Fokussierung auf das Wesentliche

Markt / 19.01.2023 • 22:07 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Thomas Kloser packt an: Etwas kleiner dimensioniert, sieht die neue Strategie eine Fokussierung vor. VN/sca
Thomas Kloser packt an: Etwas kleiner dimensioniert, sieht die neue Strategie eine Fokussierung vor. VN/sca

Nach Insolvenz: Bäcker Kloser richtet sich wieder auf und stärkt Kernkompetenzen.

Bregenz Mit 6o Jahren bereiten sich viele Menschen auf ihren verdienten Ruhestand vor. Das hatte auch der Bregenzer Bäcker Thomas Kloser eigentlich vorgehabt. Doch seit Ende Mai 2022 hat sich seine Lebensplanung verschoben. Am 30. Mai musste die Bäckerei Kloser Insolvenz mit Verbindlichkeiten von 2,1 Millionen Euro anmelden. Hauptgrund: Der Covid-Umsatz und -Verlustersatz wurde zwar schon im Oktober 2021 schriftlich zugesagt, doch auf dem Konto des Bäckers, der zum damaligen Zeitpunkt 17 Filialen betrieb, ging keine Zahlung ein. „Bis heute ist von der Cofag kein Geld überwiesen worden“, berichtet Thomas Kloser im Gespräch mit den VN, darum müsse „sich jetzt aber der Masseverwalter kümmern“.

Kloser selbst packte wieder an, kümmerte sich in den vergangenen Monaten darum, das Geschäft der Traditionsbäckerei aufrechtzuerhalten oder anders gesagt auf neue Beine zu stellen. „Wir haben lange überlegt, ganz zuzusperren.“ Entschieden wurde fürs Weitermachen. Was schließlich gelungen ist, doch einfach war es nicht. Denn schon bei der Anmeldung des Gewerbes lauerte eine Falle: Geplant war, dass das neue Unternehmen den Namen Bäckerei Kloser GmbH trägt, nachdem es zuvor unter dem Namen Kloser’s Bäckerei GmbH firmierte. Was der zuständige Beamte ablehnte und um neue Namensvorschläge bat: Geworden ist es jetzt die Bäckerei TK GmbH, die Gesellschafter- Anteile haben sich verschoben.

Kloser selbst ist wieder Hauptgesellschafter mit einem Anteil von 60 Prozent (zuvor 39.9 Prozent), die Musterknaben Capital GmbH hält nun 30 Prozent (früher 60,1 Prozent) und neu in der Gesellschaft ist der neue Geschäftsführer Stefan Botta, Spross einer Bäckerfamilie und als solcher auch Bäckermeister, der eine Beteiligung von zehn Prozent hält. Statt 89 Mitarbeitern bei Anmeldung der Insolvenz ist jetzt eine Weiterführung mit 55 Mitarbeitern geplant. Verschlankt wurde auch das Filialnetz. Kloser betreibt nun sieben Filialen (Bregenz Arlbergstraße, Brielgasse, Achsiedlung und Bahnhof; Kennelbach, Lauterach Baywa, und Langen Tankstelle Böhler) und einen Foodtruck.

„Machen, was wir können“

Der neue Betrieb wurde sozusagen entschlackt. „Wir machen nur noch, was wir wirklich können“, sagt Kloser. Und das sei das Brotbacken. Verwendet werden in der 1834 gegründeten Bäckerei Rohstoffe aus der Region, natürlich wird an den sieben Standorten auch das Snackangebot vom Salat bis zu gefülltem Gebäck angeboten, doch wurde bereits die Auslieferung an die Gastronomie stark heruntergefahren. Auch die Belieferung des Einzelhandels fällt der neuen Strategie zum Opfer – auch deshalb, weil bis heute viele Bäcker dort Brot auf Kommission liefern. „Ist zu viel Brot im Markt, wird deshalb dieses zuerst verkauft und das Bäckerbrot nach hinten verfrachtet.“ Und die Preise seien im Lebensmittelhandel am unteren Ende. Kürzlich habe er ein Angebot für zehn Semmel um einen Euro gesehen, „das müssten wir bei unserer handwerklichen Produktion schon fast für eine Semmel verlangen“, so der Bäcker.

Auf die Erfahrungen vor und nach der Insolvenzanmeldung hätte Kloser gut verzichten können. „Von unserer Interessenvertretung und der Politik haben wir keine Hilfe erfahren, als es um die zugesagten Covid-Gelder ging. Wir haben für unseren Betrieb vier Gewerbe angemeldet, aber bei der Bitte um Unterstützung hat sich niemand gemeldet“, so Kloser bitter, auch der Versuch, von der Landesregierung, Hilfe beim Einfordern der Covidgelder zu bekommen, scheiterte. Konstruktiv waren die Gläubiger Finanzamt und Krankenkasse, doch die Bank und auch einige der Vermieter der Ladenlokale wollten nicht mitziehen, bilanziert Kloser die letzten Monate, die auch deshalb schwierig waren, weil der Mitarbeitermangel, die Energie- und Lebensmittelpreiserhöhungen und die Inflation drückten. VN-sca

Sieben statt früher 17 Standorte betreibt das Unternehmen nun. VN/Mayer
Sieben statt früher 17 Standorte betreibt das Unternehmen nun. VN/Mayer

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