“Keine unverschämte Forderung”

Markt / 02.05.2022 • 22:05 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Betriebsversammlung der Gewerkschaft bei Tridonic in Dornbirn. gpa
Die Betriebsversammlung der Gewerkschaft bei Tridonic in Dornbirn. gpa

Gewerkschaft will in Elektroindustrie angesichts hoher Inflation sechs Prozent Lohnplus.

Schwarzach In einigen Branchen wurden bereits Lohnabschlüsse erzielt, nur in der Elektro- und Elektronikindustrie stocken derzeit die Verhandlungen. Gestern fanden österreichweit Betriebsversammlungen statt, in Vorarlberg bei Zumtobel und Tridonic. Denn noch gehen die Vorstellungen weit auseinander.

3,9 bis sechs Prozent

Während die Arbeitgeber einen Lohnzuwachs von 3,9 Prozent anbieten, wollen die Gewerkschafter sechs Prozent. Ebenfalls noch ausständig ist eine KV-Einigung in der chemischen Industrie. Auch hier werden sechs Prozent gefordert.

Grund für die im Vergleich zu vergangenen Jahren hohe Forderung sei die galoppierende Inflation. „Sie ist eine große Belastung für die Arbeitnehmer. Von Energie, Sprit, Wohnen bis Nahrungsmittel wird alles teurer. Während die Unternehmen die Preise erhöhen können, bleibt die Teuerung an den Arbeitnehmern hängen. Unsere Forderung ist daher nicht unverschämt. Auch weil es auf Industrieseite ein entsprechendes Verteilvolumen gibt. Die Betriebe sind wirtschaftlich gut aufgestellt und haben volle Auftragsbücher. Es ist also nur fair, die Mitarbeiter am Erfolg teilhaben zu lassen“, ortet Karl Dürtscher, stv. Bundesgeschäftsführer der Gewerkschaft GPA-djp, im VN-Gespräch.

Nun hofft der gebürtige Vorarlberger auf eine Einigung. Gibt es eine solche bis 10. Mai nicht, soll es Warnstreiks geben.

Aber Dürtscher sieht in Sachen Teuerung nicht nur die Unternehmen in der Pflicht, sondern auch die Regierung müsse ihren Beitrag leisten, fordert er eine Entlastung für besonders betroffene Bevölkerungsgruppen. Das könne durch die Senkung von Mineralölsteuer oder Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel erfolgen.

„Vermisse Industriepolitik“

Zugleich plädiert der Gewerkschafter dafür, nicht auf die Industriepolitik zu vergessen. „Man darf die Industrie nicht durch zu ehrgeizige Klimaziele vertreiben. Wichtig ist es, den Transfer gut zu schaffen und die Arbeitsplätze zu erhalten. Die derzeit langen Genehmigungsverfahren und die fehlende Ladeinfrastruktur sind hier jedenfalls nicht hilfreich.“ VN-reh

Die Gewerkschafter Marcel Gilly (stv. Vorarlberg-Geschäftsführer) und Karl Dürtscher, stv. Bundesgeschäftsführer. vn/Paulitsch
Die Gewerkschafter Marcel Gilly (stv. Vorarlberg-Geschäftsführer) und Karl Dürtscher, stv. Bundesgeschäftsführer. vn/Paulitsch