Auf welche Kunden der Vorarlberger Handel wartet

Markt / 29.07.2022 • 18:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Auf welche Kunden der Vorarlberger Handel wartet
VB/Trummer, VN/Steurer

Wichtige Umsatzbringer fehlen im hiesigen Handel weiterhin und offensichtlich noch länger.

Schwarzach, Konstanz Im Jahr 2015 begann für den hiesigen Handel eine goldene Zeit.

Nicht nur in Vorarlberg, vor allem im deutschen Grenzgebiet zur Schweiz sorgten die Schweizer Kunden nach dem Erstarken des Franken jahrelang für hohe Umsätze. Vorarlbergs Handel etwa wuchs regelmäßig über der Branche in den anderen Bundesländern, weil Schweizer und Liechtensteiner ihr Geld über die Grenze trugen. Die Corona-Pandemie setzte dem ein abruptes Ende, das zeigen auch die Zahlen der erst vor kurzem präsentierten Kaufkraftstrom- und Einzelhandelsstrukturanalyse für Vorarlberg, welche allerdings die aktuellsten Zahlen zum Einkaufstourismus aus den Nachbarländern noch nicht enthalten konnte: Die Zuflüsse aus dem Fürstentum Liechtenstein sowie den Ostschweizer Grenzkantonen reduzierten sich innerhalb der letzten fünf Jahre um 23 Prozent auf aktuell 72,7 Millionen Euro.

Über Jahre passierten Liechtensteiner das Zollamt Schaanwald, um in Feldkirch einzukaufen - das hat sich seit Corona stark geändert. <span class="copyright">P.Trummer/VB</span>
Über Jahre passierten Liechtensteiner das Zollamt Schaanwald, um in Feldkirch einzukaufen - das hat sich seit Corona stark geändert. P.Trummer/VB

Das hat sich auch 2022 nur unwesentlich geändert, so die Erfahrungen von Händlern in unterschiedlichen Handelssegmenten. Die Nachbarn haben ihr Einkaufsverhalten inzwischen gründlich geändert haben. Sie kommen nämlich, wenn überhaupt, nur zögerlich zum Shoppen über die Grenze.

Es ist ein merklicher Rückgang zu verzeichnen, unsere Schweizer Mitbewerber haben z. B. auch ihre Preise angepasst. Eine Kampagne wäre sicher gut, um diese Kunden wieder anszusprechen.

Clemens Sagmeister, Sagmeister Mode

Immerhin: Die Sprecherin des Vorarlberger Handels, Carina Pollhammer, bemerkt eine vorsichtige Rückkehr der Konsumenten aus den Nachbarländern. „Die Zahlen von 2019 haben wir noch nicht erreicht.“ Der starke Franken macht Einkaufen trotz Rekordinflation in der EU für die Eidgenossen immer noch etwas günstiger.

Neue Strategien

Doch eine aktuelle Untersuchung der Industrie- und Handelskammer Hochrhein-Bodensee (IHK) zeigt anderes. In den Grenzlandkreisen Konstanz, Lörrach und Waldshut fehlen noch immer 30 Prozent der Kunden, nämlich jene, die aus der Schweiz kamen. Ähnlich ist die Größenordnung in Vorarlberg. Nur zögerlich kommen die ehemaligen Stammkunden zu einem der bestfrequentierten Lebensmittelhändler in Grenznähe, wie Kaufmann Jürgen Albrecht berichtet. Sprach er im Februar noch von rund 30 Prozent Rückgang, ist es inzwischen etwas besser geworden. Jetzt ist der Rückgang auf 20 Prozent geschrumpft. „Die sind weg“, ist er dennoch überzeugt, dass der Einkaufstourismus auch langfristig nicht mehr zurückkommt und richtet seine Strategie anders aus. Auf das hochwertige Angebot an regionalen Produkten wolle er nicht verzichten, das werde bewusst ausgebaut. „Ich gebe den kleinen Produzenten eine Plattform, die auch von unseren Vorarlberger Kunden gerne genutzt wird.“

Es wird, wenn überhaupt, eine Zeit dauern, bis die Schweizer Kunden wieder kommen. Auch in der Schweiz sind die Menschen genauso wie bei uns viel stärker auf Regionalität fokussiert.

Julius Moosbrugger, WKV Handel

Regionalität ist es auch, die bei den Nachbarn eine Rolle spielt. Das Bewusstsein dafür ist nicht nur bei uns, sondern auch in der Schweiz und im Fürstentum gewachsen. Der Präsident des Liechtensteiner Handelsgewerbes, Sven Simonis, rechnet nicht mit einer Trendumkehr: „Die Leute gehen eher gezielt einkaufen“, ist er sicher, außerdem habe der Handel gelernt und z. B. die Preise nach unten angepasst. Was die IHK außerdem rät: Die Innenstädte und Shopping Malls müssen attraktiver werden. Das treibt wohl auch die Umbaupläne des Dornbirner Messeparks an, der immer ein Magnet für die Kunden von der anderen Rheinseite ist und es auch bleiben will.