So wirkt Nord Stream 1-Abschaltung in Österreich

Markt / 12.07.2022 • 05:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Gasempfangsstation Lubmin der Pipline Nord Stream 1 ist abgedreht. Das wenige Gas aus Russland fließt über die Ukraine nach Europa. <span class="copyright">APA/Büttner</span>
Die Gasempfangsstation Lubmin der Pipline Nord Stream 1 ist abgedreht. Das wenige Gas aus Russland fließt über die Ukraine nach Europa. APA/Büttner

70 Prozent weniger Gas fließt nach Österreich. E-Control: “Speicher zu 48 Prozent voll.”

Schwarzach, Wien Heute, Dienstag, wird Umwelt- und Energieministerin Leonore Gewessler erklären, wie Österreich die Gaskrise meistern wird. Dazu hat sie sich Verstärkung geholt – mit ihr am Podium werden der grüne Vizekanzler Werner Kogler und der deutsche Wirtschaftsminister Robert Habeck versuchen, einen Pfad festzulegen für die kommenden Monate. Habeck immerhin hat bislang im Kampf um die Energie sogar Lob für seine Krisenarbeit aus der breiten Öffentlichkeit und der deutschen Wirtschaft erhalten. Seine Strategie könnte also auch der Energieministerin, die in den vergangenen Wochen und Monaten harter Kritik ausgesetzt war, nützen.

Denn nach der ständigen Reduzierung der Gaslieferungen in den vergangenen Wochen ist jetzt Ebbe in den Vorratsspeichern, die in Österreich derzeit zu rund 50 Prozent gefüllt sind und über die nächsten Monate helfen sollten. Seit Montag ist die für mehrere europäische Staaten wichtige Erdgasleitung Nord Stream 1 bis 21. Juli wegen Servicearbeiten trockengelegt, wie Gazprom mitteilt. Das hat auch für Österreich – obwohl nicht direkt an der nun abgedrehten Pipeline hängend – Folgen. Der österreichische Energiekonzern OMV hat am Montag nach dem Beginn der Wartungsarbeiten der Nord Stream-Pipeline deutlich weniger Gas aus Russland bekommen.

Der Konzern müsse mit einem Minus von 70 Prozent im Vergleich zur bestellten Menge rechnen, teilte ein OMV-Sprecher mit. Schon in den vergangenen Wochen hatte die OMV teils erheblich weniger Gas als geordert aus Russland bekommen. Dennoch reichen nach Angaben von E-Control die auch auf anderen Märkten gekauften Mengen, um die Versorgungssicherheit Österreichs aktuell zu sichern. “Es gibt genug, um den österreichischen Tagesbedarf zu decken und eventuell auch noch etwas Gas einzuspeichern”, sagte E-Control-Vorstand Wolfgang Urbantschitsch. Die Speicher seien zu etwa 48 Prozent gefüllt, das entspreche etwa einem halben Jahresbedarf. Ziel der Regierung ist ein Füllstand von 80 Prozent zu Beginn der Heizperiode im November. Vor der Wartung der Pipeline waren die Gaspreise erneut gestiegen. “Die Preis-Spitze scheint jetzt vorerst erreicht”, erklärt Urbantschitsch.

Wifo-Chef Felbermayr kann sich Freistrom vorstellen

Wien Wifo-Chef Gabriel Felbermayr spricht sich gegen einen Strompreisdeckel aus. Ein solcher würde die Notwendigkeit, Energie einzusparen, konterkarieren, wie er in der ZIB2 am Sonntag sagte. “Hohe Preise führen dazu, dass das Angebot steigt und die Nachfrage sinkt”, so der Wirtschaftsforscher. Eingriffe in den Markt kann sich Felbermayr aber vorstellen, etwa durch progressive Stromtarife oder eine europaweite Subvention von Gasstrom. Felbermayr kann sich vorstellen, “dass die Haushalte alle ein gewisses Ausmaß an Strom als Freistrom bekommen, als Gutschrift”. Das würde die Preisexplosion abschwächen, ohne dass Sparanreize verloren gehen. “Die Idee wäre, die Stromrechnungen zu deckeln, aber die Preissignale bei den Haushalten ankommen zu lassen”, erklärte er. Helfen gegen die Strompreisexplosion würde auch, Gas für die Stromerzeugung zu subventionieren, wie es in Spanien und Portugal passiert. Dies gehe jedoch nur europaweit, so Felbermayr.