Weshalb Vorarlberger Unternehmen sich über Regierung ärgern

Markt / 21.06.2022 • 05:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Seit Tagen liefert die Gazprom nur noch stark eingeschränkt nach Europa. Die Wirtschaft fürchtet, dass Putin  die Gaspipelines bald ganz abdrehen könnte, und Österreich keinen Plan hat. <span class="copyright">AP/Augstein</span>
Seit Tagen liefert die Gazprom nur noch stark eingeschränkt nach Europa. Die Wirtschaft fürchtet, dass Putin die Gaspipelines bald ganz abdrehen könnte, und Österreich keinen Plan hat. AP/Augstein

Weniger Gaslieferungen sorgen für Verunsicherung. Wirtschaft fordert Notfallplan.

Wien “Haushalte zuerst” – Energie- und Umweltministerin Leonore Gewessler hat das mehr als einmal versprochen. Sie versichert aber seit Wochen auch, dass es einen Notfallplan gebe, falls Kriegsherr Vladimir Putin den Gashahn weiter zudreht.

Der Plan ist geheim, denn man wolle ja keine Flanke öffnen, die die Russen nutzen könnten, um die Unterstützer der Ukraine zu destabilisieren. Und ja, man sei mit Firmen in Kontakt, sagt Gewessler auf entsprechende Fragen. Und am Sonntag nach dem “kleinen Krisenkabinett” wollte sie die Namen der Unternehmen, die besonders betroffen wären vom Versiegen des Gases, nicht nennen. Das seien schließlich börsennotierte Firmen, sagte sie gegenüber Journalisten. Fest steht aber auch: Jene Unternehmen, die in Vorarlberg unverzichtbar auf Gas für die Produktion angewiesen sind, stehen jedenfalls nicht in Kontakt mit der Ministerin. Sie sind nämlich nicht börsennotiert.

“Wir haben alles an die E-Control geschickt”, berichet Hubert Marte, Vorstandssvorsitzender des größten Gasabnehmers in der Vorarlberger Wirtschaft, dem Papierhersteller und Verpackungsspezialist Rondo Ganahl. Alles, d. h. die Betriebszahlen, Aktivitäten zur Energiewende, die Zahl der Mitarbeiter, die Notwendigkeit von Verpackung für eine funktionierende Versorgung. Das wars, denn Antwort hat das Unternehmen keine bekommen. Und wohl auch sonst niemand, denn seit Wochen und Monaten weisen sowohl Wirtschaftsforscher wie Firmen und der Interessenvertreter darauf hin, dass ein Notfallplan nicht existiere mit entsprechenden Folgen im Ernstfall: Er kenne keine entsprechenden Szenarien, die es vielleicht gebe, fordert erst vor Kurzem Chistoph Badelt, Vorsitzender des österreichischen Fiskalrates, deshalb im VN-Gespräch einen Fahrplan für den Worst Case. Komme es zu einer extremen Mangelwirtschaft und Energieknappheit, „dann drohen Hunderttausende Arbeitslose und Versorgungsprobleme“. “Frau Minister, geben Sie uns Antworten”, fordert deshalb Rondo-Chef Hubert Marte.

Was tun, wenn die Gaslieferungen versiegen?

Wir sitzen wie die Maus vor der Schlange. Für unser Unternehmen ist das eine extrem drohende Gefahr und wir sind im Blindflug. Das Problem ist die Zeitachse, wir arbeiten an Alternativen, doch so schnell geht das nicht. Ein Aus würde die gesamte Wirtschaft gefährden. Hubert Marte, Vorstandschef Rondo-Ganahl

Ein Gaslieferstopp wäre ein wirtschaftliches Armageddon. Ohne entsprechender Vorbereitung verursacht das Kollateralschäden, die sich niemand ausmalen mag, es ist unverantwortlich, dass wir noch immer ohne Fakten diskutieren. Der Masterplan muss auf den Tisch. Harald Mahrer, Präsident Wirtschaftskammer Österreich

Ich mache mir echt Sorgen, es gibt schlichtweg keinen Plan. Gerne hätte ich von der Politik gehört, wie es weitergeht, wenn das Gas ausgeht. Frau Gewessler, geben Sie uns Antworten. Wenn das Gas ausgeht, dann wird es für uns, aber auch die Wirtschaft und die Menschen dunkel. Bernhard Ölz, GF Gesellschafter Ölz Meisterbäcker

Energiespar-Tipps

Landesrat Daniel Zadra springt Umweltministerin Gewessler bei und gib Tipps, um der Gaskrise zu begegnen. Titel: “Jede Kleinigkeit ist nützlich” (auszugsweise).

– Aufs Auto verzichten: Mit Zug, Rad oder zu Fuß unterwegs spart Energie

– Morgens lüften, Fensterläden an heißen Tag zu –dann braucht es keine zusätzlichen Kühlgeräte.

– Waschmaschine vollpacken. 60°C reichen für die Kochwäsche aus.

– Jedes Grad weniger Raumtemperatur hilft, auch jede Minute weniger duschen.

– Elektronische Geräte mit Stecker zum An- und Ausschalten verwenden

– Wenn Gartenbeleuchtung nötig ist, dann mit Solarlichtern beleuchten.

– Fleischkonsum reduzieren: Tierhaltung benötigt viel Energie