Preise schnellen weiter nach oben

Markt / 30.09.2022 • 19:25 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Treibstoff und Gas sind die größten Preistreiber. APA/Lein
Treibstoff und Gas sind die größten Preistreiber. APA/Lein

Schnellschätzung ergibt höchste Inflation seit 70 Jahren – Stopp nicht in Sicht.

Wien, Brüssel Die Verbraucherpreise ziehen in Österreich weiterhin kräftig an. Laut Schnellschätzung der Statistik Austria dürfte die Inflationsrate im September auf 10,5 Prozent geklettert und damit endgültig in den zweistelligen Bereich vorgedrungen sein. Eine derart hohe Verbraucherpreis-Inflation wurde zuletzt im Juli 1952 gemessen. Angeheizt wurde die Teuerung insbesondere von den hohen Preisen für Haushaltsenergie und Treibstoffe. Teurer geworden sind außerdem Lebensmittel und die Gastronomie.

Noch nicht am Höhepunkt

Für den Wifo-Inflationsexperten Josef Baumgartner gaben die im September vorgenommenen Tarif-
anpassungen für Gas und Strom in der Osthälfte Österreichs den stärksten Impuls. „Da haben Wien Energie und die EVN die Preise auch für ihre Bestandskunden sehr deutlich nach oben angehoben“, sagte der Ökonom im „Ö1“-Mittagsjournal. In Vorarlberg und Westösterreich gesamt habe es diese Erhöhungen bisher nur bedingt oder noch gar nicht gegeben. Es sei aber davon auszugehen, dass auch dort die Preise erhöht werden – spätestens im nächsten Jahr. In Vorarlberg ist – zumindest was die Haushalte betrifft –  der 31. März das entscheidende Datum, denn bis dahin gelten die meisten Stromlieferverträge.

Nach Baumgartner und auch nach Einschätzung des Präsidenten des Österreichischen Fiskalrates, Christoph Badelt in seiner Rede anlässlich der Verleihung des Vorarlberger KMU-Preises am Donnerstag, ist die Inflation daher noch nicht am Höhepunkt angekommen und nuns noch länger begleite. Auch die CO2-Bepreisung, die heute, Samstag, in Kraft getreten ist, dürfte die Inflation weiter antreiben. Baumgartner: „Wenn man den Steuereffekt noch mitberücksichtigt, dann wird das den Treibstoffpreis um knapp zehn Cent erhöhen.“ Die für Dezember angekündigte Stromkostenbremse lasse allerdings dann einen Dämpfer erwarten.

Mehl und Butter teurer

Weniger verantwortlich für den Anstieg der Inflationsrate erwiesen sich die Lebensmittelpreise, wobei es laut Statistik Austria auch in diesem Bereich zu einer weiteren Erhöhung kam. Folgt man einem aktuellen Preismonitor der Arbeiterkammer (AK), schlägt die Teuerung bei Nahrungsmitteln wesentlich kräftiger durch. So koste ein Einkaufskorb „mit preiswertesten Lebens- und Reinigungsmitteln“ seit September 2021 um 33,2 Prozent mehr. Merklich verteuert hätten sich unter anderem Nahrungsmittel wie Sonnenblumenöl, Mehl oder Butter, geht aus der Arbeiterkammer-Analyse hervor.

Mit einem Wert von 10,5 Prozent reiht sich Österreich in eine Kette vieler weiterer europäischer Länder, deren Verbraucherpreis-Inflation mittlerweile in der Zweistelligkeit angelangt ist. Im gesamten Euroraum erklomm die Teuerung im September einen Wert von 10,0 Prozent, teilte das Statistikamt Eurostat mit. Und wie in Österreich ist auch in der gesamten Eurozone die Energie der größte Preistreiber.

Verantwortung üben

Dass die Inflation grenzübergreifend neue Höchststände erreicht, ficht die Opposition nicht an – sie behandeln die Preissteigerungen als Versagen der hiesigen Regierung wie übrigens die Oppositionsparteien aller anderen Länder, die darunter leiden. Badelt warnt davor, dass populistische Aussagen die Lage verschärfen können und appelliert an die Verantwortung der Politiker. VN-sca/APA

„Mit dem CO2-Steuerreffekt erhöht sich der Treibstoffpreis um knapp zehn Cent.“

Strompreis steigt - in Vorarlberg noch Schonfrist für Haushalte. APA/Gindl
Strompreis steigt – in Vorarlberg noch Schonfrist für Haushalte. APA/Gindl
Besuche im Gasthaus gehen jetzt mehr ins Geld.APA/Jäger
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Lebensmittel in der Preisspirale: Brot und Butter immer teurer.AFP
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