Zinswende in Sicht

Markt / 20.05.2022 • 18:33 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
Zinswende in Sicht

Dornbirn EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat es momentan alles andere als einfach. Lange hat sie versucht zu beschwichtigen und den starken Preisanstieg lediglich als vorübergehend bezeichnet. Doch der Druck wurde in den letzten Wochen enorm und verschärfte sich, nachdem die Inflation im April für den Euroraum mit 7,4 Prozent auf den höchsten Stand seit der Einführung des Euros 2002 gestiegen ist.

Letzte Woche deutete Lagarde nun auf eine geldpolitische Änderung hin und bereitete die Finanzmärkte auf eine Zinswende im Juli vor. In einem ersten Schritt wird im Sommer das reguläre Anleihenkaufprogramm APP gestoppt. In diesem Monat erwirbt die EZB im Rahmen des APP Staatsanleihen für 30 Mrd. Euro und im Juni für 20 Mrd. Euro. Im Juli soll das Programm auslaufen. Somit wäre der Weg für einen baldigen Zinsschritt im Sommer frei. Aktuell liegt der Leitzins innerhalb der Eurozone bei 0,0 Prozent. Der Einlagensatz, bei dem Banken ihre überschüssige Liquidität parken, steht zurzeit bei minus 0,5 Prozent. Nach einer Reuters-Umfrage gehen 90 Prozent der befragten Ökonomen davon aus, dass der Einlagensatz Ende Jahr bei 0 Prozent oder darüber ist.

Da europäische Banken stark von der hiesigen Zinsentwicklung abhängig sind, wirken sich die Handlungen der EZB auf das klassische Bankengeschäft aus. Das Zinsgeschäft, welches sich aus dem Aktiv- und Passivgeschäft zusammensetzt, wird bei steigenden Zinsen für Banken attraktiver. Für Anleger können sich hier potenzielle Chancen ergeben. Deshalb empfiehlt es sich, den Worten der EZB-Chefin zu folgen und daraus Möglichkeiten für das eigene Anlegerportfolio abzuleiten.

Clemens Lengauer, Leiter Vermögensverwaltung, Volksbank Vorarlberg e. Gen.