Wirbel um Kurse für Geflüchtete

Markt / 04.11.2022 • 21:32 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
So wirbt das WIFI Vorarlberg für die Tourismusausbildung im Hotel Mondschein.
So wirbt das WIFI Vorarlberg für die Tourismusausbildung im Hotel Mondschein.

Tourismuskurse in Stuben: Viel Kritik in Sachverhaltsdarstellung. Hotelier und WIFI-Chef weisen dies zurück.

Schwarzach Die WIFI-Tourismuskurse für Ukrainerinnen, die im Stubener Hotel Mondschein von Markus Kegele abgehalten wurden, sorgen derzeit für Kritik. In einer Sachverhaltsdarstellung, die an die Staatsanwaltschaft ging, wird berichtet, Kursteilnehmerinnen seien dort als Putzkräfte ausgebeutet worden. Sie seien für Reinigungsarbeiten im Hotel oder Arbeiten auf der Kaltenberghütte ohne Entlohnung und ohne Beschäftigungsbewilligungen eingesetzt worden. Außerdem seien sie auch an eine Vorarlberger Reinigungsfirma ausgeliehen worden. Dazu seien täglich zwischen drei und fünf Kursteilnehmer vom Hotel abgeholt und anderenorts unter anderem als Gartenarbeiter eingesetzt worden. Anstelle eines Kochkurses hätten die Teilnehmenden Hunderte Knödel pro Tag für den Hüttenbetrieb sowie zum Einfrieren für den Winter vorproduzieren müssen. Einer Kursteilnehmerin, die ihr Geld eingefordert hatte, sei gedroht worden. Dem WIFI wird in der Darstellung vorgeworfen, es habe kein Qualitätscontrolling gegeben sowie völlig unzureichende Arbeitsmaterialien und Kursunterlagen.

Weitere Beschwerden

Auch bei der Arbeiterkammer Vorarlberg ging eine eingelangte Beschwerde über die Vorgänge im Arlberger Hotel durch mehrere Hände. Darin wird von „unzumutbaren Arbeitsbedingungen und Arbeitszeiten“ berichtet. Kurz darauf habe der Beschwerdeführer das Schreiben allerdings wieder zurückgezogen und argumentierte, es sei „alles in Ordnung“. Deshalb, so heißt es aus der Arbeiterkammer, habe man dieser Beschwerde letztlich nicht nachgehen können. Das AMS hat einen anonymen Hinweis auf Unregelmäßigkeiten bei den Ausbildungskursen im Hotel Mondschein bekommen. „Ich nehme an, dass das zeitgleich oder später erfolgte wie die Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft“, sagt AMS-Geschäftsführer Bernhard Bereuter. Daraufhin habe man sofort interne Ermittlungen eingeleitet und einen Stopp für weitere Kurse veranlasst. Bis auf weiteres finden Kurse im vom AMS betriebenen Ausbildungsinternat bzw. Hotel in Landeck statt.

Blaue Aufenthaltskarte

Bei solchen Kursen stellt nicht das WIFI einen Antrag auf Finanzierung, sondern jeder oder jede Kursteilnehmende individuell. „Der wird dann von uns genehmigt, wenn alle Unterlagen in Ordnung sind“, sagt Bereuter mit Blick auf die die „blaue Aufenthaltskarte“ („Ausweis für Vertriebene“). Wenn diese vorliegt, kann eine Beschäftigungsbewilligung und somit eine Berechtigung zur Teilnahme an einer Ausbildung erteilt werden.

Das AMS bezahlt die Kurskosten. Wie diese dann aufgeteilt werden, obliegt dem WIFI. „Das ist unser Vertragspartner“, so Bereuter zur Frage, ob von den Gebühren (für eine Housekeeping-Ausbildung 2700 Euro, für Service bzw. Kochgrundkurs 4500 Euro) der Hotelbesitzer 75 Prozent erhalte. Bei angenommen 160 Teilnehmern in vier Staffeln (laut einer Information der Wirtschaftskammer) und einer angenommenen Durchschnittsgebühr von 3600 Euro wären damit laut nicht gesicherter Information mindestens 432.000 Euro an Kegele geflossen. Dieser spricht selbst von knapp 300 erfolgreich vermittelten Teilnehmern.

Bis zum Eintreffen des anonymen Schreibens habe man keine Beschwerden bekommen, die Teilnehmer hätten außerdem einen Stundenplan und nach dem Kurs ein Diplom bekommen. Der Arbeitsmarkterfolg des Projektes sei überdurchschnittlich gewesen, sagt Bereuter. 77 Prozent der Teilnehmer hätten eine Anstellung bekommen.

„Nach bestem Gewissen“

„Wir haben die Kurse nach bestem Wissen und Gewissen durchgeführt und betreut“, sagt WIFI-Institutsleiter Thomas Wachter. Der Kursleiter war ständig vor Ort, genauso wie eine Dolmetscherin für die Anliegen und gegebenfalls Beschwerden der Kursteilnehmenden. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es Unregelmäßigkeiten gegeben hat.“ Dass man auch auf der Kaltenberghütte Kurseinheiten abgehalten habe, sei nicht verwerflich, im Gegenteil: Es seien unterschiedliche Betriebsformen, die die Kursteilnehmer kennenlernen. „Es kommt immer wieder vor, dass Leute nicht zufrieden sind“, berichtet Wachter, doch es habe bei diesen Kursen keine Auffälligkeiten gegeben. „Wir haben eine sehr gute Erfolgsquote bei den Teilnehmern. Wir haben wahnsinnig viele untergebracht“. Die jetzt erhobenen Anschuldigungen quittiert er so: „Wir haben ein Win-win-Projekt für die Ukrainer und die Gastronomie umgesetzt und aus der Not eine Tugend gemacht.“ Aber wenn das nicht passe, werde man in Zukunft eben keine solchen Projekte mehr machen. Wachter bietet an, dass mindestens zehn Betriebe und deren im Mondschein geschulten Mitarbeiter ihre Sicht der Dinge darlegen.

Gängige Tätigkeiten

Auch Hotelier Markus Kegele weist die Vorwürfe strikt zurück. „Alle Auszubildenden haben einen Grundkurs absolviert, der die gängigen Tätigkeiten der jeweiligen Sparte umfasst. Dabei dient der Hotel-Betrieb als geschützter Raum und war während dieser Zeit für Gäste geschlossen. Wie in einem 4-Sterne-Haus üblich, erfolgte eine Grundreinigung bereits vor Saisonschluss. Die Teilnehmenden führten ausschließlich gewöhnliche Routine-Übungen durch, die nicht dem Betrieb dienten. Die Vorwürfe, die von Einzelpersonen geäußert werden, sind nicht objektiv nachvollziehbar. Wir haben durchwegs positive Rückmeldungen bekommen“, sagt der Hotelier.

AMS-Geschäftsführer Bernhard Bereuter. AMS
AMS-Geschäftsführer Bernhard Bereuter. AMS
Hotelier und Spartenobmann Markus Kegele. WK
Hotelier und Spartenobmann Markus Kegele. WK
WIFI-Institutsleiter Thomas Wachter. wifi
WIFI-Institutsleiter Thomas Wachter. wifi

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