“Der Tourismus ist ein Vorbild”

Markt / 17.10.2022 • 22:12 Uhr / 1 Minuten Lesezeit
„Seit Jahren setzt die Tourismusbranche Maßnahmen, um den Verbrauch zu reduzieren und die Energieträger zu diversifizieren und ist ein Vorbild.

„Seit Jahren setzt die Tourismusbranche Maßnahmen, um den Verbrauch zu reduzieren und die Energieträger zu diversifizieren und ist ein Vorbild.” Monika Mörth, GF Umweltbundesamt

Wintertourismus mit weniger als einem Prozent des österreichischen Energieverbrauchs.

Wien, Schwarzach Der Winter naht und damit wird die Diskussion um den Energieverbrauch rund um die Pisten intensiver. Und die angesprochene Tourismuswirtschaft ließ sich auch nicht bitten und präsentierte ein Bündel an Maßnahmen, um wertvolle Energie zu sparen und andererseits auch die kräftig gestiegenen Betriebskosten zu senken. Natürlich ist das notwendig – alle sind angehalten, ihren Teil zur „Mission 11“ beizutragen. Die Touristiker können dabei von einem niedrigeren Niveau ausgehen, als in der breiten Öffentlichkeit bekannt ist. Der Anteil der Tourismusbranche liegt bei 1,5 Prozent am Gesamtenergieverbrauch Österreichs, der des Wintertourismus bei 0,9 Prozent (2780 GWh).

Unabhängige Analyse

Das zeigen nicht etwa Berechnungen der Branche selbst, sondern eine unabhängige Analyse, die vom Österreichischen Umweltbundesamt für das Wirtschaftsministerium angefertigt wurde. „Unsere Analyse zeigt eine drastische Reduktion des Energieverbrauchs in den Jahren von 2008 bis 2019, in diesem Zeitraum konnten die Nächtigungen um rund 20 Prozent gesteigert und der Energieverbrauch um 44 Prozent gesenkt werden, konkret bedeutet das eine Senkung des Energieverbrauchs um mehr als 50 Prozent pro Nächtigung. Damit ist der Tourismus ein Vorbild“, so Monika Mörth, Geschäftsführerin im Umweltbundesamt.

Dennoch: Die Vorarlberger Tourismuswirtschaft wird die Aktion des Bundes weiter unterstützen, wie die Vertreter von Seilbahnen und Beherbergung und Gastronomie versicherten. „Ein Hebel ist die Fahrgeschwindigkeit. Wenn man von sechs auf fünf Meter pro Sekunde geht, spart das 15 Prozent Strom“, sagt Andreas Gapp, Geschäftsführer der Kleinwalsertaler Bergbahn AG und Sprecher der Seilbahner in Vorrlberg. „Genauso kann man an den Betriebszeiten sparen. „Wenn man den täglichen Betrieb zum Beispiel eine Viertelstunde später startet, spart das drei Prozent. Außerdem werden wir auf die Sitzheizung verzichten, auch wenn diese nicht viel Strom braucht. Geprüft wird außerdem, bei entsprechender Witterung auf die Garagierung der Gondeln zu verzichten. Das spart elf Prozent.“

In der Hotellerie reichen die möglichen Maßnahmen vom Senken der Raumtemperatur und Spararmaturen im Bad bis hin zu LED-Leuchten. Einen Komfortverlust werde es deshalb nicht geben. „Der Gast soll ja nicht erkältet aus seinem Urlaub zurückkehren, weil sein Zimmer kalt ist“, betont Hotelier Markus Kegele, Sprecher der Touristiker im Land.

In Vorarlberg verbraucht die Seilbahnwirtschaft 88,77 GWh im Jahr, das sind elf Prozent des Energieverbrauchs aller österreichischen Seilbahnen. Also so viel, wie die gesamte Seilbahnwirtschaft einsparen sollte, um das vom Bund ausgerufene Ziel von Minus elf Prozent zu erreichen. Die Gastronomie verbraucht österreichweit im Jahr 10.145 Terra Joule (TJ) Energie, in Vorarlberg 491 (TJ), das sind 4,8 Prozent vom österreichischen Energiekuchen, die Beherberung (Österreich: 4550 TJ) 310 TJ, 6,8 Prozent des Branchenverbrauchs von ganz Österreich.

Gutes Zeugnis für Branche

Möglichkeiten, weiter in der Tourismuswirtschaft Energie zu sparen, sieht Umweltbundesamt-Chefin Mörth in der Effizienzsteigerung durch Prozessoptimierungen sowie Mobilitätskonzepte, durch die Dämmung von Gebäuden, bei Heizung und Warmwasserbereitung sowie das Beschneiungsmanagement. Ein Thema, das auch die Vorarlberger Seilbahner bereits aufgegriffen haben. Andreas Gapp: „Die Beschneiung ist für ein Viertel unseres Gesamtstrombedarfs verantwortlich. Wir werden deshalb nur mit Nachtstrom beschneien.“

Insgesamt bekommen die Touristiker ein gutes Zeugnis des gestrengen Umweltbundesamtes: „Seit Jahren setzt die Tourismusbranche Maßnahmen, um den Energieverbrauch zu reduzieren und die Energieträger zu diversifizieren. Dies zeigt sich einerseits im Anteil der erneuerbaren Energie, der laut Statistik Austria von 36 Prozent im Jahr 2008 auf 54 Prozent im Jahr 2019 gestiegen ist. Damit liegen diese Bereiche deutlich über dem österreichischen Wert (34 Prozent 2019) sowie über dem Zielwert der österreichischen Bundesregierung, bis 2030 einen Anteil von 50 Prozent zu erreichen. VN-sca

Maßnahmen sind  das Senken der Raumtemperatur, Spararmaturen im Bad oder LED-Leuchten. Komfortverlust gibt es nicht. Markus Kegele, Hotelier, Sprecher Vbg. Tourismus

Maßnahmen sind  das Senken der Raumtemperatur, Spararmaturen im Bad oder LED-Leuchten. Komfortverlust gibt es nicht. Markus Kegele, Hotelier, Sprecher Vbg. Tourismus

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