Kann Wolford diese Laufmasche noch stoppen?

Markt / 23.01.2023 • 18:30 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
In den Wolford-Werkshallen hofft man darauf, mit innovativer Technik weitermachen zu können.<span class="copyright"> FA</span>
In den Wolford-Werkshallen hofft man darauf, mit innovativer Technik weitermachen zu können. FA

Fosun Fashion Group Wisdom bei Wolford glücklos: Firmensitz verkauft, jetzt werden Arbeitsplätze abgebaut.

Bregenz “Wie lange kann das noch gut gehen? Ist Wolford noch zu retten?” und ähnliche Fragen stellen sich nach dem seit der Übernahme der Mehrheit der Wolford-Aktien durch die chinesischen Investor Fosum Fashion Group Wisdom fortgesetzten Niedergang des einst gefeierten Börsenstars aus Bregenz Mitarbeiter, Pensionisten und Finanz- sowie Textilwirtschaft. Das Unternehmen befeuert solche Spekulationen nach Kräften, denn der versprochene Befreiuungsschlag mag nicht gelingen.

Das Betriebsgebäude des Textilkonzerns wurde an Blum Beschläge verkauft. Der Mietvertrag für Wolford läuft bis 2027. <span class="copyright">FA</span>
Das Betriebsgebäude des Textilkonzerns wurde an Blum Beschläge verkauft. Der Mietvertrag für Wolford läuft bis 2027. FA

Nun sollen weitere zehn Prozent der Mitarbeiter abgebaut werden – das verkündete der niederösterreichische Interimsvorstand des Bregenzer Nobelmodelabels, Paul Kotbra, in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin Profil. Die Mitarbeiter wussten zu diesem Zeitpunkt schon von dem Einschnitt: Der Betriebsrat wurde schon Ende vergangenen Jahres informiert, die Mitarbeiter bei einer folgenden Betriebsversammlung. Das berichtet Betriebsratsobmann Alexander Greussing, der das Amt des Obmanns erst zu Jahresbeginn übernommen hat. Im Betrieb ist er allerdings seit 43 Jahren, hat dort schon seine Lehre gemacht.

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Wieviele Mitarbeiter an welchem Standort gehen müssen, ist indes noch nicht sicher: Derzeit mache die Firmenleitung gerade ihre Planung für den Stellenabbau, so Greussing. Geht man davon aus, dass Wolford die Wisto gerade beauftragt hat, nach einem neuen Standort im Land zu suchen, könnten bis 2027 alleine in Bregenz 130 Arbeitsplätze abgebaut werden – denn gesucht wird ein Betriebsgebäude für 250 Mitarbeiter.

Auch ohne zu wissen, wieviele Arbeitsplätze in Bregenz verloren gehen, wurde für den aktuellen Stellenabbau bereits ein Sozialplan ausgehandelt. “Es gibt ein Punktesystem, das die Länge der Betriebszugehörigkeit ebenso berücksichtigt wie den Familienstand oder ob der Mitarbeiter Alleinerzieher ist”, so Greussing. Ebenfalls gebe es eine Arbeitsstiftung, die bei Umschulungen unterstütze und eine Stelle im Personalbüro, das bei Bewerbungen der freigesetzten Mitarbeiter helfe.

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So pessimistisch wie viele langgediente Mitarbeiter und Wolford-Pensionisten will Betriebsratschef Greussing die Sache nicht sehen: “Es hat bei Wolford immer wieder Höhen und Tiefen gegeben”, sagt er und verweist auf die Innovationskraft der Bregenzer Luxusmarke: “Wir haben hier spezielle Technologien entwickelt, dieses Know-how kann man nicht so schnell auslagern.” Das Niveau sei wahnsinnig hoch, so Greussing. Was allerdings nicht wirklich gelingt, ist diese Entwicklungen den Kunden zu verkaufen. Im vergangenen Jahr konnte zwar der Umsatz gesteigert werden, allein in der Kasse blieb nichts – das operative Ergebnis lag bei einem Minus von fast 17 Millionen Euro.

Betriebsratsobmann Alexander Greussing, GPA-Geschäftsführer Marcel Gilly: "Sozialplan steht, auch eine Arbeitsstiftung gibt es für Mitarbeiter, die umschulen wollen<span class="copyright"> VN/s</span>."
Betriebsratsobmann Alexander Greussing, GPA-Geschäftsführer Marcel Gilly: "Sozialplan steht, auch eine Arbeitsstiftung gibt es für Mitarbeiter, die umschulen wollen VN/s."

Die 72 Millionen Euro, die Wolford vom Käufer Blum für das Gebäude in Bregenz erhalten hat, sind verbraucht, neues Geld soll ermöglichen, wieder aktiv zu werden. Was nötig ist, denn in der Fashionbranche kann man nur reüssieren, wenn man glänzt. Und das ist derzeit sicher nicht der Fall.

Wolford an der Börse

Kapitalerhöhung bringt Wolford bis zu 20,16 Mio. Euro

18. Jänner 2023 Das Vorarlberger Textilunternehmen Wolford stockt im Rahmen einer Kapitalerhöhung das Grundkapital auf 48,377.884,80 Euro auf. Dazu werden in der Zeit vom 23. Jänner bis 6. Februar 3,359.575 neue Aktien zum Bezugspreis von 6 Euro je Aktie ausgegeben, wie aus einer Mitteilung von heute, Mittwoch, hervorgeht.Bregenz. Bestehende Aktionäre erhalten, wie auf der außerordentlichen Hauptversammlung am 1. Dezember 2022 beschlossen, für zwei Aktien das Bezugsrecht für eine neue Aktie. Die Bezugsrechte mit der ISIN AT0000A32430 werden den Anteilseignern am 23. Jänner 2023 den Angaben zufolge entsprechend dem Depotstand vom 20. Jänner eingebucht und können am 27., 30. und 31. Jänner gehandelt werden.

Neue Aktien, für die keine Bezugsrechte ausgeübt wurden, werden im Rahmen einer Privatplatzierung angeboten. Zum Zug kommen Investoren, die im Rahmen des Bezugsangebotes zumindest 500.000 neue Aktien bezogen haben. Wolford-Mehrheitsaktionär ist die chinesische Fosun Fashion Group Wisdom mit etwa 58 Prozent, der Privatinvestor hält laut Wolford 28,27 Prozent der Anteile. Knapp 2 Prozent der Aktien gehören Wolford, der Rest befindet sich im Streubesitz.

Wäschekonzern Wolford beschloss Kapitalerhöhung

Der Vorarlberger Wäschekonzern Wolford hat am 1. Dezember in einer außerordentlichen Hauptversammlung in Bregenz eine Kapitalerhöhung beschlossen. Im ersten Quartal 2023 werden bis 3,36 Mio. Stückaktien zu einem Preis von 6 Euro je Aktie ausgegeben, informierte das Unternehmen am Donnerstag. Damit könnten bis zu 20,16 Mio. Euro für den Wäschekonzern zusammenkommen. Das operative Ergebnis (EBIT) im ersten Halbjahr hatte minus 16,9 Mio. Euro betragen.Bregenz. Das Grundkapital der Gesellschaft in Höhe von 48,85 Mio. Euro wird auf 32,25 Mio. Euro herabgesetzt und soll durch die Ausgabe der Aktien wieder auf bis zu 48,38 Mio. Euro ansteigen. “Der Wolford AG werden im Rahmen dieser Kapitalmaßnahmen bis zu 20,16 Mio. Euro zufließen, damit wird sich die Eigenkapitalquote auf rund 10 Prozent erhöhen. So sollte das Unternehmen für die aktuellen Herausforderungen gerüstet sein”, sagte Vorstandsmitglied Paul Kotrba (Interim COO). Silvia Azzali (CCO) stellte fest: “Wir freuen uns über die Zustimmung der Hauptversammlung zur Kapitalerhöhung. Damit stärken wir unsere Eigenkapitalbasis und können unsere Strategie zur Weiterentwicklung der Marke Wolford systematisch weiter verfolgen.”

Der Betriebsverlust im ersten Halbjahr – trotz einer Umsatzsteigerung um über 29 Prozent – war auf höhere Preise für Stoffe, Papier, Energie und Logistik sowie kollektivvertraglichen Lohnerhöhungen zurückzuführen. Das seit August 2022 agierende Vorstandsduo Azzali/Kotrba habe die operativen Kosten inzwischen konsequent reduziert, etwa über geringere Mietkosten durch verkleinerte Büros im Headquarter. Aktuell liege ein Fokus des Managements auf der Verbesserung der betrieblichen Prozesse, um schneller auf sich wandelnde Marktanforderungen reagieren zu können, hieß es. Die positive Umsatzentwicklung zeige, dass Wolford auf dem richtigen Weg ist, sagte Azzali.

Substanziellen Rückenwind erwartete das Wolford-Management von der Börsennotierung des Hauptaktionärs Lanvin Group, die noch im laufenden Jahr erfolgen soll. “Wolford ist eine der größten Beteiligungen der Gruppe und entsprechend wird auch unser Unternehmen von einer stärkeren Position der gesamten Lanvin Group profitieren,” so Azzali.

Wolford AG bekommt neuen Vorstand

Der kriselnde Vorarlberger Wäschekonzern Wolford bekommt einen neuen Vorstand. Der 47-jährige Ralf Polito wurde zum 1. Juli 2023 vom Aufsichtsrat für zwei Jahre zum Vorstandsmitglied bestellt, informierte das Unternehmen am Montag. Polito werde als Chief Operating Officer (COO) die Bereiche Supply Chain und Produktion, Recht, Investor Relations, IT sowie Projekt Management Office (PMO) leiten, hieß es. Polito soll das Unternehmen gemeinsam mit Silvia Azzali führen, die seit 1. November 2019 als Chief Commercial Officer (CCO) tätig ist. Ende Juli hatte COO Andrew Thorndike den angeschlagenen Strumpfhersteller verlassen, er war 2019 zur Unternehmensführung gestoßen. Interimistisch wurde Paul Kotrba ab 1. August in die Vorstandsposition eingesetzt, Azzali übernahm zusätzlich zu Sales, Merchandising, Marketing sowie Design die Bereiche Forschung & Entwicklung und Nachhaltigkeit, Finanz und Personal.

Mehr Informationen: company.wolford.com/de/investor-relations

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