Bertsch-Insolvenz ist 2022 die zweitgrößte Pleite in Österreich

Markt / 14.12.2022 • 18:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Firma Bertsch in Bludenz.
Firma Bertsch in Bludenz.

Unternehmensinsolvenzen in Vorarlberg um fast 100 Prozent gestiegen, aber immer noch weniger als 2019.

Bregenz Im Jahr 2022 waren in Vorarlberg 99 Unternehmen, 98 Prozent mehr als 2021, von einer Insolvenz betroffen. Um die Verdoppelung richtig einordnen zu können: Im Vergleich zum Vorkrisenniveau ergibt sich immer noch ein Minus von 25,6 Prozent. 2019 gingen 133 Vorarlberger Firmen pleite. Heuer sind vor allem die Branchen Bauwirtschaft, Handel und Verkehr/Lagerei von einer Insolvenz betroffen. Zuwächse mussten alle neun Bundesländer verkraften, konkret 4770 Unternehmen, die höchsten Zuwächse haben Oberössterreich und Tirol.

<p class="caption">Bertsch-Energy Geschäftsführer Thomas Smetana.</p>

Bertsch-Energy Geschäftsführer Thomas Smetana.

„Angesichts der Vielzahl an Baustellen, mit denen sich die heimische Wirtschaft herumschlagen muss, ist es keine Überraschung, dass die Zahl der Firmenpleiten gegenüber dem Vorjahr um mehr als die Hälfte gestiegen ist“, erklärt Regina Nesensohn, Leiterin KSV1870 Standort Feldkirch. Dabei falle auf, dass insbesondere die Zahl der mangels Kostendeckung nicht eröffneten Fälle massiv gestiegen ist und auch hier wieder Sphären des Vorkrisenniveaus erreicht werden: Mussten im Vorjahr 15 Fälle abgewiesen werden, waren es heuer mit 32 Fälle, doppelt so viele. Bei Bertsch Energy stehen Passiva von 138,3 Millionen Euro zu Buche. Es ist dies die zweitgrößte Firmenpleite des Jahres in Österreich und die größte Firmenpleite der letzten Jahre in Vorarlberg. Insgesamt zeigt sich aber, dass die Zahl der Firmenpleiten deutlich stärker angestiegen als jene der Passiva.

Abseits der Insolvenzen gab es in Vorarlberg im Jahresverlauf über 1700 zusätzliche Geschäftsschließungen, wo sich die Eigentümer entschlossen haben, den Betrieb mehr oder weniger freiwillig einzustellen.

Bertsch Energy: Was man wissen muss

Eines steht fest: Der Zeitplan zum Insolvenzantrag der Firma Bertsch Energy wurde auf den Tag genau eingehalten. Hubert Bertsch und Energy-Geschäftsführer Thomas Smetana sagten bereits am 1. Dezember, dass es rund 14 Tage dauert, bis die Insolvenz eröffnet wird, das ist nach dem Antrag am Montag zu Mittwoch geschehen. Hier die wichtigsten Eckdaten:

Unbeschränkt haftende Gesellschafterin: Bertsch Energy GmbH

Beschränkt haftende Gesellschafterin: Bertsch Holding GmbH

Alleinvertretungsbefugter unternehmensrechtlicher Geschäftsführer: Thomas Smetana

Gegenstand des Unternehmens: Errichtung von Kraftwerksanlagen und Herstellung von Abhitzesystemen und Prozessapparaten für die chemische und petrochemische Industrie.

Beschäftigte : 165 Mitarbeiter (156 Angestellte, 5 Arbeiter, 4 Lehrlinge)

Betroffene Gläubiger: ca. 465

Höhe der Aktiva: rd. 26,5 Mill. Euro, wovon 23,4 Mill. Euro mit Pfandrechten belastet sind

Höhe der Passiva: rd. EUR 138,3 Mio., wobei nach Berücksichtigung der bevorrechteten Forderungen von EUR 23,4 Mio., Passiva von EUR 114,9 Mio. verbleiben

Insolvenzverwalter RA Dr. Wilhelm Klagian in 6850 Dornbirn. Die erste Prüfungstagsatzung wurde mit 23. Februar.2023 festgelegt.

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