Gutachten hält Kälbertransporte für illegal

Markt / 01.09.2022 • 18:55 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Österreich exportiert jährlich Tausende Kälber. Juristen und VGT behaupten, dass dies teilweise rechtswidrig sei. VGT
Österreich exportiert jährlich Tausende Kälber. Juristen und VGT behaupten, dass dies teilweise rechtswidrig sei. VGT

Juristen und VGT vermuten, dass Österreich und Italien EU-Recht umgehen.

WIEN Seit Jahren herrscht Aufregung über den Kälbertransport von Österreich ins Ausland. 2020 wurde aufgedeckt, dass Vorarlberger Kälber über Bozen bis in den Libanon verfrachtet werden. Die Kritik blieb vor allem beim Verein gegen Tierfabriken (VGT) bestehen. Bestätigt fühlt man sich nun von einem Beitrag der Vorarlberger Tierrechtsjuristin Patricia Patsch in einer Fachzeitschrift. Zum Kälbertransport gibt es in der Europäischen Union klare Verordnungen. Zwar können diese verschärft, aber nicht aufgeweicht werden. Österreich und Italien schlossen 2019 ein Abkommen mit dem Versuch, den illegalen Transport zu legalisieren. „Schon hier entspricht das Abkommen nicht den EU-Richtlinien, weil es über einen Staat hinausgeht“, erklärt Patsch, durch die der Kälbertransport als rechtswidrig anzusehen sei.

Transport muss geprüft werden

Bereits vor der Abfahrt muss klar sein, wohin die Tiere transportiert werden sollen. Im Abkommen zwischen Österreich und Italien werden Begriffe wie „vorläufiger“ und „endgültiger Bestimmungsort“ verwendet, um Transporte über lange Strecken möglich zu machen. „Durch diese Bezeichnungen kann die Behörde nicht sagen, wohin, wie lange und unter welchen Bedingungen die Tiere transportiert werden“, betont Patsch. Aus Österreich werden die Tiere zum „vorläufigen Bestimmungsort“ Bozen verfrachtet und von dort zu einem beliebigen „endgültigen Bestimmungsort“. „Ob die nötigen Pausen eingehalten werden, die Tiere genügend Wasser bekommen und die Fahrt nicht zu lange dauert, kann dadurch unmöglich gesagt werden.“ Das Abkommen wurde nicht öffentlich gemacht und verschaffte Österreich und Italien einen wirtschaftlichen Vorteil auf Kosten von Kälbern. Auch die EU-Kommission wusste nichts von dem Beschluss. „Wir geben der Kommission bis Jänner 2023 Zeit, eigene Prüfungen in die Wege zu leiten“, erklärt Patsch. „Ansonsten müssen wir selbst agieren.“ VN-ISV

Patsch und VGT kritisieren Kälbertransporte.VN/PAULITSCH
Patsch und VGT kritisieren Kälbertransporte.VN/PAULITSCH