So funktioniert „Cradle to Cradle“

Markt / 28.10.2022 • 18:39 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Bei Wolford sollen bis 2025 50 Prozent der Produkte kreislauffähig – also biologisch abbaubar oder technologisch wiederverwertbar – produziert werden. wolford
Bei Wolford sollen bis 2025 50 Prozent der Produkte kreislauffähig – also biologisch abbaubar oder technologisch wiederverwertbar – produziert werden. wolford

Wie Wolford zu 100 % kreislauffähige und biologisch kompostierbare Produkte herstellt.

Bregenz Seit rund zehn Jahren legt der Bregenzer Skinwear-Hersteller einen starken Fokus auf die Entwicklung kreislauffähiger Produkte, und das trägt Früchte: Wolford ist das bislang einzige Unternehmen in der Textilbranche, das für die Entwicklung umweltneutraler Produkte von „Cradle to Cradle“ (C2C) mit Gold sowohl für den technischen als auch den biologischen Kreislauf zertifiziert wurde sowie der erste Strumpfhersteller weltweit mit dem Textilsiegel „bluesign® Systempartner“, das die nachhaltige Herstellung von Textilien besonders in Hinblick auf eingesetzte Chemikalien berücksichtigt.

Geschlossene Materialzyklen

Andreas Röhrich, Global Director R&D and Sustainability bei Wolford, hat die Entwicklung von nachhaltigen Produkten von Beginn an vorangetrieben: „Unser Augenmerk lag schon immer auf der Qualität und Haltbarkeit unserer Produkte. Im Zuge unserer Forschungstätigkeit sind wir auf ‚Cradle to Cradle‘ – auf Deutsch ‚von der Wiege bis zur Wiege‘ – gestoßen. Darunter versteht man kreislauffähiges Wirtschaften mit dem Ziel, Produkte als Rohstoffe in den Kreislauf rückzuführen und Müll langfristig komplett zu vermeiden.“ Initiiert wurde das Projekt im Rahmen eines Treffens der Lustenauer Smart-Textiles Plattform. In einem Konsortium aus 13 Unternehmen und Forschungseinrichtungen hat Wolford infolgedessen die Entwicklung biologisch abbaubarer Produkte, die keinerlei negativen Einfluss auf Körper oder Umwelt haben, intensiv vorangetrieben. „Die gute Zusammenarbeit sowie die kurzen Wege zu Lieferanten und Produzenten machten die Entwicklung überhaupt erst möglich. Ein besonders wichtiges Partnerunternehmen für uns war und ist die EPEA Switzerland unter Geschäftsführer Albin Kälin, welches auch die Zertifizierungen für uns durchführt. 2018 brachten wir dann die ersten ‚Cradle to Cradle certified‘-Leggings auf den Markt“, so Röhrich über die Anfänge. Mittlerweile umfasst das C2C-Sortiment mehr als 30 Gold-zertifizierte Produkte aus der „Aurora“-Linie aus verschiedensten Materialien, Farben und Mustern.

Uneingeschränkte Qualität

C2C ist ein holistischer Ansatz und berücksichtigt die Faktoren Materialgesundheit für Mensch und Umwelt, Kreislauffähigkeit von Produkten, Klimaschutz durch Verwendung erneuerbarer Energien in der Produktion, sauberes Abwasser ohne toxische Stoffe und Einhaltung sozialer Standards. Wolfords C2C-Produke bestehen aus wiederverwertbaren, erneuerbaren Materialen und verwenden biologische und technische Verfahren für einen geschlossenen Produktionskreislauf. „Dabei war es uns wichtig, unsere einzigartige Produktqualität beizubehalten. Bei unserer C2C-Linie handelt es sich um hochmoderne, elastische Produkte mit optimalem Tragekomfort“, erläutert Röhrich. Diese bestehen aus einer Kombination aus einer im Rahmen nachhaltiger Forstwirtschaft gewonnenen Modalfaser und einem speziell entwickelten, biologisch abbaubaren Elasthan. „Die Umstellung auf C2C-Standards und die Zertifizierung waren äußerst aufwendig. Auf Basis des bislang Erreichten, sprich der zertifizierten Materialien, Chemikalien, Farbstoffe und sonstigen Hilfsmittel können wir gut aufbauen und rascher neue C2C-Produkte entwickeln. Der C2C-Fokus ist auch der Beweggrund, warum viele Designer auf Wolford zukommen und gemeinsame Kollaborationen eingehen, wie beispielsweise Adidas und Stella McCartney.“

Ambitionierte Ziele

Neben C2C und dem starken Fokus auf Produktnachhaltigkeit setzt Wolford weitere Schritte in Sachen Umweltschutz: Eine Verringerung des CO2-Fußabdrucks, eine Reduktion der Färbedauer und -temperatur oder eine Verkürzung der time-to-market zur Vermeidung von Überproduktion sind nur einige der Themen, an denen das Nachhaltigkeitsteam arbeitet. Röhrich ist überzeugt: „Auch zukünftig wird der Trend weiter in Richtung Nachhaltigkeit gehen. Unser Ziel ist es, bis 2025 50 Prozent unserer Produkte kreislauffähig – also entweder biologisch abbaubar oder technologisch wiederverwertbar – zu produzieren. Wir sind auf gutem Weg, dieses Ziel auch zu erreichen.“

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