Warum Energiespeicher-Hersteller einen Schulterschluss verlangt

Markt / 26.07.2022 • 05:30 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Warum Energiespeicher-Hersteller einen Schulterschluss verlangt
Blick in die Speicherproduktion bei Austria Email. Kainz Pictures

Vorarlberger Austria-Email-Vorstand fordert Konzentration politischer Kräfte in schwieriger Situation.

Bregenz, Knittelfeld Der gebürtige Bregenzer Martin Hagleitner könnte sich die Hände reiben. Der CEO des österreichischen Marktführers bei Wärmepumpen und Elektrospeichern Austria Email konnte vor Kurzem eine Bilanz für das Jahr 2021 legen, die auch außerhalb der Branche für Beachtung sorgte. Mit einem Produktionsrekord und dem höchsten Umsatz der Unternehmensgeschichte beweist sich der 1873 gegründete Traditionsbetrieb, der ursprünglich Emailgeschirr produzierte, lebendiger den je. Dank großer Nachfrage und hohem Wachstum in allen Produktgruppen und Märkten steigerte die Austria Email Gruppe mit der Austria Email AG und deren 100-Prozent-Tochter Austria Email GmbH inklusive der ACV Wärmetechnik den Jahresumsatz 2021 zum achten Mal in Folge: von 86,3 Mill. Euro im Jahr 2020 um beachtliche 24,3 auf 107,3 Mill. Euro.

Weichen gestellt

Der überdurchschnittliche Zuwachs der Eigenfertigung auf 197.000 Speicher, die hohe Auslastung im Drei-Schicht-Betrieb sowie außerbetriebliche Erträge führten zu einem EGT-Anstieg auf 9,3 Mill. Euro gegenüber 6,3 Mill. Euro im Jahr 2020. Das Unternehmen stellt im Verbund mit dem weltweit tätigen und familiengeführten französischen Konzern Groupe Atlantic, dessen Geschäfte Hagleitner in der DACH-Region ebenfalls als Vorstandsvorsitzender verantwortet, die Weichen für die Zukunft und investiert in den Ausbau von Kapazitäten und Arbeitsplätzen.

Austria-Email-CEO Martin Hagleitner: Rekordergebnis.  <span class="copyright">FA/Puiu</span>
Austria-Email-CEO Martin Hagleitner: Rekordergebnis.  FA/Puiu

Das Ergebnis war kein Ausreißer: Nach dem ersten Halbjahr 2022 kann sich Hagleitner über ein Plus von 26 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum 2022 freuen. Das widerspiegle die hohe Nachfrage, die im Begriff sei, sich zu einer Panik auszuweiten, so Hagleitner im Gespräch mit den VN, bei dem er allerdings nicht die Erfolge der Vergangenheit zelebriert, sondern auf die anspruchsvolle Lage für den Standort Österreich aufgrund der aktuellen Herausforderungen eingeht. Die Panik trifft nämlich auch Austria Email, wie sich an den Zahlen des ersten Halbjahres ablesen lässt.

Die Regierung sei nicht untätig, analysiert er, doch befinde sie sich in „einem Kommunikationsdilemma“, denn die durchaus herzeigbaren Hilfen und Förderungen oder auch die Abschaffung der Kalten Progression, die seit vielen Jahren gefordert wird, kommen nicht entsprechend bei den Menschen an. „Die Förderung für Heizungstausch ist großzügig dotiert. Wichtig ist, dass die Hilfen einkommensabhängig und abhängig vom sozialen Bedarf sind.“ Es dürfe nicht zum Wettbewerb werden, wer mehr ausschüttet. Man könne nicht die Marktwirtschaft außer Kraft setzen, warnt er und fordert einen Schulterschluss aller politischen Kräfte, um „diese multiple Krise zu lösen“.

Nicht gegeneinander ausspielen

Von Chancen in der Krise möchte er indes nicht reden, das sei eine Verharmlosung der derzeitigen Situation, sagt der Manager, zuerst müsse nun erst einmal die bedrohliche Situation gemeinsam gelöst werden. Dass aber die Krise die Energiewende beflügelt, das sieht er auch. „Die anstehenden Themen hat man in den letzten Jahren vor sich hergeschoben, aber jetzt brennt der Hut“, stellt er fest, eine Entweder-oder-Politik lehnt er aber ab. Man könne nicht die privaten Haushalte und die Unternehmen bei der Gaszuteilung gegen einander ausspielen. Kurzfristig gebe es keine Alternative zum russischen Erdgas für die Industrie, auch bei Austria Email habe man wie in vielen anderen Industriebetrieben in den vergangenen Jahren und bereits vor der Gaskrise auf alternative Energien gesetzt. „Bei uns sind nicht alle Produktionsanlagen betroffen, aber sehr zentrale Bereiche.“

Die Kunden beruhigt er trotz der dräuenden Gefahr. „Mit kleinen Maßnahmen können auch Haushalte große Effekte erzielen“, sagt er. Und bis alle Anlagen umgerüstet werden müssen und können, sei dann auch etwas mehr Zeit.

Austria Email 2021

Gegründet 1873

Eigentümer Groupe Atlantic (67,2 %), Treibacher Industrieholding (27,39 %), Streubesitz (5,41 %) 

Umsatz 107,3 Millionen Euro (+24,3 Prozent)

EGT 9,3 Mill. Euro

Mitarbeiter 400 (+40)

Eigenfertigung 197.000 Speicher