Aqua Mühle schließt drei Schulkantinen

Markt / 25.01.2023 • 18:55 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Aqua Mühle betreibt unter anderem auch das Mühlencafé in Frastanz.<span class="copyright">Aqua Mühle</span>
Die Aqua Mühle betreibt unter anderem auch das Mühlencafé in Frastanz.Aqua Mühle

Soziale Unternehmen stehen vermehrt unter finanziellem Druck. Die ersten Einrichtungen fallen dem bereits zum Opfer.

Von Raffael Hummer

Frastanz Die Frastanzer Sozialeinrichtung Aqua Mühle beliefert viele Vorarlberger Schulen mit Essen oder betreut die Schulkantinen vor Ort. In drei Schulkantinen kann das demnächst nicht mehr gewährleistet werden. Betroffen sind das BG Gallus in Bregenz, die Landesberufsschule Dornbirn und das BG Rebberggasse in Feldkirch.

Die Aufgabe von sozialen Unternehmen ist es, Menschen zu beschäftigen, zu qualifizieren und an den ersten Arbeitsmarkt zu vermitteln.<span class="copyright">VN/SAMS</span>
Die Aufgabe von sozialen Unternehmen ist es, Menschen zu beschäftigen, zu qualifizieren und an den ersten Arbeitsmarkt zu vermitteln.VN/SAMS

Der Grund dafür ist einfach, es geht ums Geld. Weniger AMS-Förderungen und Teuerung hinterlassen deutliche Spuren. Als soziales Unternehmen bietet Aqua Mühle Langzeitarbeitslosen, also Menschen, die länger als zwölf Monate nicht auf dem ersten Arbeitsmarkt beschäftigt waren, eine Möglichkeit, zurück in einen geregelten Arbeitsalltag zu finden. Mit dem Ziel, diese nach einiger Zeit wieder regulär vermitteln zu können. Bei dieser Aufgabe werden soziale Unternehmen mit Fördergeldern des Arbeitsmarktservice (AMS) unterstützt. Diese werden Jahr für Jahr neu verhandelt, was bei Aqua Mühle Geschäftsführer Florian Kresser für Unmut sorgt. Die Planungsunsicherheit, die durch ein jährlich neues Budget entsteht, sei “eine Katastrophe”.

Florian Kresser wünscht sich Planungssicherheit. <span class="copyright">Thomas Ender</span>
Florian Kresser wünscht sich Planungssicherheit. Thomas Ender

Als Unternehmen wahrnehmen

Dass Förderungen für einzelne Programme gekürzt werden, könne er aufgrund der Entwicklung am Arbeitsmarkt nachvollziehen. Jedoch dürfe man in der Politik soziale Unternehmen nicht als Bildungsträger ansehen, sondern müsse sie als Unternehmen wahrnehmen, die auch ökonomisch handeln müssen. Schließlich werden diese nicht nur von Förderungen gestützt, sondern müssen sich zu 60 bis 70 Prozent selbst finanzieren, so Kresser, der auch Obmann im Verband arbeit plus ist. Das gelingt durch Aufträge wie eben jene in den Schulkantinen.

Arbeit plus setzt sich als Dachverband für soziale Unternehmen für deren Interessen ein. In Vorarlberg zählen dazu neben Aqua Mühle auch Integra, carla, Kaplan Bonetti Arbeitsprojekte sowie die Dornbirner Jugendwerkstätte. In Zeiten der massiven Teuerung blickt auch Geschäftsführerin Benedicte Hämmerle mit gemischten Gefühlen in die Zukunft.

Benedicte Hämmerle fordert längere Laufzeiten für das Förderbudget der sozialen Unternehmen.<span class="copyright">VN/SAMS</span>
Benedicte Hämmerle fordert längere Laufzeiten für das Förderbudget der sozialen Unternehmen.VN/SAMS

Auch für sie ist klar: Es braucht mehr Planbarkeit. “Im Moment ist alles kurzfristig. Je nach Förderung müssen Stellen gestrichen oder aufgebaut werden. Und das jedes Jahr.” Durch Finanzierungen mit längerer Laufzeit könnten bestehende Strukturen gefestigt und langfristig gesichert werden. Aktuell müssten je nach AMS-Budgetlage Beschäftigungsplätze, Projekte oder Einrichtungen geschlossen werden, “obwohl wir oft bereits wissen, dass der Betreuungsbedarf in naher Zukunft wieder steigen wird”.

Gespräche mit der Politik würden zwar bereits laufen, auch Gehör bekomme man, nur die Taten fehlen noch. Erst einmal müssen die Schüler die Nachricht verdauen.

Fakten arbeit plus

Geschäftsführerin: Benedicte Hämmerle

Obmann: Florian Kresser 

Mitgliedsbetriebe: Aqua Mühle, Kaplan Bonetti Arbeitsprojekte, Integra,

carla – Caritas Vorarlberg, Dornbirner Jugendwerkstätte

AMS-Förderung 23: geplant 7,1 Mio. (2022: 9,4 Mio.)

Landesförderung 23: 2,9 Mio. 

Betreuungsangebot: diverse gemeinnützige Tätigkeiten in befristeten Dienstverhältnissen,

Arbeitstrainings, Qualifizierungsangebote, Schulungen, persönliche Unterstützung durch SozialarbeiterInnen

Tätigkeitsfelder der Mitgliedsbetriebe

Catering/Großküche: Verpflegung/Bewirtung für Messen, Großveranstaltungen, Kindergärten, Schulen, Pflegeheime und verschiedene andere Betriebe

Betreiben von Geschäften wie Poststellen, Secondhand Shops etc.

Leistungen in der Kreislaufwirtschaft und für den Klimaschutz

Objektreinigung von Sozialzentren, Autowaschdienst, Raumpflegearbeiten

Mobiler Landschaftspflegedienst

·       Betreiben von Werkstätten, z. B. Schneiderei/Schutzmaskenproduktion

·       Fachgerechte Entsorgung von Daten, Datenträger sowie PCs und Laptops lt. der EU-Datenschutzverordnung (DSGVO)

·       Industrienahe Fertigung für große und kleinere Wirtschaftsbetriebe

·       Wäscheservice für Gastronomiekunden

·       Aufräumarbeiten und Reinigung nach Wohnungsauflösungen, Verwüstungen, usw.

Tischlereiprodukte wie aus Holz gefertigte Verpackungen, maßgetischlerte Trage- oder Regalkisten und einfache Mehrzweckkisten

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