Deshalb hat Dornbirner Bäcker 84.000 neue Mitarbeiterinnen

Markt / 23.06.2022 • 05:30 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Brot und Gebäck schmecken besser, wenn sich die neuen Mitarbeiterinnen an ihrem Arbeitsplatz wohlfühlen. <span class="copyright">VN/Paulitsch</span>
Brot und Gebäck schmecken besser, wenn sich die neuen Mitarbeiterinnen an ihrem Arbeitsplatz wohlfühlen. VN/Paulitsch

Erste europäische Backwarenmarke, die auf Eier aus kontrollierter Freilandhaltung setzt.

Dornbirn “Wir wollen zeigen, dass Tierwohl bei Ölz ernst genommen wird”, sagt Florian Ölz zusammen mit der Nachhaltigkeitsverantwortlichen Doris Wendel und zeigt, wie man sich das beim Meisterbäcker vorstellt. Statt Strategien vorzustellen, schreitet man beim Backwarenhersteller zur Tat. Ab sofort stellt das Unternehmen bei einer weiteren Zutat um. War es im vergangenen Jahr die Umstellung auf Fairtrade-Kakao für alle Produkte, die Schokolade enthalten, sind es jetzt die Eier. 25 Millionen davon werden bei Ölz jährlich für die Produktion gebraucht. Und bereits seit 2009 werden dafür nur Eier aus Bodenhaltung verwendet. Das ist dem Familienunternehmen, das die “Nachhaltigkeit schon auf seine Fahnen geschrieben hat, als der Trend noch in weiter Ferne war”, zu wenig.

“Vier Pfoten” berät

Nach zwei Jahren Vorbereitung werden ab sofort nur noch Freilandeier verwendet. Begleitet wurde die Umstellung nicht von irgendwem, so Ölz, sondern von der Tierschutzorganisation “Vier Pfoten”, die schon bei der Umstellung auf Bodenhaltung das Unternehmen beriet und unterstützte. Die Eier werden laufend agroVet-zertifiziert, dem höchsten Standard in der Branche. Dass nicht alle Freilandeier aus Österreich kommen, ist bei der benötigten Menge klar, deshalb habe man Lieferanten “rings um den Kirchturm” und ausschließlich in der EU für dieses Unterfangen gewonnen, erklärt Wendel.

Ölz-Nachhaltigkeitsbeauftragte Doris Wendel, Geschäftsführer und Gesellschafter Florian Ölz. <span class="copyright">Fa/P.Reiner</span>
Ölz-Nachhaltigkeitsbeauftragte Doris Wendel, Geschäftsführer und Gesellschafter Florian Ölz. Fa/P.Reiner

„Wo Freilandeier draufsteht, sind auch Freilandeier in unseren Produkten drin.“

Florian Ölz, Geschäftsführer Meisterbäcker Ölz

Um die unfassbare Menge von 25 Millionen Eiern zu bekommen, werden in Zukunft rund 84.000 Freilandhühner bei einer angenommenen Legeleistung von 300 Eiern pro Jahr ausschließlich für das Unternehmen tätig sein. In den beiden Werken in Dornbirn ist die Produktion bereits auf Freiland umgestellt, die restlichen zehn Prozent sollen bis 2024 umgesetzt werden und betreffen Zulieferer der österreichischen Nummer eins bei Backwaren. “Wir müssen unseren Partnern einen Zeithorizont geben”, erklärt dazu Ölz und nennt als Beispiel Madeleines, die in Frankreich produziert werden. Zu erkennen sind die Produkte mit Freilandei vorläufig an einem Pickerl auf den Verpackungen, denn “Nachhaltigkeit bedeutet auch, dass man die vorhandenen Verpackungen aufbraucht”, so Wendel.

Pionier in der Branche

Das Familienunternehmen, das sich der Vergangenheit, aber vor allem auch der nächsten Generation verpflichtet sehe, ist mit den Eiern aus Freilandhaltung wieder einmal Vorreiter für die Branche und das europaweit. Eine solche Initiative errege nicht nur Aufsehen, sondern habe auch Vorbildfunktion für Mitbewerber, die nachziehen. “Was uns freuen würde”, so Wendel. Eier zählen beim Backen vor allem im süßen Bereich zu den wichtigsten Produkten. Bei Marmorkuchen beträgt ihr Anteil 23 Prozent, bei Backwaren mit Hefe beträgt der Anteil immer noch zwischen fünf und sechs Prozent. Auf den Preis sollen sich die “tierfairen” Eier nicht auswirken. “Früher war der Preis zwischen Bodenhaltung und Freiland gewaltig”, so Ölz, doch in den Liefer- und Preiswirren der letzten Jahre haben sich die Preise angenähert, deshalb werde der Unterschied nicht in den Preis hineingerechnet. Dennoch werden auch die 100 ständigen sowie rund 30 saisonale Produkte gezwungenermaßen teurer. Explodierende Energiekosten, große Preissteigerungen bei Getreide sind Themen, die auch vor Ölz nicht Halt machen.

Verpflichtung

Zurück zur Nachhaltigkeit: Das Dornbirner Unternehmen, im Jahr 1938 von Rudolf Ölz gegründet, ist seit 2005 Mitglied des Energienetzwerkes, derzeit eines von zehn Unternehmen österreichweit, die sich verpflichtet haben, bis 2030 50 Prozent der Energie einzusparen. Nachhaltig sei man, so die Beauftragte, in allen Bereichen, das gelte sowohl ökologisch, im Sozialbereich und ökonomisch, stellt Wendel klar und verweist auf Arbeitsplätze, Grundverbrauch und Alternativenergie im neuen Werk in Dornbirn Wallenmahd, das kurz vor der Fertigstellung steht.