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Markt / 20.09.2022 • 22:09 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Kritisch ist die Belastbarkeit der europäischen Hochspannungsleitungen. Dpa
Kritisch ist die Belastbarkeit der europäischen Hochspannungsleitungen. Dpa

Am Mittwoch tagt der Krisenstab Energie. Die illwerke vkw ist für einen denkbaren Blackout gewappnet.

Bregenz Am Mittwoch tritt in Bregenz zum ersten Mal der Krisenstab Energie zusammen. Bis zum Frühjahr wird er ein wachsames Auge auf die Energieversorgung in Vorarlberg legen. Neben der Energiekrise droht im Hintergrund die Furcht vor einem Blackout.

Hertzschlag bei 50

Grundsätzlich muss man wissen, dass die Stromversorgung in Europa praktisch über ein gemeinsames Stromnetz geschieht, so stark verknüpft sind die nationalen Systeme. Und es muss immer so viel Strom produziert werden, wie auch verbraucht wird. Ob dies gelingt, erkennen die Stromversorger an der Netzfrequenz: In Europa liegt die Norm bei 50 Hertz. Fällt die Frequenz, wird zu wenig Strom erzeugt und die Kraftwerke erhöhen ihre Leistung und umgekehrt.

Die Herausforderungen an die europäische Stromsystemstabilität sind vielfältig: Durch den Ausbau der erneuerbaren Energie wird diese immer öfter abseits der Verbrauchszentren produziert. So entsteht die Windenergie beispielsweise an der deutschen Küste, die Industrieschwerpunkte sind jedoch in Süddeutschland. Und gerade in Deutschland fehlen die starken Transportverbindungen zwischen Nord und Süd, betonte illwerke-vkw-Vorstand Christof Germann im Juni bei der Veranstaltung „Strom Blackout Vorarlberg – Was heißt das für mein Unternehmen?“ Ein Blackout lässt sich daher nie gänzlich ausschließen.

Doch wie würde Vorarlberg auf einen Blackout reagieren? Bei ein Blackout kommt es aufgrund eines unerwarteten Ereignisses wie dem Ausfall von Kraftwerken oder großer Umspannwerke zu großen Frequenzveränderungen und einem überregionalen Netzzusammenbruch. Bei illwerke vkw beginnen zwei Krisenstäbe mit der Arbeit: Der Krisenstab in Rodund bereitet die Kraftwerke auf den Betrieb vor, der Krisenstab in Bregenz trennt das Vorarlberger Netz aus dem europäischen Verbund.

Für die Messe produzierte illwerke vkw ein Video, was dann geschieht: Eckpfeiler für die Stromversorgung Vorarlbergs werden die Rodundwerke und Lünersee sein. „Die Kraftwerksleistung, die wir für den Netzwiederaufbau in Vorarlberg reserviert haben, ist mehr als ausreichend“, versicherte Germann im Juni. Zuerst werden die großen Umspannwerke in Bürs, Meiningen und Werben mit Energie versorgt. Nach und nach werden dann die 23 110-kV-Umspannwerke ans Netz genommen. “Wir müssen schauen, dass das System keine zu großen Schwankungen erlebt”, erinnerte Germann bei der Veranstaltung an die Netzfrequenz. Um diese unter Kontrolle zu behalten, können nicht alle Umspannwerke gleichzeitig wieder mit Energie versorgt werden.

Frage des Wasserstandes

Dieser Aufbau der Insel würde voraussichtlich etwas mehr als zwölf Stunden in Anspruch nehmen. Danach wird die Energieversorgung Vorarlbergs von folgenden Faktoren abhängen: „Es kommt darauf an, wie viel Wasser in den Stauseen ist und wie wir damit schlussendlich umgehen“, betont Germann. Bei geringen Wasserständen oder der Gefahr, dass die Insel über längere Zeit betrieben werden muss, könnte eine Strommangellage entstehen.

Eine Strommangellage ist im Gegensatz zum Blackout vor allem ein Thema für die Politik. Schließlich muss entschieden werden, wer wann wie viel Energie zur Verfügung gestellt bekommt. Federführend ist hier jedoch nicht das Land Vorarlberg, sondern das Energieministerium in Wien.

„Die Kraftwerksleistung, die wir reserviert haben, ist mehr als ausreichend.“