Von Törggelen bis Altersschnitt: „Viele Reisebus-Klischees gelten schon lange nicht mehr“

Markt / 28.10.2022 • 07:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Reisebusunternehmerin Elke Bereuter-Hehle von Hehle Reisen. <span class="copyright">hehle</span>
Reisebusunternehmerin Elke Bereuter-Hehle von Hehle Reisen. hehle

Unternehmerin Elke Bereuter-Hehle sieht Veränderung bei Buchungsverhalten, Ansprüchen und Zielen.

Lochau „Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen. Drum nähme ich den Stock und Hut und tät das Reisen wählen“, schrieb schon der deutsche Dichter Matthias Claudius. Reisen ist nach wie vor beliebt und erlebte während der Coronapandemie noch einmal einen zusätzlichen Boom.

Elke Bereuter-Hehle (55) ist seit Mitte der 80er Jahre in der Reisebusbranche tätig. Sie leitet Hehle Reisen in Lochau zusammen mit ihrer Schwester Marlis und ihrem Mann Konrad und ist zugleich Sprecherin der gesamten Branche im Land.

Elke Bereuter-Hehle ist auch Sprecherin der Reisebusbranche im Land.
Elke Bereuter-Hehle ist auch Sprecherin der Reisebusbranche im Land.

Starker Wandel

Diese habe sich in den vergangenen Jahrzehnten sehr gewandelt, befindet die Unternehmerin. Dennoch gebe es rund um Busreisen noch viele Klischees, die sich hartnäckig halten. „Klar fahren wir auch mal ins Südtirol, aber kaum mehr zum Törggelen. Auch hat man durchaus die Möglichkeit, im Rahmen einer Busreise seine Freizeit individuell zu verbringen. Genauso wenig ist es so, dass nur ältere Personen mit dem Bus reisen“, gibt Bereuter-Hehle drei Beispiele. „Früher waren es ältere Menschen, die oft kein Auto hatten und nie weg gewesen sind. Heute sprechen Busreisen durchaus auch jüngere Menschen an, gerade wenn es um Themen wie Wandern oder Musicals geht.“

Soziale Komponente

Zudem hätten Busreisen auch eine soziale Komponente. „Dass nur Paare reisen, ist ebenfalls ein Mythos. Viele haben keinen Partner und reisen gerne in einer Gruppe oder möchten einfach einen Tapetenwechsel. Zwei Ehepaare haben sich sogar bei uns im Bus kennengelernt“, sagt die Reisebusunternehmerin, die je nach Saison 15 bis 30 Mitarbeiter beschäftigt.

Hehle Reisen in Lochau.
Hehle Reisen in Lochau.

Sie selbst reist nach wie vor gerne und begleitet viele ihrer angebotenen Touren. „Man muss es gerne tun, dann gelingt es auch, jedes Jahr erneut spannende Reisen anzubieten.“ Dasselbe gelte für Busfahrer, die in der heutigen Zeit sehr schwer zu finden seien. „Es ist ein toller Beruf, wenn man die Menschen mag und interessiert an neuen Orten ist“, so Bereuter-Hehle. Aber der Fachkräftemangel sei ein großes Thema, das die gesamte Branche betreffe. 48 Busunternehmen gibt es in Vorarlberg, hauptsächlich kleine, familiengeführte Betriebe.

Familienbetrieb

Hehle Reisen, 1966 von ihren Eltern in Eichenberg gegründet, ist spezialisiert auf besondere Busreisen, die nicht Standard sind. Dabei reicht das Angebot von Erlebnisreisen und Pilgerfahrten bis hin zu Einkaufsfahrten, Bildungs-, Musik- oder Kulturreisen, Advents- oder Jasserfahrten. Gerade ist ein Hehle-Bus mit Gästen in Apulien. „Jedes Reisebusunternehmen in Vorarlberg hat seinen eigenen Kundenkreis, aber in jedem Reisebus finden sich Gleichgesinnte, die an besondere Orte reisen möchten“, sagt Bereuter-Hehle, die für die Zukunft sehr positiv gestimmt ist. Auch weil für sie der Bus ein Gewinner der Mobilität ist. „Wenn 50 Menschen in einem schadstoffarmen Bus reisen, ist das nachhaltiger als jedes Flugzeug oder Schiff.“

Die Herbstreise in die Toskana fand großen Anklang.
Die Herbstreise in die Toskana fand großen Anklang.

Wer einmal mit dem Bus reise, bleibe oft dabei. „Die einen kommen über einen Betriebsausflug zu uns, andere verreisen mit Freunden oder mit dem Partner. Der Tenor ist oft, es ist toll, weil man sich um nichts kümmern muss, man angenehm reist und man in Gesellschaft ist“, betont Bereuter-Hehle. Immer wichtiger sei es dabei, eine hohe Qualität zu bieten.

Ins Blaue

Die Fahrt ins Blaue gibt es übrigens nach wie vor. Seinen Ursprung hat der Begriff im 19. Jahrhundert, als man von der Stadt aufs Land zur Erholung fuhr, dort wo der Flachs blau blühte. Heute ist es wohl was für Neugierige. Denn das Ziel ist bis Reiseantritt unbekannt.

Während der Coronapandemie wurden Filtersysteme in den Bussen installiert. <span class="copyright">vlk</span><p class="caption"><p class="caption"><p class="caption"><p class="caption">
Während der Coronapandemie wurden Filtersysteme in den Bussen installiert. vlk

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