Aufatmen nach Amazon-Rückzug

Markt / 03.05.2022 • 22:14 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Der Rückzug von Amazon sorgt für Erleichterung bei Verantwortlichen. Doch die Diskussion über Logistikansiedlungen im Land steht erst am Anfang.Reuters
Der Rückzug von Amazon sorgt für Erleichterung bei Verantwortlichen. Doch die Diskussion über Logistikansiedlungen im Land steht erst am Anfang.Reuters

Rückzieher des Onlineriesen als Auftakt für neue Logistikansiedlungspolitik in Vorarlberg.

Dornbirn So wie es aussieht, wird der vorübergehende Planungsstopp für das Amazon-Verteilzentrum im Dornbirner Gewerbegebiet Nord zu einem endgültigen. „Wir haben andere Möglichkeiten gefunden, unser bestehendes Netzwerk zu optimieren, damit Kunden ihre Bestellungen in der Qualität erhalten, die sie von Amazon erwarten“, sagte am Dienstag ein Amazon-Unternehmenssprecher zur APA. Wie in Graz zieht sich der Onlinekonzern damit offensichtlich von seinen Plänen in Vorarlberg zurück und verzichtet auf eine langwierige Auseinandersetzung mit politischen Parteien, Bürgern und regionalen Wirtschaftsverbänden.

Problem Logistikansiedlung

Zweifellos ein Erfolg für die dagegen agitierenden Gruppen insgesamt, wobei die Ablehnung der Ansiedlung umfassend war. In Dornbirn zeigte sich keine einzige Partei begeistert über die geplante Ansiedlung. Doch auch wenn Amazon sich nun zurückzieht, das Problem für Logistikansiedlungen besteht weiterhin. Jede Gemeinde will Betriebe, doch dazu zählen nun mal keine Logistik- und Speditionsbetriebe. Ein Thema, das auch Verkehrs- und Wirtschaftslandesrat Marco Tittler bewusst ist. „Im Güterverkehrskonzept, das wir schon demnächst vorstellen, nimmt das eine wichtige Position ein“, sagt Tittler im Gespräch mit den VN. Und ein Thema, das in einem Exportland wie es Vorarlberg ist, zwangsläufig nicht zum letzten Mal aufgepoppt ist.

Verkehrsgutachten wichtig

Um weiteren Begehrlichkeiten von Amazon bzw. anderen Logistikern am geplanten Standort vorzubeugen, soll ein unabhängiges Verkehrsgutachten zur Situation in Dornbirn Nord, Argumente liefern. Das sei bereits in Arbeit, versichert der Landesrat, verweist aber darauf, dass es insgesamt um die Situation in Dornbirn Nord geht und nicht allein um eine Firmenansiedlung. Maßnahmen im Bereich Verkehr sind denn auch, so der blaue Stadtrat Christoph Waibel, der als erster wegen der geplanten Amazon-Ansiedlung Alarm geschlagen hat, „die einzigen Möglichkeiten, eine solche Ansiedlung zu verhindern“, so Waibel.  Darauf habe man sich auch im Stadtrat geeinigt, so Bürgermeisterin Andrea Kaufmann.

Daneben werde man aber auch den von den Grünen ins Spiel gebrachten Wildkorridor weiter beachten und im übrigen die bislang erfolgreiche Ansiedlungspolitik von produzierenden Betrieben im Gewerbegebiet Nord und in Dornbirn überhaupt weiterverfolgen. Die Ulmer Holding als Eigentümer des im Baurecht zu vergebenden Grundstücks, ist jedenfalls bereit, den begehrten Boden anderweitig zu vergeben, so die Bürgermeisterin. Was allerdings nicht geht, ist, das Grundstück durch die Stadt zu erwerben, wie z. B. Grüne und Stadt-SPÖ fordern. Das widerspreche der Geschäftsstrategie der Holding, so deren Geschäftsführer Markus Lutz. „Dann sollte man auf jeden Fall über das Baurecht mit Ulmer sprechen“, sagt SPÖ-Stadtrat Markus Fäßler. VN-sca

Wir fordern aus Sicht der Wirtschaftsregion Hofsteig, diesen Stopp zu nutzen, um zum Schutz des regionalen Handels eine fachliche Studie sowie eine Kaufstromanalyse zu erstellen.  Simone Kitzmüller, Wirtschaftsregion Hofsteig

Wir fordern aus Sicht der Wirtschaftsregion Hofsteig, diesen Stopp zu nutzen, um zum Schutz des regionalen Handels eine fachliche Studie sowie eine Kaufstromanalyse zu erstellen.  Simone Kitzmüller, Wirtschaftsregion Hofsteig

Jetzt ist das Land in der Pflicht. Wir brauchen unbedingt ein Verkehrsgutachten, das ist die einzige Möglichkeit, solche Sachen wie die Ansiedlung von Amazon zu verhindern. So ein Ding gehört da nicht hin. StR. Christoph Waibel, FPÖ

Jetzt ist das Land in der Pflicht. Wir brauchen unbedingt ein Verkehrsgutachten, das ist die einzige Möglichkeit, solche Sachen wie die Ansiedlung von Amazon zu verhindern. So ein Ding gehört da nicht hin. StR. Christoph Waibel, FPÖ

„Natur- und Umweltschutz, Wissenschaft und Wirtschaft sowie gesellschaftliche Entwicklungen und deren Bedürfnisse müssen gesamtheitlich betrachtet werden. Das ist der einzige Weg in die Zukunft. StR. Juliane Alton, Grüne

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Wir sollten auf jeden Fall schauen, dass die Stadt in Besitz des Grundstücks kommt, um Ansiedlungen zu steuern. Das Land muss aktiv in die Bodenpolitik auch für gewerbliche Flächen einsteigen. Vizebgm. Markus Fäßler, SPÖ

Wir sollten auf jeden Fall schauen, dass die Stadt in Besitz des Grundstücks kommt, um Ansiedlungen zu steuern. Das Land muss aktiv in die Bodenpolitik auch für gewerbliche Flächen einsteigen. Vizebgm. Markus Fäßler, SPÖ

Die Diskussion um ein für oder gegen Amazon müsste gar nicht erst geführt werden, wenn das Land schon früh die Weichen für ein Industriegebiet bzw. einen gut ausgebauten Güterbahnhof gestellt hätte. LAbg. Garry Thür, Neos

Die Diskussion um ein für oder gegen Amazon müsste gar nicht erst geführt werden, wenn das Land schon früh die Weichen für ein Industriegebiet bzw. einen gut ausgebauten Güterbahnhof gestellt hätte. LAbg. Garry Thür, Neos