vor gelte, Gesundheit vor Wirtschaft.

„Wir kennen uns mit den Regeln hinten und vorne nicht mehr aus, das muss hinterfragt werden.“

Hans Peter Metzler, Präsident Wirtschaftskammer

Die Unternehmen, so Metzler, haben in den vergangenen zwei Jahren gezeigt, dass sie willens sind, diesem Grundsatz zu folgen. „Die Unternehmen haben von Beginn der Pandemie an mitgeholfen, alle Maßnahmen geduldig ertragen, getestet, geimpft und Einschränkungen über sich ergehen lassen“, so der oberste Interessenvertreter, mangelnden Eifer beim Bekämpfen von Corona könne man ihnen nicht vorwerfen. „Wir müssen natürlich weiter auf Sicht fahren und aus den bisherigen Covid-Maßnahmen, die man evaluieren müsse, „Vorbereitungen treffen, sollten im Herbst neue Mutationen auftauchen“.

Mit Impfpflicht zuwarten

Überdenken sollte man aus seiner Sicht auch die Impfpflicht. „Ich war von Beginn an skeptisch, was die Pflicht bzw. die Zwangsmaßnahme anlangt und habe das auch öffentlich zum Ausdruck gebracht. Die Impfpflicht sollte nur als allerletztes Mittel eingesetzt werden. Die derzeitige Lage in den Krankenhäusern, deren Intensivbettenkapazitäten nicht überlastet seien, sollte doch zum Nachdenken anregen, um mit der Umsetzung der Impfpflicht zuzuwarten.”

Er untermauert seine Forderung, die ausgehend von Vorarlberg auch schon von WKÖ-Präsident Harald Mahrer übernommen wurde, mit den Ansichten des Epidemiologen Gerald Gartlehner, der sagte, Österreich sei mit der Omikron-Welle bereits bei einer Durchseuchung angelangt. Und die Omikron-Variante sei „nicht sehr krankmachend“. Auch der Virologe Norbert Nowotny äußerte sich unlängst, dass die Impflicht „nicht mehr wirklich notwendig“, in dieselbe Richtung.

Ins Gericht geht er mit den Maßnahmen und Verordnungen. „Da kennt sich niemand mehr aus, auch ich nicht“, so Metzler, der die Situation aus seinem eigenen Betrieb kennt. „Wir haben Gäste, die geimpft waren, doch weil Österreich die Gültigkeitsdauer der Impfpflicht einseitig verkürzt haben, durften sie das Hotel nicht betreten.“ Das dürfe nicht wieder passieren, sagt er mit Blick auf die Sommersaison. Öffnen will er auch die Nachtgastronomie, da könne man ja die Maskenpflicht beibehalten.“ Die würde er als Schutzmaßnahme insgesamt auch akzeptieren, wenn damit der Schritt in die Normalität besser gelinge.

3G insgesamt aussetzen

Aufgrund der derzeitigen Lage sei er auch dafür, dass man 3G insgesamt aussetze. „Betriebe können ja selbst entscheiden, welche Maßnahmen sie treffen“, sagt er auch mit Blick auf die Quarantäne. „Die derzeitigen Absonderungsregeln wie K1 gehören weg“, und dankt Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher und Wirtschaftslandesrat Marco Tittler, „dass aufgrund unserer Initiative rasch eine praktikable Lösung beim Thema Freitesten erzielt werden konnte.“ Und auch die verschiedenen Öffnungszeitpunkte kritisiert er. „Es sollte für alle Maßnahmen einen Zeitpunkt geben, ab dem alles wieder offen ist.“ Jetzt sei es wichtig, die entstandenen gesellschaftlichen Gräben wieder zuzuschütten und gemeinsam in die Zukunft schauen, will er die Kluft zwischen Geimpften und Ungeimpften überwinden. Nicht ohne den Geimpften, „die alles richtig gemacht haben“, zu danken, dass die Impf- bzw. Genesenenrate auch in Vorarlberg über 80 Prozent beträgt.