Immobilientraum muss warten

Markt / 21.12.2022 • 18:31 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Geschäftsführer von Sparkassen REAL Vorarlberg, Dominik Brunauer und Christian Hagspiel.s real immobilien/Weissengruber
Die Geschäftsführer von Sparkassen REAL Vorarlberg, Dominik Brunauer und Christian Hagspiel.s real immobilien/Weissengruber

Experten von s Real sehen Trendwende kommen. „Preisobergrenze ist erreicht.“

Dornbirn 2022 war ein zweigeteiltes Jahr am Vorarlberger Immobilienmarkt. Während im ersten Halbjahr die Nachfrage nahtlos an den Boom der Vorjahre anschloss und die Preise nach oben trieb, zeigte sich das zweite Halbjahr deutlich rückläufig.

Nachlassende Nachfrage

Für die Immobilienexperten von s Real steht deshalb fest: Es gibt eine Trendwende. Dass die Nachfrage nachließ, habe jedenfalls einen starken Zusammenhang mit der Inflation, den steigenden Zinsen und den verschärften Eigenkapitalvorschriften für Kreditnehmer. „Die aktuelle Situation verunsichert. Im Umfeld gestiegener Lebenshaltungskosten verschiebt man die Realisierung so mancher Immobilienträume erst einmal auf später und wartet lieber ab“, berichten die Geschäftsführer Dominik Brunauer und Christian Hagspiel.

Zusätzlich hätten sich bereits im vergangenen Jahr die Anzeichen für eine gewisse Sättigung verdichtet. In Vorarlberg werde seit Ausbruch der Corona-Pandemie schon im zweiten Jahr in Folge deutlich weniger Wohnraum als zuvor errichtet. „Noch vor Kurzem fand so gut wie jedes neu angebotene Objekt sehr schnell einen Käufer. Nun dauert die Suche nach neuen Eigentümern merklich länger. Auch der Interessentenkreis ist nicht mehr so groß. Auf den Preis schlagen sich die neuen Rahmenbedingungen allerdings noch nicht nieder“, so Brunauer.

Abstriche bei der Größe

Bei knappen Haushaltsbudgets steige auch die Bereitschaft, Abstriche bei der Größe und Ausstattung der Immobilie zu machen. Sowohl am Kaufmarkt als auch am Mietmarkt seien jetzt vor allem Drei-Zimmer-Objekte und kleinere Wohneinheiten gefragt. Es zeige sich, dass sich für Wohneinheiten mit vier Zimmern und mehr häufig nur mehr Gutverdienende interessieren, die aus dem Ausland oder anderen Bundesländern zuziehen. Kompromisslos sei man hingegen bei der Heizung. „Die stark gestiegenen Energiekosten haben zu einem deutlichen Umdenken geführt. Wohnungen und Häuser mit Öl- und Gasheizung finden nun weniger Interessenten“, so Hagspiel.

Im gerade neu erschienenen Immo-Guide, der die Richtwerte für Gewerbe- und Wohnimmobilien für die wichtigsten Regionen des Landes ausweist, gehen die Experten der Sparkasse jedenfalls für 2023 von stagnierenden Preisen aus. „Wir gehen davon aus, dass das Kaufinteresse im kommenden Jahr weiter nur verhalten bleibt und die Kaufpreise zumindest stagnieren. Für besondere Gustostücke, vor allem aber auch für die raren, gut gelegenen Grundstücke können auch weiterhin Bestpreise erzielt werden“, so das Geschäftsführer-Duo.

Fragezeichen bei Mieten

Bei Mietwohnungspreisen gibt es indes noch ein Fragezeichen. „Manche bleiben nun länger als geplant in ihrer Mietwohnung und sparen für künftiges Wohneigentum an. Zwar verhindert noch das einigermaßen große Angebot an Mietwohnungen eine starke Preissteigerung in diesem Segment. Wie lange jedoch die Mietpreise dem zunehmenden Nachfragedruck standhalten können, bleibt noch abzuwarten.“ VN-reh

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