Offene Fragen zum Wohnbaudarlehen

Markt / 07.12.2022 • 22:17 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Das Land will jungen Familien den Traum vom Eigenheim leistbarer machen. Ob es klappt, ist aber noch offen.APA/SChlager
Das Land will jungen Familien den Traum vom Eigenheim leistbarer machen. Ob es klappt, ist aber noch offen.APA/SChlager

Finanzaufsicht und Land uneins, ob Fremd- oder Eigenmittel.

Bregenz Vonseiten der Finanzmarktaufsicht (FMA) steht man der Meinung des Landes, mit einem Darlehen die Eigenmittel junger Vorarlberger Familien zur Finanzierung vom Wohneigentum aufstocken zu können, eher kritisch gegenüber. Da dieses zurückzuzahlen ist, müsste es als Fremdkapital gewertet werden. Dass 2023 die Vorgaben gelockert werden, ändere laut ORF nichts daran. Tatsächlich sollen im nächsten Jahr Zuschüsse von Gebietskörperschaften eher als Eigenmittel gelten können, jedoch nur, wenn diese nicht zurückgezahlt werden müssen.

Tittler verwundert

Landesrat Marco Tittler zeigt sich „verwundert“, dass die FMA sich rein auf Basis der Ankündigung des Darlehens bereits ablehnend gibt. „Aktuell verkennt die FMA, dass am Vorarlberger Immobilienmarkt andere Voraussetzungen bestehen, als dies zum Beispiel im Burgenland der Fall ist und das Risiko einer besicherungsgefährdenden Immobilienabwertung völlig anders gelagert ist“, erklärt Tittler gegenüber den VN. „Ebenso wurden die Kriterien für eine Phase der Niedrigzinspolitik entworfen, den jüngsten Zinsentwicklungen wird somit nicht Rechnung getragen.“

Ball liegt beim Bund

Mit dem Darlehen sei Vorarlberg nicht allein, verweist das Land auf ähnliche Modelle in Innerösterreich. „Auch die Landeshauptleute haben einen entsprechenden Beschluss gefasst und pochen auf praktikable und zeitgemäße Lösungen“, betont Tittler.

Entsprechend sieht das Land den Ball beim Bund, dass die Banken solche Landesdarlehen ebenfalls als Eigenmittel betrachten dürfen. Vorarlberg stehe hier mit Finanzminister Magnus Brunner und der FMA im Kontakt, damit Familien alle Möglichkeiten der Finanzierung auch tatsächlich ausschöpfen können. „Eine zentrale Forderung bleibt jedenfalls die Ausnahme von Zwischenfinanzierungen“, betont Tittler.

Rückendeckung

„Weltfremd“ sei die Haltung der FMA, kritisiert der neue Arbeiterkammerpräsident Bernhard Heinzle. „Die Finanzmarktaufsicht verschläft jeden Bankenskandal, zuletzt jenen der Commerzialbank Mattersburg, verlässlich, aber wenn es darum geht, jungen Menschen zu Wohnungseigentum zu verhelfen, ist man hellwach und päpstlicher als der Papst“, ärgert sich Heinzle. Von dieser Haltung würden nur Reiche und Investoren profitieren, Familien könnten sich jedoch trotz Einsatz und Verzicht kein Eigentum erarbeiten.

Neos: „Unprofessionell“

Wenig Verständnis wiederum hat Gerry Thür von den Neos, warum das Land nicht vor der Ankündigung eine Verständigung mit der FMA suchte. „Eine derartige Ankündigung, die ein paar Stunden später von der FMA verneint wird, sorgt für enorme Unsicherheit in der Bevölkerung“, fordert er künftig erst fixe Maßnahmen statt Schnellschüsse zu präsentieren. VN-RAU

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