Deshalb kämpft Mohrenbraurerei gegen Patent auf Braugerste

Markt / 18.02.2022 • 19:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
<p class="caption">Patente auf Pflanzen und Samen sorgen bei den Gerstenbauern und kleinen Privatbrauereien für große Unsicherheit.<span class="copyright"> Apa</span></p>

Patente auf Pflanzen und Samen sorgen bei den Gerstenbauern und kleinen Privatbrauereien für große Unsicherheit. Apa

Bierbrauer und Verein Arche Noah kämpfen weiterhin gegen Patente auf Naturprodukte.

Dornbirn, Schiltern Arche Noah, die Gesellschaft für die Erhaltung der Kulturpflanzenvielfalt und ihre Entwicklung, und österreichische Bierbrauer fordern eine Durchsetzung des Verbots von Patenten auf herkömmliche Züchtung. Jährlich würden auf EU-Ebene rund 100 Patente auf Pflanzen aus herkömmlicher Zucht beantragt, sagt Dagmar Urban, Leiterin des Bereichs Politik bei Arche Noah. Und davon sei zunehmend auch Braugerste betroffen.

Jahrelanger Kampf

Die „unabhängigen Privatbrauereien Österreichs“ – in Vorarlberg ist die Mohrenbrauerei Mitglied dieser Vereinigung – kämpfen schon seit Jahren dagegen an und mussten im vergangenen Jahr eine herbe Niederlage einstecken. Das Europäische Patentamt ließ sie mit ihrem Ansinnen abblitzen. Die Großbrauerei Carlsberg, die das Patent auf eine Braugerstensorte anmeldete, kündigte daraufhin weitere Patentanmeldungen an. Die Brauer kündigten Einspruch an.

Das stößt nicht nur den Brauern, sondern auch Arche Noah sauer auf. Die Patentierung von Pflanzen und Tieren sei – mit Ausnahme von manchen gentechnischen Erzeugnissen – verboten und stehe im Widerspruch zur Idee des Patentrechts, technische Innovationen zu schützen, sagt Urban. Dennoch fänden große Brauereien immer neue Wege, die Regeln zu umgehen und Kontrolle über diverse Pflanzenkulturen zu erlangen. Nun hat der Kulturpflanzenverein die Petition „Missbrauch des Patentrechts stoppen“ auf den Weg gebracht, die von den Brauereien unterstützt wird. Konkret ausgeschlossen werden sollen „Patente auf Verfahren, die auf Kreuzung, Selektion oder zufälligen Mutationen beruhen“, heißt es im Text zur Petition (arche-noah.at), die bisher von knapp 19.000 Österreichern unterzeichnet wurde und Teil einer internationalen Kampagne des Bündnisses „No Patents on Seeds“ ist und sich an die zuständigen Ministerinnen und Minister in Europa richtet. 

Brauer Heinz Huber kämpft weiter gegen das Gerstenpatent. <span class="copyright">VN/Sams</span>
Brauer Heinz Huber kämpft weiter gegen das Gerstenpatent. VN/Sams

„Es kann nicht sein, dass man auf natürliche Sorten Patent anmelden kann.“

Heinz Huber, Mohrenbrauerei

Auch für Mohrenbräu-Chef Heinz Huber selbst ist Unterschreiben Pflicht. „Es kann nicht sein, dass man auf natürliche Sorten Patent anmelden kann“, wettert er. Die Anmeldung von Patenten auf Gerste setze an der Weiterentwicklung von natürlichen Mutationen an – ein Prinzip, das seit langer Zeit auf die Pflanzen angewendet werde, das sei nicht die Leistung eines Einzelnen oder eines Unternehmens. Schlussendlich, so der Bierbrauer, müssten dann Brauereien und Landwirte die Saat vom Patentinhaber kaufen, das bringe sie in Abhängigkeit. Ein warnendes Beispiel sei dabei der Mais, der als erste Kulturpflanze von Großkonzernen gekapert worden sei.