Wer gerne Ländle Milch im Sortiment hätte und sie nicht bekommt

Markt / 24.11.2022 • 07:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
<p class="caption">Ländle Milch ist nicht überall erhältlich: Von den Großhändlern wird nur Metro beliefert. <span class="copyright">VN/Lerch</span></p>

Ländle Milch ist nicht überall erhältlich: Von den Großhändlern wird nur Metro beliefert. VN/Lerch

Vorarlberg Milch beliefert nur einen von drei im Land ansässigen Gastrogroßhändlern.

Schwarzach, Bludenz Die „Förderung integrativer und  nachhaltiger Konzepte und regionaler Wertschöpfungsketten durch faire Kooperationen“ ist ein wichtiger Punkt in der Vorarlberger Tourismusstrategie 2030. Das bedingt, dass auf die Tische in den Hotels und Restaurants Produkte aus Vorarlberger Produktion kommen. Ein Trend, den auch die Gastronomiegroßhändler im Land verfolgen und der den Gästen immer wichtiger ist. Vorarlberg kann in Sachen Regionalität besonders mit Milchprodukten punkten. Seien es die Milch oder Käse, der gerade wieder bei nationalen und internationalen Wettbewerben viele Preise einheimsen konnte.

Bekenntnis zur Regionalität

Ein klares Bekenntnis, ja eine hohe Erwartungshaltung hat deshalb auch Gebhard Flatz, Regionalkoordinator für Regionalität in der Landwirtschaftskammer in der Tourismusstrategie formuliert.  „Alpine Kulinarik bedeutet Regionalität und Saisonalität … Die Verwendung regionaler Lebensmittel gibt alpiner Kulinarik Authentizität und ist wichtiger Beitrag für klimafreundliches Verhalten”, heißt es in dem Papier, das u. a. gewährleisten soll, dass durch den Tourismus auch Wertschöpfung im Land bleiben soll. Das sieht Christian Grass, Verkaufsleitung Gastro bei Vorarlberg Milch in seinem offiziellen Statement zur Strategie ebenso: “Wichtige ganzheitliche Zielsetzung und Strategie zum Wohle der Tourismusdestination Vorarlberg.”

Transgourmet-Chef Thomas Panholzer: "Für uns absolut unverständlich." <span class="copyright">FA/Maislinger</span>
Transgourmet-Chef Thomas Panholzer: "Für uns absolut unverständlich." FA/Maislinger

Und dennoch wird es in vielen Vorarlberger Gastronomie und Hotelleriebetrieben wenig bzw. gar keine Vorarlberger Milchprodukte geben. Denn die Wirte und Küchenchefs müssten in den nächsten Supermarkt gehen, um sich Ländle Milch, Topfen oder die preisgekrönten Käseprodukte zu besorgen, was bei den Mengen, die in Gastbetrieben anfallen, schwierig bis unmöglich ist. Bisher versorgte sie der ehemalige Marktführer AGM mit Milchprodukten. Das ist nicht mehr möglich: Die AGM-Märkte in Vorarlberg sind Vergangenheit, die Beherberger und Gastwirtenden werden von Metro, Transgourmet und seit kurzem von Eurogast Grissemann, die Standorte in Vorarlberg haben, beliefert,  auch der Tiroler Großhändler Wedl fährt seine Touren im Land.

<p class="caption">Eurogast-Grissemann-Chef Thomas Walser: "Sehr seltsam." <span class="copyright">Fa/Kühn</span></p>

Eurogast-Grissemann-Chef Thomas Walser: "Sehr seltsam." Fa/Kühn

Doch nur einer der Händler wird vom Vorarlberg Milch beliefert – Metro in Dornbirn. Für die anderen gebe es keine Kapazitäten, so heißt es in einer Absage an einen der beiden in Vorarlberg niedergelassenen Händler, ohne weiter darauf einzugehen. Thomas Walser, Geschäftsführer von Eurogast Grissemann, fragt sich deshalb, wo die Mengen sind, die bislang über AGM ausgeliefert wurden. Thomas Panholzer, Geschäftsführer von Transgourmet Österreich, singt das gleiche Lied. Er versucht schon seit Markteintritt im Jahr 2018 Produkte der Vorarlberg Milch ins Sortiment zu bekommen, vergebens. Grissemann bezieht einige Produkte über Zwischenhändler, das hat Transgourmet auch gemacht. Doch die Preissteigerungen – immerhin will der Zwischenhändler ja auch etwas verdienen – machen dem nun ein Ende.

Eigener Vertrieb?

Obwohl es auch bei Lebensmitteln derzeit Mangelware gebe, gehören Molkereiprodukte nicht dazu, offenbar sei das in Vorarlberg anders, so Panholzer, dessen Märkte in ganz Österreich sind. “Wir haben die Türen ganz weit aufgemacht und reichen der Vorarlberg Milch auch jetzt noch die Hand”, hofft Panholzer darauf, doch noch mit dem Genossenschaftsbetrieb handelseins zu werden. Eine Hoffnung, die auch Grissemann-Chef Walser noch hegt, der das Geschäftsgebaren als “sehr seltsam” bezeichnet.

Welche Gründe dahinterstecken oder ob die Vorarlberg Milch den direkten Vertriebsweg zu Gastronomie und Hotelerie sucht, konnte bislang nicht geklärt werden. Wegen “wichtiger Besprechungen” war Vorarlberg-Milch-Geschäftsführer Raimund Wachter weder telefonisch noch per E-Mail für eine Stellungnahme erreichbar.

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