Weshalb Zugpassagieren am Montag Chaos droht

Markt / 25.11.2022 • 20:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Weshalb Zugpassagieren am Montag Chaos droht
Streiks bei den Eisenbahnen sind selten: 66 Stunden dauerte der Streik 2003, 2018 fand ein kurzer Warnstreik statt. APA/schlager

Eisenbahn-Gewerkschaft vida: Ohne KV-Einigung stehen Züge 24 Stunden still.

Schwarzach, Wien Am Freitag glühten die Telefone zwischen Eisenbahn-Gewerkschaftern und den Arbeitgebern ÖBB, Westbahn und weiteren Eisenbahnen. Dabei ging es “nur” um einen Gesprächstermin. Verhandelt wird nach den hektischen Telefonanten heute, Samstag, ab 16 Uhr. Die Vorbereitungen für den österreichweiten 24-stündigen Warnstreik im Eisenbahnbereich am Montag, 28. November 2022, laufen parallel zu den Verhandlungen weiter. „Klar ist, dass bei den Verhandlungen ein vertretbares Ergebnis zustande kommen muss. Wir fordern einen monatlichen Fixbetrag in Höhe von 400 Euro auf KV- und Ist-Löhne, weil dieser besonders niedrige und mittlere Einkommen in Zeiten der Rekordinflation stützt“, bekräftigt vida Vorarlberg-Vorsitzender Reinhard Stemmer.

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vida-Vorarlberg-Chef Stemmer will Weichen für mehr Lohn stellen. VN/KH

Dass der 24-Stunden-Streik womöglich abgewendet wird, mag sein, doch es gebe auf jeden Fall Beeinträchtigungen im Bahnverkehr, informiert Stemmer im Gespräch mit den VN. Die Vorbereitungen seitens der Arbeitnehmervertreter seien getroffen und der Bahnbetrieb können nicht einfach wieder hochgefahren werden. Außerdem gebe es auch bei einem KV-Abschluss noch eine Mitgliedergbefragung, die “sicher nicht bis Montag ausgewertet ist”. Deshalb sollten alle Pendler bzw. Zugreisenden sich auf jeden Fall entsprechend vorbereiten.

Wie lange dauert der Warnstreik? Die Gewerkschaft Vida hat eine Streikfreigabe des ÖBG für Montag, 28. November von 0 bis 24 Uhr. Falls keine Einigung zustande kommt, soll der Streik 24 Stunden dauern. Kommt es zu einer Einigung, kann die Beeinträchtigung kürzer ausfallen. Aufgrund organisatorischer Vorkehrungen werden aber sicher nicht alle Züge fahrplanmäßig im Einsatz sein, so vida Vorarlberg-Chef, ÖGB-Landesvorsitzender Reinhard Stemmer. Bei der Westbahn, für Vorarlberger wegen der Verbindungen nicht unbedingt die erste Wahl bei Zugreisen, wird am Montag von 12 und 14 Uhr gestreikt, so der Betriebsrat.

Gibt es einen Schienenersatzverkehr? Ein Ersatzverkehr ist nicht geplant und könnte logistisch wohl auch nicht umgesetzt werden. Was funktioniert, ist der reguläre Busverkehr, da sowohl die Postbusfahrer als auch die Chauffeure der verschiedenen Vorarlberger Netze einen anderen KV-Vertrag haben und deshalb nicht betroffen sind. Die Montafonerbahn ist vom Streik nicht betroffen und fährt auch am Montag. Allerdings ist die Einfahrt in den Bludenzer Bahnhof für die Montafonerbahn nicht möglich. Es wird daher ein Schienenersatzverkehr für den Bereich Bahnhof Bludenz bis Bahnhof Brunnenfeld eingerichtet.

Was passiert mit bereits gebuchten Tickets? Die Zugbindung für Sparschiene-Tickets, die im Streikzeitraum gültig sind, gilt als aufgehoben. Diese Tickets, sowie andere Tickets, die für eine Reise während des Streiks gebucht wurden, sind bis inklusive 5. Dezember 2022 gültig oder können bei Nichtantritt der Reise storniert und rückerstattet werden. 

Gibt es Geld zurück, wenn man ein alternatives Reisemittel bucht? Es gelten die Fahrgastrechte, heißt es bei den ÖBB. Darüber hinausgehende Ansprüche sind nach schadensatzrechtlichen Gesichtspunkten zu prüfen.

Warum die harte Auseinandersetzung? Die ÖBB brauche bis 2027 17.000 neue Arbeitskräfte, so Stemmer, und deshalb müsse man bei den Löhnen Chancengleichheit mit anderen Branchen haben. “Wir müssen dringend nachziehen, auch wegen der Verkehrswende.”

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