Wieso die Industrie beim Bahnausbau Alarm schlägt

Markt / 11.10.2022 • 20:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Stillstand droht, wenn die Kapazität anhand falscher Zahlen ermittelt wird. <span class="copyright">VN/Steurer</span>
Stillstand droht, wenn die Kapazität anhand falscher Zahlen ermittelt wird. VN/Steurer

Industriellenvereinigung präsentiert eigene Untersuchung: Güterverkehrsstudie basiert auf alten Daten.

Bregenz, Dornbirn Es ist noch keinen Monat her, da präsentierten Wirtschaftslandesrat Marco Tittler und Mobilitätslandesrat Daniel Zadra das Güterverkehrskonzept Vorarlberg: „Wesentliches Ziel für den Güterverkehr ist es, dass Ver- und Entsorgungsleistungen für Unternehmen und Haushalte in unserem Land attraktiv, effizient, sozial- und raumverträglich, umwelt- und klimaschonend, sicher und finanzierbar erbracht werden.“ 

Das Ziel verfehlt

Das Ziel ist jetzt schon verfehlt, wie die Industriellenvereinigung moniert und ihre Kritik mit einer selbst in Auftrag gegebenen untermauert. Das vom Land und der ÖBB in Auftrag gegebene Konzept sei schon überholt, bevor man überhaupt angefangen habe, die Maßnahmen umzusetzen, schlagen IV-Geschäftsführer Christian Zoll und IV-Vizepräsident Hubert Rhomberg Alarm, nicht ohne den Anstrengungen des Landes in Sachen Personenverkehr Lob auszusprechen. Ein giftiges Lob, denn der Ausbau des Personenverkehrs gefährdet die Ausweitung des Güterverkehrs, wenn nicht entsprechende Maßnahmen ergriffen werden, so Rhomberg, der für die Präsentation der „Gegenstudie“ den Bahnzubringer zum Steinbruch seines Unternehmens wählte. Denn der Ausbau des Personenverkehrs blockiert und hemmt den Güterverkehr, so die Infrastruktur nicht ausgebaut werde. Ziel müsse der dreigleisige Ausbau des Schienennetzes im Rheintal sein, so die Vertreter der Industrie. Schließlich gehe es ja auch darum, die Energiewende auch im Gütertransport umzusetzen, erinnert Rhomberg an die guten Vorsätze der Verkehrspolitik, die sich ja die Reduzierung des Lkw-Verkehrs auf die Fahnen geschrieben hat.

Christian Zoll, Hubert Rhomberg: "Wollen beim Güterverkehr-Ausbau nicht in eine S-18-Situation stolpern."<span class="copyright">VN/PS</span>
Christian Zoll, Hubert Rhomberg: "Wollen beim Güterverkehr-Ausbau nicht in eine S-18-Situation stolpern."VN/PS

Auch wenn der Ton verbindlich bleibt, die Kritik an der ÖBB/Land Vorarlberg-Studie wiegt schwer. Dr. Ralf Chaumet, Autor des Gutachtens kritisiert anhand von Beispielen wie diesem: „In der Studie des Landes ist man auf der Strecke Wolfurt – Lauterach Süd für 2019 von insgesamt sechs Güterzügen in einem Tageszeitraum ausgegangen. Die Realität ist allerdings, dass bereits jetzt 27 Güterzüge pro Tag diese Strecke nutzen. Dieser Wert von heuer, 2022, übertrifft teils sogar die Prognosen für das Jahr 2040.“ Man sehe also, dass es hier um alles andere als kleine Differenzen bei den Erhebungen gehe, so Chaumet.

Keine Unternehmen befragt

Und nicht nur die Zahlen lassen bei den Unternehmen die Alarmglocken schrillen. Auch die Vorgangsweise. IV-Vize Rhomberg: „Für die Studie des Landes und der ÖBB wurde mit keinem Unternehmer gesprochen. Keiner hat gefragt wieviel sie über die Schiene abtransportieren müssen bzw. wieviel ihrer Transporte sie auf die Schiene verlegen können.“ Das habe zur Folge, dass man den Bedarf massiv unterschätze. Die Chaument-Studie stelle man gerne der Landesregierung zur Verfügung, auch Gespräch seien bereits in Planung, hoffen die Industrievertreter auf eine doch noch entsprechende Umsetzung der Infrastrukturpläne im Land.

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