Für den Bau wird’s jetzt dramatisch

Markt / 17.12.2022 • 04:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Innungs-GF Hilmar Müller und die Sprecher der Bauwirtschaft Alexander Stroppa, IM Peter Keckeis und Johannes Wilhelm schauen mit Sorgen in die Zukunft.  <span class="copyright">FA</span>
Innungs-GF Hilmar Müller und die Sprecher der Bauwirtschaft Alexander Stroppa, IM Peter Keckeis und Johannes Wilhelm schauen mit Sorgen in die Zukunft.  FA

Branche fordert Handeln der Politik bei Wohnbau und Energie.

Hohenems Das vergangene Jahrzehnt waren – trotz zwischenzeitlichen Covid-Lockdowns und damit zusammenhängenden Irritationen – für die Baubranche und die Immobilienbranche goldene Jahre. Und auch 2022 fühlt sich noch gut an. Doch zu Jahresende und im nächsten Jahr rechnen die Unternehmen mit zunehmendem Gegenwind. Das unternmauerten am Freitag die Vertreter der Branchen, Bau-Innungsmeister Peter Keckeis, seine tellvertreter Alexander Stroppa und Johannes Wilhelm und namens der Fachgruppe der Immobilien- und Vermögenstreuhänder, Geschäftsführer Hilmar Müller, mit Zahlen aus dem zur Neige gehenden Jahr und den Ergebnissen der Blitzumfrage in der Branche. . Für das erste Halbjahr 2023 rechnen die heimischen Bauunternehmen mit einem Auftragsrückgang von mindestens 15 Prozent, augeschlüsselt nach Tief-, Gewerbe- und Wohnbau und nach Regionen sind die Rückgänge noch weit dramatischer. 

Negative Einschätzung

Besonders drastisch sei die Situation im Bereich Wohnbau, was sich spätestens mit der Einführung der neuen Kreditregeln im Sommer deutlich abgezeichnet habe. „Ein Sommer der Verunsicherung ist in einen Herbst mit negativen Prognosen übergegangen“, analysiert Johannes Wilhelm, Wohnbausprecher und stellvertretender Innungsmeister, die Entwicklung. Die befragten Bauunternehmer und Wohnbauträger erwarten durchwegs einen Rückgang im Wohnbau von mindestens 30 Prozent – einige rechnen sogar damit, dass der Wohnungsmarkt zum Stillstand kommt, skizziert er die Situation.

„Ein Sommer der Verunsicherung ist in einen Herbst mit negativen Prognosen übergegangen“

Johannes Wilhelm, Wohnbausprecher und stellvertretender Innungsmeister

Für diese negative Einschätzung gibt es mehrere Gründe: Die von der Finanzmarktaufsicht im europäischen Alleingang in Kraft gesetzten Regeln bei Kreditvergaben verhindern, dass Eigentum vor allem für junge Menschen leistbar sei. Käufer einer Immobilie müssen für 20 Prozent des Kaufpreises Eigenkapital nachweisen können, die monatlichen Kreditraten dürfen maximal 40 Prozent des verfügbaren Netto-Haushaltseinkommens ausmachen und die Laufzeit der Finanzierung darf 35 Jahre nicht übersteigen. Ein Umstand der auch den Banken zu schaffen mache, denn es zeige sich, dass die ersten poteiziellen Haus- bzw. Wohnungsinteressenten bei ausländischen Banken andocken. Zu den Regeln, die so Hilmar Müller, zur falsch Zeit in Kraft getreten sind, kommen hohe Inflation, steigende Zinsen und Energiepreise, die allgemeine Teuerung und zunehmende Sorgen der Menschen.

Giftzähne ziehen

Klar, dass die Bauwirtschaft zumindest den Kreditvorschriften so schnell wie möglich die Giftzähnen ziehen wollen, vom Land fordern sie indes, dass bei der Wohnbauförderungder Grundkostenanteil angehoben werden muss, damit die Wohnbauförderung in der Realität der hohen Grundstückskosten ihren Zweck erfülle. Alexander Stroppa warnt außerdem Stroppa warnt vor einem deutlichen Konjunkturrückgang ab Mitte 2023, wenn bei den massiven Energiepreissteigerungen nicht rasch gegengesteuert werde.

Baubranche Blitzumfrage

Blitzumfrage gesamt Auftragsvergabe gesamt 15 Prozent im ersten Halbjahr

Wohnbau minus 30 Prozent

Tiefbau minus 18 Prozent

Auftragslage Ende 2022 minus 9 Prozent

Mitarbeiter Bau Vbg. rund 4000

Lehrlinge 230

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