Welcher Bäcker sich jetzt auf das Wesentliche fokussiert

Markt / 19.01.2023 • 15:51 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
<p class="caption">Echte Handwerkskunst, Rohstoffe aus der Region und engagierte Mitarbeiter: Das sind die Zutaten, auf die Bäcker Thomas Kloser für seine Bäckerei baut. <span class="copyright">APA</span><span class="marker"><br></span></p>

Echte Handwerkskunst, Rohstoffe aus der Region und engagierte Mitarbeiter: Das sind die Zutaten, auf die Bäcker Thomas Kloser für seine Bäckerei baut. APA

Nach Insolvenz: Bregenzer Bäcker gründet neues Unternehmen und konzentriert sich auf Kernkompetenzen.

Bregenz Mit 6o Jahren bereiten sich viele Menschen auf ihren verdienten Ruhestand vor. Das hatte auch der Bregenzer Bäcker Thomas Kloser eigentlich vorgehabt.

Neustart nach Insolvenz

Doch seit Ende Mai 2022 hat sich seine Lebensplanung verschoben. Am 30. Mai musste die Bäckerei Kloser Insolvenz mit Verbindlichkeiten von 2,1 Millionen Euro anmelden. Hauptgrund: Der Covid-Umsatz und Verlustersatz wurde zwar schon im Oktober 2021 schriftlich zugesagt, doch auf dem Konto des Bäckers, der zum damaligen Zeitpunkt 17 Filialen vornehmlich an gut frequentierten Standorten betrieben hat, ging keine Zahlung ein. „Bis heute ist von der Cofag kein Geld überwiesen worden“, berichtet Thomas Kloser im Gespräch mit den VN, darum müsse sich jetzt aber der Masseverwalter kümmern.

Thomas Kloser packt an: Etwas kleiner dimensioniert, sieht die neue Strategie auch eine Fokussierung auf die Kernkompetenzen vor. <span class="copyright">VN/sca</span>
Thomas Kloser packt an: Etwas kleiner dimensioniert, sieht die neue Strategie auch eine Fokussierung auf die Kernkompetenzen vor. VN/sca

Kloser selbst packte wieder an, kümmerte sich in den vergangenen Monaten darum, das Geschäft der Traditionsbäckerei aufrechtzuerhalten oder anders gesagt auf neue Beine zu stellen. „Wir haben lange überlegt, ganz zuzusperren“. Entschieden wurde schließlich fürs Weitermachen. Das ist schließlich gelungen, doch einfach war es nicht. Schon bei der Anmeldung des Gewerbes lauerte eine Falle: Geplant war, dass das neue Unternehmen den Namen Bäckerei Kloser GmbH trägt, nachdem es zuvor unter dem Namen Klosers Bäckerei GmbH firmierte. Der zuständige Beamte lehnte das ab, und bat um neue Namensvorschläge: Geworden ist es jetzt die Bäckerei TK GmbH, die Gesellschafteranteile haben sich verschoben.

Sieben statt früher 17 Standorte betreibt das Unternehmen und bietet Brot, Gebäck, Mehlspeisen und ein beliebtes Snackangebot. <span class="copyright">VN/Mayer</span>
Sieben statt früher 17 Standorte betreibt das Unternehmen und bietet Brot, Gebäck, Mehlspeisen und ein beliebtes Snackangebot. VN/Mayer

Kloser selbst ist wieder Hauptgesellschafter mit einem Anteil von 60 Prozent (zuvor 39,9 Prozent), die Musterknaben Capital GmbH hält nun 30 Prozent (früher 60,1 Prozent) und neu in der Gesellschaft ist der neue Geschäftsführer Stefan Botta, Sproß einer Bäckerfamilie und als solcher auch Bäckermeister, der eine Beteiligung von zehn Prozent hält, die in Zukunft aufgestockt werden könnte. Statt 89 Mitarbeitern bei Anmeldung der Insolvenz ist jetzt eine Weiterführung mit 55 Mitarbeitern geplant. Verschlankt wurde auch das Filialnetz. Kloser betreibt sieben Filialen (Bregenz Arlbergstraße, Brielgasse, Achsiedlung und Bahnhof; Kennelbach, Lauterach Baywa, und Langen Tankstelle Böhler) und einen Foodtruck, der „sehr gut läuft“.

“Machen, was wir können”

Der neue Betrieb wurde sozusagen entschlackt. „Wir machen nur noch, was wir wirklich können“, sagt Kloser. Und das sei das Brotbacken. Verwendet werden in der 1834 am heutigen Standort von Michael Räfye, einem Bäcker aus Meßkirch und Klosers Urgroßvater, gegründeten Bäckerei Rohstoffe aus der Region, natürlich wird an den sieben Standorten auch das Snackangebot vom Salat bis zu gefülltem Gebäck angeboten, doch wurde bereits die Auslieferung an die Gastronomie stark heruntergefahren. „Früher haben wir die Kunden auch bei Bestellungen mit zehn Semmeln direkt beliefert, das können wir aus Kostengründen nicht mehr machen. Auch die Belieferung des Einzelhandels fällt der neuen Strategie zum Opfer, auch deshalb, weil bis heute viele Bäcker dort Brot auf Kommission liefern. „Ist zu viel Brot im Markt, wird deshalb dieses zuerst verkauft und das Bäckerbrot nach hinten verfrachtet“. Und die Preise seien im Lebensmittelhandel am unteren Ende. Kürzlich habe er ein Angebot für zehn Semmel um einen Euro gesehen, „das müssten wir bei unserer handwerklichen Produktion schon fast für eine Semmel verlangen“, so der Bäcker.

Die Bäckerei Kloser zählt nach wie vor zu den größten Betrieben der Branche in Vorarlberg.<span class="copyright"> VN/mm</span>
Die Bäckerei Kloser zählt nach wie vor zu den größten Betrieben der Branche in Vorarlberg. VN/mm

Auf die Erfahrungen vor und nach Insolvenzanmeldung hätte Kloser gut verzichten können. Von der Interessenvertretung und von der Politik habe er keine Hilfe erfahren, als es um die zugesagten Covid-Gelder ging. „Wir haben für unseren Betrieb vier Gewerbe angemeldet und zahlen dafür Kammerumlage, aber bei der Bitte um Unterstützung hat sich niemand gemeldet“, so Kloser bitter, auch der Versuch, bei der Landesregierung Hilfe beim Einfordern der Unterstützungsgelder zu bekommen, scheiterte, sagt der Bregenz Bäckermeister. Konstruktiv waren die Gläubiger Finanzamt und Krankenkasse, doch die Bank und auch einige der Vermieter der Ladenlokale wollten allerdings nicht mitziehen, bilanziert der Unternehmer die letzten Monate, die auch deshalb schwierig waren, weil der Mitarbeitermangel (“Da haben viele gezögert oder sich erst gar nicht beworben”), die Energie- und Lebensmittelpreiserhöhungen und die Inflation drückten. Dennoch: Es gab keine Preiserhöhungen und das operative Geschäft ist positiv.

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