Ältere sollen nun leichter Kredite bekommen

Markt / 11.12.2022 • 22:03 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Durch die Novelle des Hypothekar- und Immobiliengesetzes bekommen Senioren leichter Kredite. Es geht dann nicht mehr nur um die Lebenserwartung. apa
Durch die Novelle des Hypothekar- und Immobiliengesetzes bekommen Senioren leichter Kredite. Es geht dann nicht mehr nur um die Lebenserwartung. apa

Alter kein Hindernis mehr, wenn Sicherheiten vorhanden sind.

Bregenz Für einen älteren Menschen, der einen Kredit benötigt, sind die gesetzlichen Hürden derzeit hoch. Bislang war es nämlich so, dass sich Banken im Rahmen der Kreditwürdigkeitsprüfung an der statistischen Lebenserwartung orientierten, da Kredite unabhängig von bestehenden Sicherheiten bis zum Lebensende vollständig zurückbezahlt werden müssen. Auch wurde teilweise ein Höchstalter festgesetzt.

Das wird sich nun ändern. Denn durch eine Novelle des Hypothekar- und Immobiliengesetzes sollen Senioren in Österreich bald leichter Kredite bekommen.

Künftig sollen Banken bei der Vergabe stärker auf die Rückzahlungswahrscheinlichkeit und das Vorhandensein von Sicherheiten abstellen können. Das bedeutet, dass es nur mehr wahrscheinlich sein muss, dass der Kreditnehmer zu Lebzeiten die laufenden Kreditraten bezahlen kann. Außerdem müssen die als Sicherheit dienenden Vermögenswerte die Verbindlichkeiten abdecken können.

Keine Kündigung

Die Novelle soll am 1. April 2023 in Kraft treten und wird von weiteren Maßnahmen flankiert. So darf künftig etwa der Tod eines Kreditnehmers nicht mehr automatisch zur Kündigung eines Kreditvertrags führen. Die Erben sollen entscheiden können, ob sie in den Kreditvertrag eintreten wollen. Außerdem gilt für Banken eine „angemessene Nachsicht“. Das heißt, bei einem als Sicherheit dienenden Haus müssen die Erben die Gelegenheit bekommen, dieses selbst zu verwerten.

„Wir begrüßen die neuen gesetzlichen Regelungen, denn sie verhelfen älteren Menschen zu mehr Spielraum und schaffen zugleich Klarheit“, sagt Michael Alge, Vorstandsvorsitzender der Raiffeisen Landesbank Vorarlberg. Bisher habe das Hypothekar- und Immobilienkreditgesetz die Kreditvergabe nur erlaubt, wenn eine gänzliche Rückführung des Kredits noch während der statistisch zu erwartenden Lebensdauer aus dem Einkommen möglich war.

Neue, faire Chancen

„Diese Sichtweise benachteiligt ältere Kreditnehmer, für die bisher aufgrund der kürzeren Kreditlaufzeit eine Rückführung nicht darstellbar war, die aber sehr wohl in ihrem bisherigen Leben Vermögen angespart haben – zum Beispiel in Form einer Immobilie.“ Die vorgestellte Novelle dieses Gesetzes werde die Kreditvergabe an ältere Menschen in einer solchen Situation erleichtern oder überhaupt erst ermöglichen, so Alge. „Die geplante Gesetzesnovelle eröffnet neue, faire Chancen für ältere Menschen.“ Sie sei deshalb „sinnvoll und richtig“. VN-reh

„Wir begrüßen diese Adaptierung des Gesetzes ausdrücklich und halten sie für sinnvoll und richtig.“

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