Was die Metallindustrie ihren Mitarbeitern bezahlen will

Markt / 14.10.2022 • 04:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Schon 2021 wurden Kampfmaßnahmen im KV-Poker ergriffen.  <span class="copyright">VN/Steurer</span>
Schon 2021 wurden Kampfmaßnahmen im KV-Poker ergriffen.  VN/Steurer

Unternehmerseite argumentiert bei KV-Poker mit Antiteuerungspaketen der Regierung.

Schwarzach, Wien „In einer der schwersten Teuerungskrisen seit Jahrzehnten haben es die Arbeitgeber noch nicht einmal für nötig empfunden, ein Gegenangebot auf den Tisch zu legen. Das ist respektlos und provokant gegenüber den Beschäftigten, die seit Monaten unter den horrenden Preisen leiden“, schimpft der Vorsitzende der Produktionsgewerkschaft (PRO-GE), Wolfgang Fritz, im Vorfeld der heute, Freitag, stattfindenden Betriebsrätekonferenz, in der diese über Verhandlungen und geplante Aktionen der Fachgewerkschaften PRO GE und GPA informiert werde und die weitere Vorgangsweise beraten wird.

Kein konkreter Vorschlag

Die Vertreter der Unternehmer haben die erste Verhandlungsrunde tatsächlich verstreichen lassen, ohne ein konkretes Gegenangebot zu stellen. Allerdings, so Marcel Gilly, stv. Geschäftsführer der GPA in Vorarlberg, der bei den Verhandlungen in Wien präsent ist, sei auch den Vertreter der Wirtschaft klar, dass die Mitarbeiter eine Lohnsteigerung brauchen. Die Gespräche seien zwar an der Oberfläche geblieben, doch einzelne Punkte habe die Unternehmerseite bereits bei der ersten Verhandlungsrunde abgelehnt. Gilly geht davon aus, dass es spätestens bei der nächsten Verhandlungsrunde am Montag richtig zur Sache geht. Da liegt er richtig, denn natürlich kommen die Unternehmensvertreter nicht unvorbereitet.

Verhandlungsführer ist wie in den letzten Jahren der Hohenemser Industrielle Johannes Collini, der die Rolle des Sprechers dem Obmann des Fachverbandes Metalltechnische Industrie, Christian Knill, überläßt (siehe unten). Die Arbeitgeber haben starke Munition im Gepäck: Der Forderung nach 10,6 Prozent Lohnerhöhung, die auf der Entwicklung der Inflation im laufenden KV-Jahr basiert, stellen sie die bislang von der Republik gewährten Hilfen für die Bevölkerung entgegen und werden damit ihr KV-Angebot argumentieren, wie die VN aus verlässlicher Quelle erfahren hat. Auch liegt den VN eine Fachgruppeninterne Analyse mit dem Titel „Die Entlastungswirkung der Antiteuerungspakete“ vor, die zu ganz anderen Kaufkraftzahlen kommt als jene, die vom ÖGB vorgelegt wurden.

Plus minus drei Prozent

4,4 Prozent beträgt nach diesen Berechnungen, die auf WIFO-Analysen, Zahlen der Statistik Austria und Expertenauskünften beruhen, die bereinigte Inflationsrate für 2022. Im nächsten Jahr sollen sich die Entlastungsmaßnahmen auf die Kaufkraft mit einer bereinigten Inflationsrate von drei Prozent niederschlagen. Untermauert werden die Zahlen mit gleich fünf Bespielen, wie sich die Hilfen und die Abschaffung der kalten Progression auf verschiedene Arbeitnehmer und ihre Familien auswirken. Dementsprechend könnte sich das Eröffnungsangebot an die Arbeitnehmer beim dritten Treffen der KV-Verhandler plus minus drei Prozent bewegen.

“Das ist halt typisch Gewerkschaft”

Schwarzach Christian Knill, Vorsitzender des Fachverbandes Metalltechnische Industrie, glaubt nicht, dass bei der nächsten Runde der KV-Verhandlungen bereits ein Kompromiss gefunden wird. Das sagte er bei Vorarlberg LIVE im Gespräch mit Joachim Mangard.

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Die Forderung der Gewerkschaft nach einem Plus von 10,6 Prozent ist für ihn “völlig überzogen und spiegelt nicht die tatsächliche Situation in der Wirtschaft wider.” Dass bereits vor richtig verhandelt wurde, Betriebsräteversammlungen stattfinden, “finde ich nur komisch, dass man bevor wir überhaupt verhandelt haben, schon Beschlüsse gefasst werden. Das ist halt typisch Gewerkschaft, die müssen den Hebel immer von vornherein ein bißchen stärker drehen.” Bei der dritten Verhandlungsrunde am Montag werde die Metallindustrie sagen, “was uns so vorschwebt, wo es Verbesserungsbedarf im Kollektivvertrag gibt und dann werden wir schauen, ob wir weiterkommen oder ob die Gewerkschaft so und so alles ablehnt”.

Metallindustrie-Sprecher Christian Knill bei Vorarlberg LIVE: "Völlig überzogen". <span class="copyright">VN</span>
Metallindustrie-Sprecher Christian Knill bei Vorarlberg LIVE: "Völlig überzogen". VN

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