Börsenkommentar: Szenarien steigender Zinsen

Markt / 04.05.2022 • 18:25 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
Börsenkommentar: Szenarien steigender Zinsen
Stefan Bruckbauer, Chefvolkswirt der Bank Austria Unicredit. afp

Quo vadis Zinsen? Mögliche Szenarien steigender Zinsen.

Wien Die EZB könnte heuer erstmals nach rund 4000 Tagen ihre Zinsen erhöhen.

Derzeit erwarten die Finanzmärkte für Juli die erste Erhöhung gefolgt von sieben weiteren Erhöhungen in den nächsten zwei Jahren, das wären statt heute minus 0,5 Prozent dann 1,5 Prozent. Reicht das oder ist das zu viel? Die Antwort hängt davon ab, welche Annahmen man über den weiteren Verlauf des Krieges in der Ukraine und damit über die Entwicklung der Wirtschaft trifft.

Derzeit wird eine zwar abgekühlte Konjunktur, aber keine Rezession erwartet. Die Inflation bleibt vorläufig hoch, geht aber dann wieder zurück, wenn auch vorläufig noch nicht unter die 2 Prozent. Aus unserer Sicht etwas zu optimistisch bei der Konjunktur, zu pessimistisch bei der Inflation. Sollte allerdings die Inflation langsamer zurückgehen und wir deutliche Zweitrundeneffekte, etwa bei den Löhnen, sehen, dann würden aus Sicht der EZB wohl 1,5 Prozent nicht reichen, wir könnten in Richtung 2,5 Prozent oder mehr steuern. Steigt jedoch die Inflation kurzfristig nochmals deutlich an, etwa wegen eines Energielieferausfalls, dann würde Europa wohl eine Rezession erleben und die Inflation könnte nach einem kurzen, starken Anstieg deutlich sinken.

In diesem Fall würde die EZB wohl die Zinsen nicht erhöhen, möglicherweise müsste sie wieder Anleihen kaufen. Dies bedeutet, in den nächsten zwei Jahren sind Zinsen von minus 0,5 Prozent wie heute bis knapp unter drei Prozent möglich, je nach Konjunkturverlauf.

stefan.bruckbauer@unicreditgroup.at, Stefan Bruckbauer, Chefvolkswirt der Bank Austria Unicredit, Economics & Market Analyses;