Deshalb stehen Vorarlbergs Haushalte unter Strom

Markt / 22.11.2022 • 05:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Photovoltaik erlebt einen Boom. Die Liefer- und Montagezeiten sind lang. <span class="copyright">VN/Stiplovsek</span>
Photovoltaik erlebt einen Boom. Die Liefer- und Montagezeiten sind lang. VN/Stiplovsek

Haushalte im Land setzen auf Strom, auch Anteil von Heizöl im Österreichvergleich sehr hoch.

Schwarzach, Wien Vorarlbergs Bevölkerung setzt auf Strom. Die Haushalte in unserem Bundesland sind in einem Vergleich der österreichischen Bundesländer jene, die weit überdurchschnittlich viel Strom verbrauchen. Das zeigen Zahlen der Statistik Austria und Berechnungen der Denkfabrik Agenda Austria ganz klar.

Energie spart effizient, wer zum Beispiel die Heizung etwas zurückdreht. <span class="copyright">VN/PS</span>
Energie spart effizient, wer zum Beispiel die Heizung etwas zurückdreht. VN/PS

“57,5 Prozent der Haushaltsenergie in Vorarlberg ist Strom, das ist auch für uns überraschend”, sagt Ökonom Marcell Göttert bei der Präsentation der Zahlen im Gespräch mit den VN. Und doch dürfte die Zusammenstellung des Energiemixes der Vorarlberger Haushalte so stimmen, wie auch der Sprecher der Vorarlberger Energieinstitutes, Wolfgang Seidel, dazu feststellt. Seidel merkt nach dem Studium der Zahlen durch die Dornbirner Energieexperten allerdings auch an, dass in dem Energiemix der Kraftstoff für Fahrzeuge, die ja ebenfalls den Haushalten zugeordnet werden müssen, fehle.

Deshalb stehen Vorarlbergs Haushalte unter Strom

Wenig Fernwärme

Mit Strom ist allerdings nicht nur der Strom aus der Steckdose gemeint: Auch Photovoltaikanlagen auf dem eigenen Dach fließen in die Rechnung ein, allerdings “können wir das nicht entschlüsseln”, so Göttert. Man sehe aber auch nicht, wie viel Haushaltswärme mit Wärmepumpen erzeugt wird. Vernachlässigbar ist im Energiemix, der sich aus dem Zusammenrechnen der Energiequellen aller Haushalte ergibt, in Vorarlberg der Fernwärmeanteil im privaten Bereich, der mit 6,5 Prozent am Gesamtmix am unteren Ende des Bundesländervergleichs zu finden ist. Nur Burgenland hat noch etwas weniger Haushaltsenergie aus Fernwärme, nämlich 6,4 Prozent. Das wird sich langsam, aber sicher ändern, denn in mehreren Gemeinden – z. B. in Lustenau oder Frastanz – entstehen Fernwärmenetze, deren größtes die Bundeshauptstadt Wien hat. Wien ist auch die Stadt, in der weit mehr Gas in den Haushalten zum Einsatz kommt als im Bundesschnitt, nämlich 34,8 Prozent, während es in Österreich durchschnittlich 18,9 Prozent und in Vorarlberg 12,4 Prozent sind, die nun gebannt auf die Füllmengen der Gasspeicher schauen.

Marcell Göttert, Agenda Austria: „Die Fernwärme ist in ländlichen Gebieten, z. B. in den Vorarlberger Talschaften, relativ schwer einzusetzen.“
Marcell Göttert, Agenda Austria: „Die Fernwärme ist in ländlichen Gebieten, z. B. in den Vorarlberger Talschaften, relativ schwer einzusetzen.“

“In den ländlichen Gebieten Österreichs, und dazu zählt auch Vorarlberg, wird in vielen Haushalten aber auch noch Heizöl verwendet”, sagt Agenda-Austria-Wissenschaftler Göttert: 15,7 Prozent sind es in Vorarlberg, das damit das Bundesland mit dem zweithöchsten Heizölverbrauch ist (15,7 Prozent).

Spitzenreiter ist das Nachbarland Tirol mit einem Anteil von 17,7 Prozent. Für das Energieinstitut eindeutig zu viel. Die Vorarlberger Energieberater raten deshalb zur energetischen Sanierung, die freilich nicht von heute auf morgen umsetzbar ist, zumal heuer aufgrund der Mangellage von Gas und Heizöl und den damit verbundenen Preissteigerungen zwar der Entschluss zum Umstellen in vielen Familien gereift ist, aber die Handwerker ausgebucht sind.

Keine Kohle mehr

“Endgültig vorbei ist das Heizen mit Kohle”, so Göttert, auch Pellets sind ein Minderheitenprogramm. Der hohe Stromanteil, der zum Teil auf die selbstproduzierte Photovoltaikenergie zurückzuführen sei, könnte auch deshalb so dominant sein, vermuten Seidel und Göttert, weil Vorarlberg nach wie vor einen sehr niedrigen Strompreis im Bundesländervergleich hat. Die Frage ist, wie sich das nach einer Strompreiserhöhung des Stromversorgers vkw, die am 1. April 2023 erfolgt, ändert. Sparen sollte man trotzdem. Tipps geben illwerke vkw und das Energieinstitut.

Stromspartipps gibt es direkt bei illwerke vkw und Energieinstitut oder auf den jeweiligen Homepages www.energieinstitut.at oder vkw.at/energiesparen-privat.htm

Wie sparen Sie daheim?

Ich schaue, dass ich so wenig Strom wie möglich brauche. Vieles kann man mit Nachtstrom machen. Bei der Heizung fahren wir auf die 21 Grad runter und heizen zusätzlich mit Holz. <strong>Liane Nussbaumer</strong> aus Meiningen
Ich schaue, dass ich so wenig Strom wie möglich brauche. Vieles kann man mit Nachtstrom machen. Bei der Heizung fahren wir auf die 21 Grad runter und heizen zusätzlich mit Holz. Liane Nussbaumer aus Meiningen
Wir heizen weniger daheim. Mit dem Strom haben wir schon stundenweise ausgeholt. Aber ich glaube, in Vorarlberg werden die Kosten sowieso nicht viel schlimmer werden. <strong>Egon Lenz</strong> aus Weiler
Wir heizen weniger daheim. Mit dem Strom haben wir schon stundenweise ausgeholt. Aber ich glaube, in Vorarlberg werden die Kosten sowieso nicht viel schlimmer werden. Egon Lenz aus Weiler
Ich schaue ganz bewusst zu Hause, dass die Lichter nur dort brennen, wo ich es brauche. Auch bei der Weihnachtsbeleuchtung werde ich sparen. Die Heizung habe ich schon lange runtergedreht. <strong>Claudia Burger</strong> aus Hard
Ich schaue ganz bewusst zu Hause, dass die Lichter nur dort brennen, wo ich es brauche. Auch bei der Weihnachtsbeleuchtung werde ich sparen. Die Heizung habe ich schon lange runtergedreht. Claudia Burger aus Hard

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