Bertsch Energy meldet Insolvenz an

Markt / 30.11.2022 • 16:48 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
<p class="caption">Bertsch Kraftwerke sind in vielen Ländern in Betrieb. Die Saica-Gruppe betreibt inzwischen mehrere Anlagen von Bertsch Energy. <span class="copyright">FA <span class="media-container dcx_media_rtab" data-dcx_media_config="{}" data-dcx_media_type="rtab"> </span></span></p>

Bertsch Kraftwerke sind in vielen Ländern in Betrieb. Die Saica-Gruppe betreibt inzwischen mehrere Anlagen von Bertsch Energy. FA  

156 Mitarbeiter betroffen. Gespräche mit Investor gescheitert. Fortführung geplant.

Bludenz Für den Bludenzer Kraftwerkbauer Bertsch Energy ist die Energiewende eigentlich eine gute Zeit. Die Auftragsbücher sind voll, Anfragen für neue Kraftwerke treffen fast täglich ein. Und doch musste sich das Unternehmen nun zu einer drastischen Maßnahme durchringen.

Auftragsverzögerungen

Das Unternehmen ist gezwungen, in den nächsten Tagen Insolvenz anzumelden, wie der Geschäftsführer der Holding, Hubert Bertsch, und der Geschäftsführer von Bertsch Energy, Thomas Smetana, im Gespräch mit den VN informieren. Betroffen sind 156 Mitarbeiter, die alle in Bludenz beschäftigt sind. Außer Bertsch Energy ist kein Unternehmen der Bertsch-Gruppe betroffen.

Die finanzielle Schieflage hat mehrere Ursachen, so Smetana, der seit 2020 das Unternehmen führt und damals bereits gemeinsam mit den finanzierenden Banken den Restrukturierungsprozess eingeleitet hat. Die Bertsch Energy geriet in der Corona-Pandemie in Schwierigkeiten. “Aufträge verzögerten sich oder fielen komplett aus. Dadurch fehlte unserem Unternehmen die Anzahlungen der Kunden, die die Basis bei der Finanzierung im Anlagebau sind”, schildert Smetana die Lage. Zudem sei die erschwerte Abwicklung von vier Großprojekten im Ausland dazugekommen. Obendrauf sei Bertsch nun auch von Teuerungen und Lieferschwierigkeiten betroffen.

Mitarbeiter beim AMS angemeldet

Die über 150 Mitarbeiter, “allesamt höchst qualifizierte Fachleute”, so Bertsch, wurden am Mittwoch über die geplante Insolvenzantrag informiert. Sie werden beim AMS zur Kündigung angemeldet und die Arbeiterkammer informiert, “das müssen wir machen”, erklärt Bertsch und bekräftigt, dass derzeit alles getan wird, um eine Lösung für den Fortbestand des Unternehmens, verbunden mit der Erhaltung der Arbeitsplätze, allenfalls im Rahmen eines insolvenzrechtlichen Sanierungsverfahrens oder durch eine Auffanggesellschaft zu finden. “Da müssen die Kunden und die Banken mit im Boot sein” so Firmenchef Bertsch. Derzeit werden intensive Gespräche geführt.

<p class="caption">Bertsch-Geschäftsführer Thomas Smetana hat seit 2020 die Restrukturierung eingeleitet. <span class="copyright">FA</span></p>

Bertsch-Geschäftsführer Thomas Smetana hat seit 2020 die Restrukturierung eingeleitet. FA

Notwendig wurde der Schritt, weil die weit fortgeschrittenen Gespräche mit einem süddeutschen Investor als strategischem Partner (einem Unternehmen, das u. a. auch in der Energiebranche tätig ist) in letzter Minute gescheitert sind. “Obwohl bereits ein grundsätzliches Kommit mit den Banken vorlag, ist der Einstieg völlig überraschend an einer Uneinigkeit über die Risikoverteilung zwischen Banken und Investor gescheitert”, erklärt Geschäftsführer Smetana. Damit sei die positive Fortbestehensprognose weggefallen und der Gang zum Insolvenzgericht zwingend.

Turnaround 2022 geschafft

Sanierungsmanager Smetana hat in den vergangenen zwei Jahren – unterstützt von Beratern – das Unternehmen geführt und auch Erfolge erzielt. Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen sei es gelungen, Altprojekte abzuschließen und neue Aufträge mit Hilfe der Muttergesellschaft zu akquirieren, man habe die Effizienz gesteigert und das Controlling verstärkt, auch die Produktionsstätte in Nüziders wurde geschlossen und verkauft.

Ergebnis: Die Verbindlichkeiten und Risiken bei den Banken sei deutlich vermindert worden. Der Turnaround im operativen Geschäft sei geschafft, 2022 wird ein Betriebsergebnis von rund 12 Millionen Euro erwartet. Auch die Planung für das nächste Jahr weise ein deutliches positives Betriebsergebnis auf, geben Bertsch und Smetana der Hoffnung Ausdruck, dass die Sanierung gelingen werde. Das Ausfallrisiko sei dadurch drastisch reduziert worden. “Das ist ein Befreiungsschlag”, so Hubert Bertsch, denn die Zukunft sei vielversprechend, weil man mit den in Bludenz entwickelten Kraftwerken die richtige Lösung für viele Firmen anbieten könne: “Wir sind vollbeschäftigt und jetzt stehen viele Auftragsvergaben an”.

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