Wer im Bertsch-Werk Nüziders einzieht

Markt / 15.06.2022 • 15:50 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Nach fast 52 Jahren ist die Bertsch-Produktion in Nüziders Geschichte. Die Liegenschaft wurde vom größten Vorarlberger Textilunternehmen gekauft und soll mittelfristig entwickelt werden. <span class="copyright">FA</span>
Nach fast 52 Jahren ist die Bertsch-Produktion in Nüziders Geschichte. Die Liegenschaft wurde vom größten Vorarlberger Textilunternehmen gekauft und soll mittelfristig entwickelt werden. FA

Bludenzer Traditionsunternehmen übernimmt Standort in Nüziders. Teuerste Transaktion im laufenden Jahr.

Bludenz, Nüziders Vor knapp einem Jahr, am 14. Juli 2021, informierte das Kesselbau- und Kraftwerksbauunternehmen Bertsch ihre Mitarbeiter in Nüziders, dass der Produktionsstandort nach 51 Jahren geschlossen werden soll. Das sei, so Bertsch-Energy-Geschäftsführer Thomas Smetana damals gegenüber den VN, notwendig, weil sich das Unternehmen vom Kesselfertiger zum Generalunternehmer und Kraftwerksbauer gewandelt habe.

Betroffen waren 64 Mitarbeiter, die entweder in anderen Firmen der Bertsch Holding oder bei anderen Betrieben in Vorarlberg einen neuen Arbeitsplatz gefunden haben. Mit Ende März und nach Abwicklung der letzten Aufträge endete die Produktion in Nüziders. Derzeit lagern noch Maschinen für den Kessel-bzw. Metallbau in den Produktionsräumen.

<p class="caption">Getzner Textil stößt am Hauptstandort in Bludenz Bleiche an Grenzen, das neue Areal in Nüziders soll Entlastung bieten und ist zugleich direkt über die Autobahn erreichbar. <span class="copyright">FA</span></p>

Getzner Textil stößt am Hauptstandort in Bludenz Bleiche an Grenzen, das neue Areal in Nüziders soll Entlastung bieten und ist zugleich direkt über die Autobahn erreichbar. FA

Auch wenn das Werk still steht, ist die perfekt neben dem Autobahnanschluss Nüziders gelegene Gewerbeimmobilie bereits in neuen Händen. Gekauft wurde das 28.893 Quadratmeter große Gelände, auf dem 8234 Quadratmeter bebaut sind, von einem heimischen Industrieunternehmen: Getzner Mutter & Cie, die Holdingmutter der Getzner-Unternehmen, hat sich die Platzreserve gesichert und will sie mittelfristig nutzen, wie Geschäftsführer Markus Comploj im Gespräch mit den VN informiert. Auch liege das erworbene Gelände sehr gut, denn man könne von allen Bludenzer Standorten der Getzner-Firmen ohne das Wohngebiet zu berühren zum neuen Betriebsgebiet gelangen, außerdem sei der Güterbahnhof in unmittelbarer Nähe, betont Comploj.

Nicht zu vernachlässigen ist bei dem Kauf die Tatsache, dass das Gelände erstens bebaut ist und zweitens als Betriebsgebiet gewidmet ist, Umwidmungen sind deshalb nicht notwendig, um das Grundstück entsprechend zu nutzen. Das rechtfertige auch den für Bludenz hohen Quadratmeterpreis von rund 1000 Euro. Außerdem seien mehrere Unternehmen an der Liegenschaft interessiert gewesen, weiß Comploj, was sich ebenfalls auf die Preisgestaltung ausgewirkt haben dürfte.

<p class="caption">Markus Comploj, Geschäftsführer der Muttergesellschaft Getzner Mutter &amp; Cie, hat die Industriefläche in Nüziders für die Expansion der Getzner-Unternehmen erworben. <span class="copyright">FA/Hagen<span class="marker"></span></span></p>

Markus Comploj, Geschäftsführer der Muttergesellschaft Getzner Mutter & Cie, hat die Industriefläche in Nüziders für die Expansion der Getzner-Unternehmen erworben. FA/Hagen

Mit dem Kauf könne man die absehbaren Platzprobleme mittelfristig ausräumen. Dem Getzner-Textil-Stammstandort im Stadtteil Bleiche gehen die Platzreserven ebenso zur Neige wie bei Getzner Werkstoffe in Bürs, wo erst im vergangenen Jahr kräftig und raumökonomisch erweitert wurde. Interesse am Standort hatten nicht nur Getzner, Mutter & Cie sondern auch andere Vorarlberger Industrieunternehmen.

Der neue Eigentümer bezahlte 34,2 Millionen Euro inkl. Umsatzsteuer (28.500.000 Euro netto) für das Gelände, auf dem sich derzeit vier Produktions- und Montagehallen mit Büro und Werkstattflächen befinden. Das ist die teuerste Immobilientransaktion im heurigen Jahr und eine der teuersten in Vorarlberg. Der Höchster Beschlägehersteller Blum zahlte im Jahr 2020 für das komplette Wolford-Areal in Bregenz mit 72 Millionen Euro noch mehr als das Bludenzer Unternehmen.

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