Hannes Androsch

Kommentar

Hannes Androsch

Klimasünder Österreich

Markt / 25.11.2022 • 18:33 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Seit Beginn der Industrialisierung basiert unser Wohlstand auf massiv steigendem Energieverbrauch. Gedeckt wurde und wird dieser hauptsächlich durch die fossilen Energieträger Kohle, Erdöl und Erdgas – global derzeit zu 84% –, mit der Folge dramatisch hoher Treibhausgasemissionen. So hat sich die globale CO2-Konzentration gegenüber der vorindustriellen Zeit mittlerweile fast verdoppelt. Das Ergebnis: eine bedrohliche Erderwärmung und der dadurch bedingte KlimawandeI.

Zwar einigte sich die Staatengemeinschaft 2015 in Paris auf eine Begrenzung der Erwärmung auf +1,5 Grad, und tatsächlich haben einige Staaten begonnen, ihre Emissionen zu reduzieren. Insgesamt aber ist der Ausstoß, der zur Hälfte von nur drei Ländern (China, USA, Indien) verursacht wird, immer weiter gestiegen.

Und Österreich? Hierzulande liegen die Treibhausgasemissionen immer noch auf dem Niveau wie im Jahr 1990. Wir erleben folglich nicht – wie so oft behauptet – eine Aufholjagd bei der Reduktion, sondern sind ein rückständiger Klimasünder, dessen Emissionen mit 9 Tonnen pro Kopf und Jahr mehr als doppelt so hoch sind wie jene der Schweiz. Während unsere Nachbarn mit Wasserkraft, Atomkraft und einer emissionsärmeren Verkehrspolitik einen konsequenten Weg verfolgt haben, wurden hierzulande alle Projekte zur Nutzung der eigenen Energiereserven von ideologisch motivierten Öko-Jakobinern verhindert. Folglich stagniert der Ausbau von Wasserkraft, Photovoltaik und Leitungsnetzen, und seit 2017 sogar die Zahl der Windräder. Und obwohl für heuer 126 neue angekündigt waren, ist von offizieller Seite nicht zu erfahren, wie viele bzw. ob überhaupt welche ans Netz gegangen sind. Als Folge sind wir auf Erdgas und Atomstromimporte, die wir verschleiern, angewiesen.

Diese sich in Ankündigungen erschöpfende, fehlgeleitete Energiepolitik ist umso verheerender, als im Zuge der Digitalisierung und forcierten E-Mobilität der Strombedarf weiter anwachsen wird, d. h. der Energiehunger unstillbar ist. Es wäre daher umso wichtiger, technologieoffen auch Wege zu beschreiten, um Emissionen einzufangen bzw. zu speichern, sowie die Möglichkeiten von Wasserstoff bzw. Atomkraft zu nutzen, um die Volatilität von Wind und Sonne auszugleichen.

Tatsächlich aber wird versucht, die fehlgeleitete – weil auf Evidenzignoranz und Realitätsverweigerung beruhende – Energiepolitik durch eine Konfettiparade mit Helikoptergeld ziel-, planloser und willkürlicher Entlastungen zu verschleiern. Förderungsansuchen, die den Klimaschutz unterstützen, werden nicht einmal ignoriert. Dies aber bringt unsere Staatsfinanzen in bedrohliche Schieflage, während die notwendigen Innovationen und Investitionen weiter verabsäumt werden. Statt Krisenbudget also Budgetkrise, für die uns zudem bald die Rechnung präsentiert werden wird.

Die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit wird immer deutlicher. Damit muss Schluss sein. Wir brauchen dringend sachkundige, entscheidungsbereite und umsetzungsfähige Amtsträger.

„Die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit wird immer deutlicher. Damit muss Schluss sein.“

Hannes Androsch

markt@vn.at

Dr. Hannes Androsch ist Finanz­minister i. R. und Unternehmer.

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